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Frankfurt – Worpswede

Traum:
Ohne dass ich es bemerkt hätte, waren einige Gegenstände in Worpswede zurückgeblieben. Frau Marie Schall, die Nachmieterin, informierte uns inzwischen darüber. So kehre ich kurz nach Worpswede zurück, um die Angelegenheit in Ordnung zu bringen.

Nun stehe ich also in der Tür zur Terrasse der kleinen Erdgeschoßwohnung. Bis in Stirnhöhe stapeln sich hier zerschlagene Möbel, Hausrat und sonstiger Sperrmüll. In dem Haufen liegen auch Moinas Dreiräder. Das rot-gelbe und das rot-lila-grüne – durch ihre Farbigkeit fallen sie zwischen dem Mahagonibruch ins Auge. Nachdem ich die Dreiräder herausgezogen habe, entdecke ich auch noch Geschirr.

Meine Güte, das muss schon sehr lange hier gelegen haben! Es sind drei kleine Butterpfännchen aus Biskuit-Porzellan, die von der Gestaltung her ein wenig an einen Mörser erinnern. Es liegt Jahre zurück, dass sie Verwendung fanden – damals, anlässlich eines Raclette-Essens mit Claus und Rudolpho. Eine dünne ranzige Fettschicht bedeckt die Pfännchen, zudem mit feinem Staub überzogen. Ein paar Weingläser mit roséfarbenen Stiel entdecke ich auch noch – das Glas ist voller fettiger Fingerabdrücke.

Der überwiegende Teil des Schrotthaufens zählt nicht zu unseren Altlasten. Ich gehe in die Küche von Frau Marie Schall und beginne damit, das entdeckte Geschirr abzuwaschen. Inzwischen ist das Spülwasser grau und schlierig von den Rückständen. Mit klarem Wasser machte es sicher mehr Freude, die Butterpfännchen zu reinigen. Es ist eine doppelte Spüle. Links im Becken liegt Frau Marie Schalls Geschirr im ebenfalls getrübten Abwaschwasser. Unsere Spülwässer laufen am Oberrand ineinander über. Naja, wir sind ja auch beide zur gleichen Zeit umgezogen – haben ähnliche Arbeiten zu erledigen.

Ich sage zu Frau Marie Schall, dass ich die beiden Dreiräder bereits entdeckt habe, und sie selbstverständlich fortnehmen würde. Mit spitzer und gereizter Stimme antwortet sie: „Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben? Haben Sie meine Sms nicht erhalten?“ Ja klar, habe ich ihre Sms mit der Frage bezüglich des Haustürschlüssels erhalten! Nur habe ich diesen Schlüssel nicht, weswegen ich darauf gar nicht reagierte. Aber okay, ich werfe noch einen Blick auf meinen Schlüsselbund. Daran hängt tatsächlich ein vierter, ein überzähliger Schlüssel. Der könnte von der Sache her zur Worpsweder Haustür gehören. Aber ich ließ ihn doch bei der Abfahrt in der Wohnung – in der Küche auf der Arbeitsfläche – zurück und zog die Tür dann hinter mir zu. Zudem gab es keinen Haustürschlüssel dieser Form! Meinetwegen könnte ich ihr aber den Schlüssel per Post zuschicken, damit Frau Marie Schall ausprobieren kann, ob er vielleicht doch passt.

Bald darauf trage ich die Dreiräder an der Worpsweder Turnhalle vorbei in Richtung Parkplatz. Währenddessen nehme ich auch Hans wahr, der auf der Grasfläche hinter meinem Elternhaus liegt um zu entspannen. Ihm sollte ich vielleicht mitteilen, dass wir nun doch noch länger Nachbarn bleiben. Die Dinge haben sich inzwischen so verändert, dass fraglich ist, wann ich endgültig nach Frankfurt ziehen werde. Gedankenversunken gehe ich den Pfad zur Hörenberg-Wohnung entlang. Die aufkommende Verzweiflung schnürt mich innerlich zu, erdrückt den dicken Kloß im Hals… Wie soll es nur werden? Mike hat seine Arbeit in Frankfurt. Wir können uns also nur am Wochenende sehen. Das Geld ist knapp, wir haben kein Auto. Ob wir uns überhaupt an jedem Wochenende sehen werden ist aus finanzieller Sicht fraglich. Irgendwie ist mit einem Male alles so bedrückend.

Zurück in der neu bezogenen Küche von Frau Marie Schall. Sie gestaltet den Raum gerade frisch. Mit einer Maurerkelle klatscht sie große Mengen frischen Zements an die Wände. Ein paar auf dem Putz liegende Stromkabel verschwinden halb unter der Masse. Ebenso versinken die Hängeschränke tief in der dick aufgetragenen Masse. Über dem Herd hängt ein kleines Holzregal, in dem Steintöpfe mit Vorrat stehen. Diese Töpfe schiebt sie weit in den feuchten Zement an der Wand hinein, so dass diese da ihren steten Platz bekommen. Nun landen noch viele graue Flatschen an der Wandschräge, die sie nur oberflächlich glatt streicht. Allmählich gleicht die Küche einer Lehmhütte! Boah, das müsste man später alles mit Hammer und Meißel wieder freikloppen! Ich bin total überrascht… denn ich mache mir immer soviel Gedanken darüber, ob der Wohnungseigentümer mit derlei Veränderungen überhaupt einverstanden ist. Für Frau Marie Schall scheint diese Frage offenbar völlig abwegig. Tja, auch so kann man es angehen: alles easy.

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