Home » Traumtagebuch » Schwimmen, Oneiren und Rotwein-Fluid für reife Haut

Schwimmen, Oneiren und Rotwein-Fluid für reife Haut

Traum: Valerian und ich besuchen ein Schwimmbad in einer fremden Stadt. Die Laune ist gehoben und beschwingt, als wir in die Schwimmhalle treten. Gleich zu Beginn im Wasser, nehme ich eine trostlose graue Stimmung in der Halle wahr, die mich niederdrückt. Am gegenüberliegenden Beckenrand kommt eine gutgelaunte Sportlehrerin mit einem Arm voller großer Gymnastikbälle her. Die Bälle sind in den Farben Pink, Grün und Lila. Sie wirft alle – es mögen um die zwanzig Stück sein – ins Wasser. Dies hebt meine Stimmung und ich habe sogar das Glück, einen davon abzukriegen. Mit dem lila Ball voraus schwimme ich weiter durchs Wasser. Ich werfe einen Blick zurück zu Valerian und hoffe, dass auch er einen Ball abbekommen hat. Leider kann ich das nicht erkennen und vertraue darauf, dass er gut für sich sorgt oder sich bemerkbar macht, wenn etwas unstimmig ist.

Als ich im eher abseits gelegenen Teil des Schwimmbeckens ankomme, schwimmen einige Sportschwimmer auf mich zu. Keiner von ihnen hat einen der Bälle erwischt. Mit ernstem Blick fordern sie mich auf: „Lass den Ball doch mal untertauchen!“ Dabei tun sie so, als würde es ganz viel Spaß bringen, das zu tun. Deren Beweggründe sind leicht durchschaubar. Wenn ich den Ball nämlich untertauche, dann bin ich ihn schon so gut wie los. Durch den Drall wird er vermutlich an anderer Stelle wieder auftauchen, und einer der Sportschwimmer wird sich ihn schnappen. Das ist eine Möglichkeit für die Männer, noch nachträglich einen Ball zu kriegen. Darauf lasse ich mich nicht ein. Inzwischen habe ich das Becken fast einmal umrundet, schwimme zum Beckenrand, lasse den Ball los und im Wasser zurück. Ich ziehe mich zum Beckenrand hinauf und gehe zu den Umkleideräumen.

Ich stehe vor der zweiflügeligen Eingangstür zur Umkleidekabine, die ich mir mit einer anderen Frau teile. Wir beide haben uns gerade als Unternehmerinnen selbstständig gemacht. Um den Aufwand und die Kosten gering zu halten, teilen wir uns erst einmal diesen Umkleideraum. An den lila gestrichenen Türflügeln wurden inzwischen die Schriftzüge in etwas dunklerem Lila angebracht.

Rechts an der Tür steht der Name Herta Ravenstein (oder auch Rabenstein). Darunter steht etwas zu ihrem Unternehmen. Aber es ist ein Buchstabendreher passiert, beziehungsweise wurde ein Buchstabe vergessen. So ist dort zu lesen: oneiren. Oje, so überlege ich, das liest sich wie onanieren. Das war von meiner Partnerin bestimmt nicht so gedacht. An der linken Tür steht mein Name geschrieben, und darunter wird mein Gewerbe benannt. Ich nehme den Schlüssel, stecke ihn ins Schloss, öffne die Tür, durchquere den menschenleeren Umkleideraum und trete auf den Gang.

Gegenüber liegt ein Friseur- und Kosmetikstudio. Hier will ich etwas abgeben. Als ich eintrete, stelle ich fest, dass eine Kette mit kräftigen Metallgliedern mehrmals um mein linkes Handgelenk gewunden ist. Das Ende der Kette enthält einen Stecker, der mit klarem Kunststoff ummantelt ist. Der Stecker steckt unten an der Wand in der Steckdose. Mildes Licht dringt durch die Isolierung, ein Hinweis dass der Stecker am Stromkreis angeschlossen ist. Nanu?? Das merke ich ja jetzt erst?! Der erste Impuls ist, den Stecker gleich zu ziehen, um mich zu befreien. Womöglich ist das Ziehen des Steckers in den Schwimmbadräumen gar nicht erwünscht, weil dann nicht mehr ersichtlich ist, dass man das Zutrittsrecht erworben hat? Vielleicht gehört das hier zum System, so wie andernorts die Bänder am Handgelenk mit dem Schlüssel zum Kleiderschrank?

Die Inhaberin bemerkt mich, schaut von der Kundin auf, die vor ihr im Stuhl sitzt und kommt an den Empfangstresen. Anfangs will sie mich zurechtweisen, vermutlich weil mein eigenständiges Befreien frech ist. Dann aber überlegt sie es sich anders und bietet mir eine Einführung in ihr Angebot an. Das nehme ich dankbar an und folge ich ihr in hintere Räume. Dort ist ein Basartisch aufgebaut. Als sie einen prüfenden Blick über das Angebot wirft, bemerkt sie etwas verschüttete Milch zwischen den Flakons und Fläschchen. „Haben Sie Milch auslaufen lassen?“, so fragt sie mich. „Nein“, antworte ich. Und überdenke es kurz… Es kann gar nicht sein, da ich keine Räumlichkeiten über den ihren habe. Es kann also gar nichts durch die Zimmerdecke hindurch auf den Tisch getropft sein. Die Inhaberin wischt die Milch mit einem Lappen fort, um sich gleich darauf dem geplanten Vorhaben zu widmen. Als erstes zeigt sie mir einen Vorgang anhand einer Simulation.

Mitten im Raum in einem Meter Höhe: aus einer Zeit-/Raum-Öffnung in etwa ein Meter Höhe schaut der Kopf einer reifen Frau (Ende Vierzig/Anfang Fünfzig) heraus. Er trägt einen lockeren Turban, der aus einem weinroten Frotteetuch locker und liebevoll gelegt wurde. Der Kopf liegt mit geschlossenen Augen wie in einem Friseurwaschbecken.

Die Geschäftsinhaberin nimmt nun einen Pinsel mit weichen Haaren und streicht damit großzügig eine rotweinähnliche Flüssigkeit über das Gesicht der Frau. Natürlich ist es eine Simulation, und deshalb berührt sie die Gesichtshaut der Frau gar nicht wirklich. Eine unsichtbare hauchdünne Isolierung ummantelt die Öffnung im Raum samt dem Frauenkopf. So ist es gedacht, sonst könnte man gleich eine lebende Person dort hinsetzen – was deren Haut allerdings nicht gut bekäme, da sie mit viel zu großen Flüssigkeitsmengen und zu vielen Substanzen in Kontakt käme. An dieser Stelle soll aber nur demonstriert werden, wie es gemacht wird.

Die Inhaberin arbeitet zügig und routiniert. Immer wenn sie im Bereich der Augen die Flüssigkeit verstreicht, zieht der Frauenkopf Grimassen. So als würde es kitzeln, oder so als würde doch Flüssigkeit in die Augen geraten. Eigentlich sollte das nicht so sein, da der Pinsel das Gesicht gar nicht direkt berührt. Die Geschäftsinhaberin bemerkt nichts von den Reaktionen des Frauenkopfes. Zumindest reagiert sie nicht auf die Gesichtsbewegungen. Es ist ziemlich beeindruckend, welch große Mengen dieser weinroten Flüssigkeit so eine reife Frauenhaut aufnehmen kann.

Die Geschäftsinhaberin wirkt belebt und bietet mir zusätzlich an, eine weitere Innovation zu zeigen, die ebenfalls von ihrem Mann entwickelt wurde! Gerne, ich bin interessiert. Wir stehen vor einem offenen Schaukasten. Dort ist wieder ein Objekt mit einer durchsichtigen Ummantelung umgeben, damit senkrechte Querschnitt einer Landschaft dargestellt werden kann. Dieses Mal ist die Ummantelung allerdings kräftiger und somit sichtbar. Das kugelige Objekt zeigt die Erdschichten einer Landschaft– bis hin zur Oberfläche aus Gras. Meine Finger gleiten tastend über die Hülle, drücken auf die Ummantelung, um zu spüren, wie es sich darunter anfühlt. Gleich merke ich, dass dabei Druckstellen zurückbleiben könnten, von denen die Inhaberin und auch ihr Mann sicher nicht begeistert wären. Während ich meine Hand zurückziehe, diese Idee und die gelungene Umsetzung lobe, trete ich dem Mann der Inhaberin auf den Fuß. Inzwischen hatte er sich, von mir unbemerkt, an diesen Schaukastentisch gesetzt. Er ist Mitte Sechzig, gut aussehend, leicht gebräunt, gepflegt gekleidet. Mir fallen vor allem seine mittelbraunen weichen Mokassins und die naturweißen Naturfasersocken ins Auge – vermutlich weil ich drauf trat. Der Mann reagiert äußerlich nicht auf meinen Fehltritt und schweigt. Das macht mich ein wenig betreten, aber ich schiebe dieses unangenehme Gefühl beiseite.

Wir gelangen wieder in den Verkaufsbereich. Vielleicht sollte ich etwas aus dem preiswerten Sektor erwerben. Dabei bin ich nicht sicher, ob mein Kaufwunsch nur einem schlechten Gewissen entspringt. Vielleicht gibt es etwas für 9,97 Euro – so viel könnte ich noch ausgeben. Die Geschäftsinhaberin wartet freundlich ab.

Rand-Notiz:
Die kurzen Gedanken zum Rotwein… irgendwann gestern, haben sich offenkundig in diesem Traum niedergeschlagen.

Interessant ist das Wort “oneiren” –> gr: oneiros = Traum –> Oneirologie

Verwandte Träume:
Ein Frauenkopf kam auch in dem Traum Bohrloch in der Stirn vor. Im Traum Sandtunnel gibt es eine Szene mit einem Pinsel und schokobrauner Farbe.
Färbe Slip in fließendem Rotwein


Tags:

Eine Antwort zu Schwimmen, Oneiren und Rotwein-Fluid für reife Haut

  1. Oder hätte ich da doch “am Ball bleiben” sollen?