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Aufstieg des brennenden Grasphönix

Traum: Ein langes Wochenende geht zu Ende. An diesen Tagen fand ein Seminar statt. Alle Teilnehmer haben ihre Aufgaben erfüllt und die Resultate bei den Seminarleitern abgegeben. Derzeit finden die Endauswertungen statt.

Ich nutze diese Zeit, um ein wenig aufzuräumen und zu ordnen. Ich hänge nasse Wolldecken auf eine Wäschespinne, die ein paar Schritte von den Lehrräumen entfernt steht. Ein älterer Mann kommt vorbei und wirft einen wohlwollenden Blick zu mir – vielleicht freut es ihn, dass ich für Ordnung sorge.

Als ich in den Seminarraum zurückkehre, werden bereits die ersten Teilnehmer mit Zeichnungen zu versehen. Das heißt, ihre Körper werden mit Symbolen bemalt – als Zeichen ihrer Teilnahme an diesem Seminar. Ich fühle, dass ich bald an der Reihe bin.

An einem der Schultische nimmt ein Mann meinen Ertrag an Kirschen in Empfang. Diese werden abgewogen und daraufhin im Vergleich mit den anderen bewertet. Ich erkläre dem Mann, dass zwei weitere Teilnehmer und ich unsere Kirschen in einen Topf geworfen und anschließend zu etwa gleichen Mengen aufgeteilt haben. Ein wirklich genauer Rückschluß auf meinen eigenen Beitrag ist also nicht mehr möglich. Es sind nicht viele Kirschen. Vielleicht nehme ich deshalb an, dass es kaum von Bedeutung ist, ob ich ein paar Kirschen mehr oder weniger eingebracht habe. Der Mann hört mir aufmerksam zu und sagt freundlich, es sei alles okay so.

Einer der Verantwortlichen sagt kurz darauf, er wolle mir jetzt meine Zeichnungen geben. Oh, jetzt schon! So trete ich an die vorderen Tische, wo die Zeichnungen ausgeführt werden. Der Mann sagt, er werde mir nur wenige Zeichnungen machen, da die Farbe in den Filzschreibern zur Neige gehe – und schließlich möchte er gerne allen Teilnehmern eine Zeichnung geben. Üblicherweise werden nämlich die ganzen Körper bemalt. Ja klar, für mich ist es okay, wenn es weniger ist. In orangegelber Farbe malt er dann einen stilisierten Salamander und einen ägyptischen Feuer- oder Totenvogel um meine Fußgelenke herum. Ich bin überrascht und fühle mich durch diese Symbole beschenkt, denn in meinen Augen drücken sie etwas Besonderes aus.

GrasphönixDer Mann sagt, dass zur Zeremonie noch etwas dazu gehöre. Gerade weil er nicht viele Zeichen malen konnte, möchte er diese nochmals besiegeln und bekräftigen. Er holt einen aus röhrenförmigem Gras gestalteten Vogel hervor und setzt ihn auf meinen linken Handrücken. Um zu vermeiden, dass der filigrane Grasvogel herunterrutscht, schiebt er ihn lose unter einen Ring, den ich offenbar am Mittelfinger trage. Dann zündet er den Grasvogel an. Irgendwie kenne ich diese Art von Vogel… – es ist ein Phönix! Während der Grasvogel von unten zu brennen beginnt und sekundenschnell zu Asche verglüht, erhebt sich zuerst der Kopf, der Schnabel streckt sich entschlossen dem Himmel entgegen. Langsam hebt er ab, gleitet dabei aus dem Ring am Finger, und während er verbrennt, steigt er – immer schneller werdend – in den Himmel empor.

Es kommt alles so überraschend und unerwartet… ich halte still, schaue zu, sprachlos. Irgendetwas geschieht in mir. Dann bemerke ich, dass ich mit angestrengt zusammengepressten Lippen und zugedrückten Augenlidern weine. Ich bin randvoll mit Tränen, die trotz meines Widerstandes durch die Lippen und Augenlider nach außen quellen.

Ich habe etwas Distanz gewonnen, sehe mich wie von außen: Mein Gesicht ist inzwischen – trotz aller Anstrengung – tränenüberströmt und zu einer schmerzvollen Grimasse verzerrt. Gegenüber sitzt Karin und schaut mich an. Ihren Blicken ausgesetzt fühle ich mich theatralisch! Das ist unangenehm. Ich möchte kein Aufsehen erregen. Dennoch, der innere Schmerz… er ist jetzt, er erfüllt mich vollkommen.

Erst als ich wieder ganz bei mir bin, spüre ich, dass der Schmerz in mir ist, und dass es diesem egal ist, in welcher Form ihm Ausdruck verliehen wird. Er ist und er ist intensiv – ganz egal welche Form ich ihm im Außen auch geben mag.

Einige Zeit später sitze ich hinten und oben im Raum – es ist ein Hörsaal. Dort vorne und unten, wo Tische stehen, an dem die Zeichnungen stattfanden, sehe ich einige Bekannte vorübergehen. Sie sind gerade eingetroffen – vielleicht um mich zu treffen. Ich winke kräftig, damit sie mich hier oben entdecken. Sie winken zurück, werden sich wohl auf den Weg zu mir machen. Ich fühle mich noch etwas angeschlagen und wund, aber mir geht es besser. Ich bin kleiner und schmaler geworden, vielleicht sogar knabenhafter als zuvor.

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