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Sichelförmige Prägungen in Landkarte

Traum:
Moina konnte sich wegen Müdigkeit und Erschöpfung nicht gut auf den Unterricht konzentrieren. Nach einigen Erklärungen meinerseits gibt die Lehrerin uns endlich ein Attest, das Moina bis übermorgen vom Unterricht befreit.

Mit dem Attest gehe ich – Moina an der Hand – großzügige Gänge entlang. Hier ist Stille, es macht einen gepflegten Eindruck, der Boden ist mit Filzauslegeware bedeckt, die Schritte sind leicht gedämpft. Irgendwann treten wir durch eine Tür und erreichen den Empfangsraum. Mittendrin ein runder Tresen mit zwei Empfangsdamen in der Mitte. Dort gebe ich das Attest ab, woraufhin die Damen eine Verantwortliche der Schulleitung holen.

Diese Frau erscheint sofort und sagt mit kühler herablassender Stimme: „Das erklären Sie mir bitte einmal!“ Heute macht mir ein solch distanziertes Verhalten nichts aus – ich bleibe entspannt. Gelassen benenne ich die Gründe der Krankschreibung. Erzähle von Moinas Erschöpfung, und dass sie sich unbedingt ausruhen muss, ehe sie konzentriert weiterlernen kann.

An die Verantwortliche gerichtet, füge ich gleich meinen Wunsch hinzu: „Wenn es möglich ist, würde ich gerne morgen vormittag wieder mit der Arbeit beginnen!“ Sie reagiert mit missbilligendem Blick… Erst veranlasse ich eine dreitägige Krankschreibung, und dann besitze ich die Dreistigkeit, ganz frech zuzugeben, dass bereits morgen die Arbeitsfähigkeit zurückerlangt sein dürfte. Daraufhin sage ich, dass ich vorsorglich einen größtmöglichen Freiraum für Moina schaffen wolle, in dem sie gegebenenfalls auch die volle Frist beanspruchen könnte. Aus Erfahrung weiß ich allerdings, dass Moina sich sehr rasch erholt und die übrigen Tage vermutlich nicht mehr nötig sein werden. Aber im Notfall ständen sie mir zur Verfügung.

Um aber konkret zu werden, frage ich die Vorgesetzte: „Spricht denn etwas gegen eine vorzeitige Arbeitsaufnahme?“
„Nein nein!!“, entgegnet sie schnell und wendet den Kopf suchend ab. Sie lässt den obersten Schulleiter herbeirufen, damit dieser noch einmal einen Blick auf mich wirft.

Wir gehen ein paar Schritte nach links um den Tresen herum. Einen weiteren Schritt links sitzt der oberste Schulleiter. Er zeigt sich interesselos. Es sieht nicht so aus, als wolle er mit mir reden. Seinem Gesichtsausdruck nach sieht er in mir einfach nur eine junge Frau ohne Bildung und ohne jegliche Kompetenz. Es ist ihm seine Zeit nicht wert, sich mit mir zu befassen.

Da ich noch im Gespräch mit der verantwortlichen Frau bin, ziehe ich den Leiter mit in das Gespräch hinein, indem ich ihn anschaue und zu ihm sage: „Sie zum Beispiel, Sie wirken doch recht friedlich! Sie lächeln jetzt, freundlich. Und die Herbstfarben ihres Pullovers wirken angenehm warm und weich. Sie wirken gepflegt und zugänglich.“

Ich rede und rede, sage freundliche Dinge zu ihm – vielleicht um auf diese Weise seine abweisenden Energien nicht an mich heranzulassen? Der Leiter lächelt wirklich; vielleicht fühlt er sich geschmeichelt, vielleicht gefällt ihm auch meine Art. Kurz erscheint es, als bringe ich ihn mit meiner heiteren Art aus dem Konzept. Da er mir aber keinen Wert beimisst – beimessen will! – kann er mich nicht ernst nehmen. Dann – vielleicht nur, um sein verräterisches Lächeln zu verbergen – steht er auf und geht. Es wäre einfach unangemessen, mir Sympathie engegen zu bringen.

Daraufhin fordert mich die Vorgesetzte mit kühler Stimme auf, ihr bitte in den Raum nebenan zu folgen. Dort wolle sie mit mir eine Stunde Unterricht in Geographie und Deutsch simulieren, um zu schauen, wie es um meine Fähigkeiten bestellt ist. Hey ja klar, das finde ich eine gute Idee!! Vergnügt und motiviert gehe ich mit ihr in ein verlassenes Klassenzimmer. Am Lehrerpult bleiben wir stehen – der Blick geht zu einer Leinwand an der gegenüberliegenden Wand, die eine große Landkarte zeigt. Die Karte zeigt die Landflächen in hellblau und weiß, die Städte sind durch rote Punkte markiert, Fluß- und Grenzlinien sind in schwarz eingezeichnet.

Landkarte - TraumMeine Aufgabe ist nun, mit einer sichelförmigen Nadel die Farbe aus den Städtepnkten aufzunehmen und auszudehnen, um die Umrisse der Städte kenntlich zu machen. Gerade als ich beginnen will, sehe ich in einer Simulation, wie die Aufgabe gemeint ist: es zeichnet sich eine rot-hellblaue Linie plastisch auf der Kartenoberfläche ab, wenn die Nadel der Stadtkontur folgt. Bemerkenswert und auffällig ist, dass beim Zeichnen letztlich immer sichelförmige Einschnitte in der Landkarte entstehen, die wie Schnittwunden ausschauen. Dieser Eindruck verstärkt sich ja noch durch die blutrote Farbe. Sehr auffällig ist vor allem die sichelartige Form.

Mir wird bald klar, dass ich die gestellte Aufgabe lösen kann. Ich beobachte, dass die meisten Städte dem Flußverlauf folgen und sich ihm anschmiegen. Allerdings irritiert mich die Tatsache, dass sich die Städte langsam immer weiter zeichnen, sich immer länger ausdehnen – so, als wolle dies gar kein Ende nehmen! Ich überlege, ob die Simulation inzwischen eine Eigendynamik entwickelt hat. Das würde jedenfalls das Unaufhaltsame des Zeichnens erklären. Ich beginne… nehme die Nadel in die Hand und zeichne langsam die Konturen der Städte.

Mike und ich finden uns nun direkt vor Straßenkarten wieder – die Karte zeigt detailliert einen Stadtteil, die einzelnen Straßen sind zu erkennen. Unsere Aufgabe ist nun, mit roten Linien die Möglichkeiten auf der Karte einzuzeichnen, die in der Stadt als Fußwege genutzt werden können. Vor meinen Augen ist das im Moment der untere Kartenabschnitt. Meine gezeichneten roten Linien folgen einem Fußweg der nach unten geht, und dessen Verlauf über die Karte hinausführt. Offenbar ist es eine Einfahrt in das Untergeschoß eines Parkhauses. Eine Einfahrt mit Gehsteigen zu beiden Seiten der Fahrbahn. Da die Landkarte eigendynamisch mitmalt – und zwar dort, wo ich gerade arbeite, finden die jeweils notwendigen Ergänzungen statt – sehe ich zu meiner Überraschung, dass weitere rote Linien mitten auf der Einfahrt eingezeichnet werden!! Dort darf man also zu Fuß mitten auf der Straße gehen!?!

Der Blick zoomt tiefer hinein und ich sehe gezeichnete Kinder die Winterjacken und Mützen mit Fellrand tragen. Die Skizzen sind in hellblau, weiß und schwarz gehalten und wirken wie Vergangenes. Durch die gezeichneten Kinder wird mir erst klar, dass es vermutlich gar kein Parkhaus ist, wo die Straße hinunterführt, sondern es ist eine Eislaufhalle!

Ich schaue nach rechts, wo Mike einige Schritte entfernt genau an dem Ort steht, den ich gerade auf der Straßenkarte betrachtete. Sein Blick geht die Einfahrt hinunter. Ich teile ihm meinen Einfall mit: „Es ist eine Eislaufhalle!“ Wir hören dann auch das vergnügte Johlen der Kinder von dort unten bis hier her. Das Gejohle bestätigt die Vermutung. Ich zwinkere Mike zu: „BINGO!!“ Er blickt mich an und grinst… Wir haben es geschafft – nun können wir es erkennen!

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