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Phalli und Vaginae

Traum vom 29. Januar 2008

Zugreise mit dem Moorexpress durch unbekanntes Land. Ich denke ans Aussteigen. Die Landschaft zeigt sich vor dem Hintergrund schönen Wetters. Das alles hat etwas Unwirkliches an sich, so als fiele man auf eine freundliche Fassade herein, ohne dass es einem bewusst würde.

Auf den Bänken rechts von mir sitzt unter anderem eine Frau, die eine Sauerstoffmaske neben sich liegen hat. Vermutlich hat sie wieder einmal versucht, sich etwas anzutun, aber ihr konnte im allerletzten Augenblick noch geholfen werden. Mir ist so, als spüre ich bei ihrem Anblick die unangenehmen Nachwirkungen eines Narkotikums. Ich werde beim nächsten Halt aussteigen und zurück nach Worpswede gehen.

Haltestation in weitem Land; alle steigen aus. Bis zu diesem Augenblick nehme ich an, dass wir uns derzeit jenseits der Hammebrücke befinden, erfahre aber, dass wir viel weiter fort, an einem ganz anderen Ort sind. Oje, ich fühle mich verloren! Wie soll ich von hier aus in eine vertraute Gegend zurückfinden? Ein freundlicher, hilfsbereiter Mann – ein Mann von der Bahn – macht einige Vorschläge, welcher Weg zu wählen sei. Die Rückreise – wie und wo? Da ist auch Angst. Mike/ein Mann will mit dem Fahrrad heimfahren. Ein weiterer Mann bietet an, mich heimzufahren. Ein Angebot, das mich erleichtert.

Und wieder überkommt mich körperliches Verlangen nach erotischer Annäherung, vielleicht sogar das Verlangen nach Befriedigung. Es ist viel stärker als zu Beginn. Ein Mann und eine Frau führen mich entschlossen und zielstrebig in einen Garten, der hier in der Gegend angelegt ist. Es ist ein geradezu wundervoller, traumhafter Garten – fast wie in einem Märchen oder einer realistischen Illusion. Verheißungsvoll… und meditativ: ein Park mit Wegen, die alle von kleinen Brunnen gesäumt sind. Es sind Schalen, in denen das Wasser leise plätschert. Inmitten der Schale eine Skulptur. Entweder ein Phallus oder eine Vagina. Eine jede dieser unzähligen Skulpturen ist einzigartig gestaltet. Ich halte Ausschau nach einem passenden Phallus. Jedoch sind alle sehr stark ausgeprägt… ich fürchte Verletzungen, wollte ich mich auf einen solchen setzen. Die Frau weist auf eine Vagina – vielleicht sei eine davon das Richtige für mich. Ja sicher, eine Verletzung würde ich nicht riskieren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es wirklich befriedigend ist, mich darauf zu reiben. Mir steht es frei, es überall auszuprobieren. Ich spüre eine geringe Hemmung dieses zu tun, denn ich könnte dabei gesehen werden. Dennoch ist der Drang so stark, dass es mir absurd erscheint, es könne etwas Verwerfliches haben, diesen Drang in aller Öffentlichkeit zu befriedigen und mir dadurch Linderung zu verschaffen. Die Macht der Lust rechtfertigt eine solche Hemmungslosigkeit.

Bald habe ich den Park durchquert, mit suchendem Blick. An seinem Ende eine Zelle. Darin eine Frau, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Sie setzt sich gemütlich hin. Vor ihr steht eine bauchige große Glasvase. Darin eine mehreckige Kugel aus kokosfettweißem Stearin, in der viele cremefarbene Teelichter eingelassen sind. Die Frau dreht diese Teelichtkugel wie eine Wahrsagekugeln in ihren Händen. An ihrer rechten Seite, die aus meiner Sicht den Hintergrund – die Zimmerwand – bildet, ist eine kleine Ablage angebracht. Davor ein rotleuchtendes Gefäß, dessen Doppelwand mit einem ganz leisen Plätschern gefüllt ist. Aus der oberen Öffnung entweicht leise fächelnd ein Hauch Dampf. Das alles ist keineswegs kitschig, sondern wirkt sehr meditativ. Ich erinnere mich, selbst ein solches Gefäß erworben zu haben. Ja, die Klänge, mit denen die Doppelwand gefüllt wurde, konnte ich sogar selbst auswählen. Ich beließ es nicht bei diesem leisen unaufdringlichen Plätschern, sondern wählte auch noch leise Gebetsglöckchen. Hoffentlich wählte ich nicht zuviel Klangelemente, was dann eher eine aufregende Wirkung auf mich ausübte! Der Hintergrund, die Wand zeigt surrealistische Tiefe: Wie eine Fotowand, oder ist es doch die Wirklichkeit… Zen, Garten, Meditation, Heilung, Wasser…

Traumpfad:
Der Traum greift das Bild „Die persönlichen Werte“ von Magritte auf, das ich am Vorabend hier betrachtet hatte.

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