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Ungezügelte Aggressionen am Pranger

T r a u m: Mit Mike in der Fremde unterwegs. Die hügelige Landschaft ist erreicht – ein Hinweis darauf, angekommen zu sein. Wir stehen mitten drin, wenngleich unser Blick wie von oben einen größeren Bereich überschaut. Wir schauen uns um, und ich spüre dabei eine unangenehme Leere, so wie sich vielleicht eine Lücke im Informationsnetz anfühlen mag. Wir könnten uns hier orientieren, wenn weitere Einzelheiten zum weiteren Vorgehen präsent wären. Ich durchstöbere meinen Kopf nach irgendwelchen Hinweisen und Erinnerungen… aber da ist nichts. Wir können im Moment nichts weiter tun, als das nächste Ereignis abzuwarten.

Als ich etwas später, und weiter rechts im Traumgebiet ankomme, bin ich in Begleitung von Wilma. Sie hat ihr Auto inmitten der freien Natur – wie in der Toskana – abgestellt. Nun wollen wir zurück in die „Zivilisation“. Während ich durch die Heckklappe ins Fahrzeuginnere klettere, nehme ich die rotglänzende Lackierung und die dunkle anthrazitfarbene Innenverkleidung wahr. Ich bin noch gar nicht ganz eingestiegen, als mich leise Angst erfüllt… Je weiter ich einsteige, umso mehr steigert sich diese Angst zur Panik. Ich spüre mit einem Male eine unbenennbare Bedrohung von außen auf uns zukommen. Aufgeregt fordere ich Wilma auf, schnellstens die Türverriegelung von innen zu schließen. Dabei drücke ich mit hektischen Bewegungen die erreichbaren Knöpfe nieder. Meine Schwester bekommt von all dem gar nichts mit – sie lässt sich Zeit beim Einsteigen, während ich vor lauter Angst immer mehr in Gefühle der Bewusstlosigkeit und Ohnmacht taumele.

Dann kommen wir an. Ein öffentlicher Platz, auf dem Menschen angesammelt sind, die sich in Rechteckform hingestellt haben. An einer Längsseite entdecke ich i h n sogleich:

den Bedrohlichen, den Ungezügelten!!

Wie am Kreuz hängend, ist er unter den Menschen. Der Bedrohliche, der urtriebige Riese ist eine rote breitschultrige Energie mit glatten schwarzglänzenden Haaren. Schon hat er mich entdeckt und versucht sich vom Pranger zu lösen, um sich gewalttätig auf mich zu stürzen. Einige Menschen um ihn herum, versuchen ihn zu besänftigen und beruhigen. Hier draußen fühle ich mich weniger gefangen, fühle mich freier und somit viel weniger bedroht als zuvor im Auto. Es ist okay, wenn es auch beunruhigend bleibt.

Ich betrete einen Supermarkt. An diesem sehr warmen Tag sind kaum Kunden drin. Die Kühle hier erfrischt. Gleich im ersten Gang riss Moina eine Zuckertüte auf. Kristin, eine mir bekannte Sannyasin, beobachtete das alles und sagt zu mir, ich müsse den Zucker nun kaufen. Wenn ich es nicht tue, dann trage ich großes Unglück in die Welt, und lade schlechtes Karma auf mich.

„Nö!“, sage ich unbeeindruckt, „den Zucker nehm ich nicht!” Mit den Worten: „Gibt ja noch genug andere Kunden, die ihn kaufen können. Nicht alle stören sich daran, wenn die Packung ein wenig geöffnet wurde.“, stelle ich die Zuckertüte wieder auf die Palette zurück. Kristin zeigt sich empört über meine Frechheit. Ihr spirituelles Gehabe reizt mich, sie nun absichtlich dreist anzulächeln, was sie noch wütender macht. Ihre Reaktion löst große Zufriedenheit in mir aus und ich gehe entspannt in Richtung Kasse.

Dort drängele ich mich vor, gehe an einen Mann vorbei, der bereits seine Artikel auf das Fließband gelegt hat. Mit einem gutgelaunten offenen Lächeln blicke ich ihn an, während ich an ihm vorbei gehe. Auch er lächelt freundlich – als erste Reaktion! Bereits im nächsten Augenblick erkennt er mich, denn wir hatten hier vorhin im Laden schon gestritten, wobei ich mich rotzfrech gezeigt hatte. Diese Dreistigkeit nun, mich nach all dem auch noch an der Kasse an ihn vorbeizudrängeln, verblüfft ihn. Er wirkt wie entwaffnet und ich glaube nicht, dass ich hier noch mehr Ärger zu erwarten habe.

Es geht mir soo gut heute!

Rand-Notiz:
Ein so freches und dreistes Verhalten lege ich wohl nur im Traum an den Tag. Das “Kleinbürgerliche”(?) in mir hält mich ja immer zurück, hält mich brav, rücksichtsvoll und nachgiebig. Dass noch ganz andere Energien in mir wirken, ist mir natürlich nicht fremd.
Aber!
Das bemerkenswerte Wohlgefühl, das durch das Ausleben dieser unterdrückten Energien ausgelöst wird, das erstaunt mich nun doch. Wie gut, dass ich im Traum diese Seiten frei ausleben konnte. Ich spüre die befreiende Wirkung meines Verhaltens im Traum noch jetzt nachschwingen. Nicht nur das, ich spüre auch die Kraft, die darin gebündelt liegt. Ob es einen angenemessenen Weg im Wachleben gibt, mit diesem aggressiven Eigensinn konstruktiv umzugehen, und ohne dabei andere rücksichtslos zu behandeln? Die Frage ist wohl weniger, ob es einen Weg gibt – den gibt es vermutlich – sondern vielmehr, wie dieser Weg aussehen könnte. (Gerade ein Fast-Verschreiber: aussäen statt aussehen … – vielleicht sollte ich diesen Traum doch in die Kategorie Wachstum verschieben??).

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