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Windige Busfahrt im Tagesgrau

Traum: Bremen. Mittagszeit. Ein Bus fährt in Richtung Lilienthal-Mitte; damit werde ich fahren. Er hält eine Haltestelle von der Innenstadt entfernt. Die üblichen Linien nach Worpswede – meinem Ziel – fahren erst viel später.

Diese eher abwegige Buslinie bis Lilienthal entdeckte ich während meiner Ausbildungszeit. Es hatte mir damals gut gefallen, vom alltäglichen Weg abzuweichen und einen Bus zu wählen, von dessen Existenz nur sorglose Studenten wussten. Ein Gefühl von mehr Freiheit, vermischt mit unangenehmer Unsicherheit erfüllte mich damals auf diesem Weg.

Der heutige Tag ist grau. Ich gehe eine schmale Straße neben Gleisen (rechts) entlang. Werfe immer wieder einen Blick zurück über die rechte Schulter; um zu schauen, ob der Bus naht. Eine Haltestelle liegt hinter mir, die kommende ist der Abfahrtspunkt. Ich werde es rechtzeitig schaffen. Ein Blick in mein Portemonnaie verrät, dass genügend Kleingeld für die Fahrkarte vorrätig ist. Vier Euro sollten locker reichen. Dann ist da noch ein 20 Euro-Schein. Er gibt das gute Gefühl, diese Reise auf alle Fälle zahlen zu können. Einige Studenten laufen mit ihren Schulmappen an mir vorbei, wollen es bis zur übernächsten Haltesstelle schaffen, ehe der Bus eintrifft. Das ist eine etwas günstigere Fahrmöglichkeit. Nach meinem Gefühl ist ein solcher Einsatz nicht notwendig. Die jungen Studenten lieben wahrscheinlich den spielerischen Wettkampf mit der Zeit. Es ist ein gutes Gefühl, ihnen mit den Blicken zu folgen, ohne mich von ihnen mitreißen zu lassen. Die Schienenstränge überquerend, wechsele ich zur Haltestelle hinüber. Irgendwas Weiches bedeckt teils den Weg – ein aufforderndes Zeichen, meine Schritte vorsichtig und überlegt zu setzen.

Der Bus stoppt nicht ganz, während wir im Halbdunkel zusteigen. Und er nimmt bereits wieder Fahrt auf, kaum dass ich meinen Fuß auf den untersten Tritt setzte. Kurz fühle ich mich haltlos, habe das Gefühl nicht mitzukommen. Dann schaffen wir es doch noch ins Businnere und ergreifen die Haltestangen. Der Bus nimmt zügig Fahrt auf. Die Türen bleiben offen. Eine windige Fahrt durch morgendliches Dunkel beginnt.

Will die Busfahrerin die Türen gar nicht schließen? Sie erklärt, sie könne diese nicht schließen, weil noch einige zustiegen, während wir losfuhren. Und solange die Tür offen ist, kann sie keine Fahrkarten für die Mitfahrer ausgeben, da es zu windig ist. Es wäre leichtsinnig, es dennoch zu tun. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl – ich fahre nicht gerne schwarz.

Die Lage beruhigt sich dann, die Türen werden geschlossen und die Fahrkarten können erworben werden. Sie dreht an der Kurbel eines Fahrkartenautomaten und auf einem grünlich beleuchteten Display erscheint der Betrag: 7,40 Euro
Bitte?? Das ist weit mehr, als ich angenommen hatte. Und es für die Entfernung eindeutig überteuert. Mit den Worten „Für eine einfache Fahrt?“, stelle ich die Summe in Frage. Nach kurzer Überlegung kurbelt die Fahrerin noch einmal: 4,00 Euro
Erleichtert und froh sage ich: “Genau 4 Euro habe ich noch passend.“

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