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Zärtliche Cousinen

Traum:
Familientreffen in einer Wohnung an unbekanntem Ort. Vermutlich um Abstand zu gewinnen, war ich kurz hinaus, und hinauf auf einen meterhohen Steinbau vor dem Haus gestiegen. Nun steige ich hinab, nehme gleichzeitig die vertrauten Stimmen zweier Männer wahr, die sich im Hausflur unterhalten. Zugleich bemerke ich, dass sich an dieser Stelle gar keine Treppe befindet! Huch?! Dies ist nicht der vorgesehene Weg hinab! Es ist eine senkrecht stehende Wand mit zur Zierde leicht vorgerückten Steinen, die ich für eine Treppe hielt. Allerdings bin ich losgegangen und ein Zurück würde eher zu einem Absturz führen. Mit einem lauten Ausruf – darauf hoffend, dass einer der Männer schaut und vorsorglich hereilt – steige ich weiter hinab. Niemand reagiert, aber ich gelange eh überraschend sicher und schnell wieder auf den Boden.

Die winzige ‘gute Stube’ liegt im Halbdunkel; die Zimmerdecke ist bemerkenswert niedrig. Die Verwandten sitzen auf einem alten Sofa und alten Polstersesseln plaudernd beisammen. Mein Vater kommt mit mir herein und spricht mich aufgeregt an: „Was glaubst Du, was die da oben machen? Nicht Fernsehgucken!!“ Bemerkt habe er es an dem ausgeschalteten Fernseher, der oben im Flur stehe – ich solle mal selbst schauen, wenn ich mag. Ich weiß, dass Mireille mit ihrer Cousine oben im Zimmer ist. Eine Ahnung kommt auf… Eigentlich bin ich mir sicher zu wissen, was mein Vater meint. Die Mädels schauen vermutlich den Erotikfilm ‘Zärtliche Cousinen’!

Mit stillem Schmunzeln und dem Gefühl ernsthafter Verantwortung eile ich die alte Stiege im schmalen Treppenhaus hinauf. Schummerlicht umfängt mich – nur wenig Tageslicht fällt durch ein kleines Oberlicht ins Treppenhaus. Die durchgetretenen Holzstufen knarren unter meinen Füßen. Oben im Flur ein Fernseher – im Standby-Modus. Auf dem schwarzen Monitor sind ein paar fahle Zahlen zu erkennen, die im Zusammenhang mit Fernsehkanälen stehen. Im Bereich rechts oben sehe ich ein blasses umrahmtes Kreuzchen – typisch zum Schließen eines Programmfensters. Dieses fast unmerkliche Zeichen ist ein Hinweis darauf, dass die Mädels in ihrem Zimmer einen Videofilm schauen – beide Fernseher sind nämlich mittels Funk zur Datenübertragung verbunden. Ich stürme auf die alte Holztür zu. Schnell, die Dielenbretter unter meinen Schritten knarzen verräterisch laut. Da kann ich nur hoffen, dass die Lautstärke des Fernsehers mich übertönt. Voller Schwung drücke ich die Tür auf, um keine Zeit zum Ausschalten zu lassen. Überzeugt davon, meine Ahnung bestätigt zu finden, schaue ich noch nicht einmal zum Fernseher. Zwar amüsiert mich meine Sicherheit, aber gleichzeitig empfinde ich meine brennenden Augen als störend, die den Blick doch arg trüben.

Die Mädels sitzen auf einem alten Sofa beieinander, schauen tatsächlich „Zärtliche Cousinen“. Zwei gleichaltrige Jungs – also etwa 12 Jahre – stehen im Zimmer herum, beschäftigen sich nebenher mit anderem Spielzeug. Ich spüre wieder die Verantwortung, schließlich bin ich die Tante der Mädchen! So sage ich, ein Schmunzeln verbergend: „Das ist erst ab 18, vielleicht auch ab 16. Ihr solltet lieber Asterix gucken!“ Mireille schaut mich lächelnd und gelassen an – sie wirkt angenehm souverän und reif. Keiner der jungen Leute fühlt sich ertappt, die Situation ist entspannt. Gut.

Wieder in den Zimmern im Erdgeschoß – dieses Mal in einem hellen Raum mit einigen hellen Holzmöbeln. Einer der Jungen eilt herein. In den Händen ein baumartiges Gestell aus Holzleisten, die mit Holzschrauben beweglich verbunden sind. Eine leichte nachtblaue Kugel hängt dran. Der Junge sagt dazu, dass nichts anderes übrig blieb, nachdem ich ihnen untersagt hatte den Film zu schauen. So standen ihm all die Teile nicht mehr zur Verfügung, mit denen er den Holzbaum bereits geschmückt hatte. Na, sage ich, es müsse gar nicht immer so prunkvoll sein! Der Junge richtet dann einen halben Stern an der oberen Baumspitze aus. Die Sternhälfte ist mittels beweglicher Holzleisten an den Baum gebastelt. Er erklärt, er habe die Sternform gewählt, weil so leichter die Mitte zu finden sei. Man müsse nur die Endpunkte der unteren Sternstreben zur Mittelstrebe führen und alles sei im Lot. Ja, genau, das sehe ich auch so! Die Einfachheit, die Selbstverständlichkeit dieser Situation erlebe ich als angenehm erhellend und unkompliziert.

Rand-Notiz:

Beim Aufwachen erinnerte ich den Traum gleich mit dem Traumtitel. Erst als ich ganz wach war, fiel mir ein, dass es tatsächlich einen Erotikfilm mit dem Titel Zärtliche Cousinen gibt. Ein erotisches Melodram in Weichzeichner-Optik mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren.
Hier ein paar Details zu dem Film des bekannten französischen Fotografen David Hamilton.

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