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Busreise – Toskana

Traum vom 16. Juni 2006
Reflektion - alte Frau im Bus. Klick aufs Bild zur größeren Ansicht (hostet by ImageShack) Mit einem Reisebus in der Weite der Toskana unterwegs. Die Sonne scheint, leichte
Cirrostratuswolken mildern das strahlende Azurblau zum Hellblau. Die Landschaft zeigt sich karg mit sonnentrockenem Grün.

Im Bus ist Stille. Ich bin für mich – und sei es nur deshalb, weil ich in Gedanken und Nachspüren versunken bin. Nebensächlich gleitet mein zielloser Blick aus dem Fenster an der rechten Seite. Aus dem Augenwinkel eine Wahrnehmung: Das Fensterglas spiegelt meinen Kopf. Mein Blick hat sich bereits wieder abgewendet, als mir etwas einfällt… Vielleicht durch ein Erinnern, wodurch es überhaupt erst ins Bewusstsein gedrängt wurde. Zeitverzögert die Erkenntnis, so dass der Blick sich bereits wieder entfernt hatte.

Folgendes fiel mir nämlich wieder ein: Dann und wann hatte ich bemerkt, dass die Muskulatur meiner Augenlider teilweise erschlaffte, wodurch sich die Augen nur leicht verzögert öffnen ließen. Ein Phänomen, dass sich manchmal bei Erschöpfung und Müdigkeit einstellte. Zeigte die Reflektion im Fensterglas nicht gerade jenen Zustand? Ich bin mir nicht ganz sicher.

Und ich weiß um die Flüchtigkeit solcher Wahrnehmungen. Die leiseste Veränderung der Haltung kann dazu führen, dass gleich darauf nichts mehr davon zu erkennen ist. Also halte ich inne, bewege mich nicht, und wende auch den Kopf nicht – vielleicht habe ich so die Chance, es nochmals betrachten zu können. Vorsichtig lenke ich den Blick wieder zum Fenster…

Ja, da sehe ich mich sitzen. Der Anblick ist weniger schmeichelhaft, als ich mir wünschen würde. Unangenehm betroffen macht, dass sich die Lidmuskelschwäche offenbar noch verstärkt hat. Denn gerade in diesem Augenblick kann ich die Verzögerung, mit der sich die Augen nach einem Lidschlag öffnen, genau beobachten. Bedenklich, dass es so weit fortgeschritten ist. Auffällig die wettergegerbte Haut der Frau. Vielleicht liegt es an dem häufigen Aufenthalt in der toskanischen Sonne? Womöglich hat das verzögerte Öffnen der Augen ebenfalls mit der anhaltenden Sonneneinwirkung zu tun? Haut und Augen müssen sich schützen, passen sich den natürlichen Bedingungen an, so meine Überlegungen.

Die Betroffenheit dehnt sich langsam zur Erschütterung aus, denn diese stille und in sich gekehrte Frau an meiner Seite, deren schemenhaftes Bild dort auf dem Fenster zu sehen ist, ist eine a l t e Frau. Sie… – also ich bin eine alte Frau!! Und es scheint, als sei diese unattraktive Äußerlichkeit im Leben dieser Frau ohne besondere Bedeutung – es gehört einfach dazu. Diese selbstverständliche Akzeptanz verblüfft mich… und ich spüre aufkeimenden Frieden.