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Aufrichtigkeit

Traum vom 14. Dezember 2009

Im Naturkostladen – ökologischeres Ambiente als in Erinnerung. Die Ladnerin, es ist Marlis Delfina, worüber ich mich nicht wundere, hat an diesem Tag gut zu tun, verkauft Brot um Brot. Bald hat sich eine Reihe Wartender vor dem Tresen gebildet. Da ich die Arbeit von früher kenne, springe ich ihr zur Hilfe. Einmal fragt die Ladnerin, was woanders ein Bio-Ei koste. Ah ja, gerade heute kam mir zu Ohren, dass jemand Bio-Eier für vierunddreißig Cent das Stück verkaufe. Also: „Vierunddreißig Cent!“ Nun steht die Zahl im Raum und ich bekomme einen leichten Schreck, diesen Preis ganz selbstverständlich ausgesprochen zu haben. Da ist der Impuls, die genannte Zahl mit einer hektischen Armbewegung fortzuschlagen, ungeschehen zu machen. Mir fällt nun aber ein, dass es um den Verkauf eines Bio-Eies geht, das von einem gesunden Huhn in natürlicher Umgebung in aller Ruhe ins Leben gesetzt wurde. Ein so guter, unverstellter Vorgang – da ist ein Ei diesen höheren Preis sicher wert. Das Gefühl, einen angemessenen Preis genannt zu haben, ermöglicht mir, die 34 ganz entspannt im Raum stehen zu lassen. Die Ladnerin ist imponiert, ihr ist anzusehen, dass sie überlegt den Preis für die Eier zu erhöhen. Tja, der Preis ist gerechtfertigt, ist nachvollziehbar zu begründen. Wenn sich das herumspricht… werden die Eierpreise bald in allen Läden anziehen.

Aus drei Schritten Distanz schaue ich, am Stehpult stehend, zum Tresen. Beobachte die Angestellte bei der Arbeit. Sie ist recht elegant gekleidet. Ein schmaler schwarzer Pulli aus Feinstrick. Dazu ein anliegender Rock aus Pfeffer-Salz-Stoff, der oberhalb der Knie endet. Sie ist nett anzuschauen. Ihr weißer eng anliegender Hüftslip schimmert durch den Rockstoff. An sich mag ich es nicht, wenn Slips, die etwas mehr Stoff mit sich bringen, weiß sind. In meinen Augen verleiht das eine optische Üppigkeit, die mir unangenehm wäre. Anders jedoch die Wirkung bei dieser aparten Dunkelhaarigen. Der Slip sitzt perfekt, reicht fast bis zum Bauchnabel und hat an den Beinausschnitten Einsätze aus elastischer Spitze. Der übrige Stoff ist mit glänzendem Millefleur-Webmuster versehen. Dieser Slip gibt ihrer Weiblichkeit spürbare Grenze, die verhindert, dass sie überbordet. Das Überborden der Weiblichkeit würde viel Energie kosten. So aber kann die Frau ihre ganze Energie in eine aufrechte Haltung strömen lassen. Diese Aufrichtigkeit und Stärke sind der Frau anzumerken, bei jeder Bewegung, die ohne Hast und Zier erledigt wird. Es ist wirklich erstaunlich für mich, da ich das so noch nie gesehen hatte. Dass ich selbst es bin, erkenne ich nicht.

Ein Kunde ist an der Reihe, den ich als einen meiner früheren Stammkunden wiedererkenne. ‘Lord’ nannte ich ihn manchmal, auch ‘my sweet lord’, wenn wir flirteten, während ich das noch warme Haferbrot in knisternd braunes Papier wickelte und über den Tresen schob. Doch heute schaut er mürrisch – der hat keinen Flirt im Sinn. Das alles liegt ja auch einige Jahre zurück. Dennoch spüre ich einen kleinen Augenblick schmerzliches Bedauern, ein bisschen Enttäuschung, dass wir unser unausgesprochen einvernehmliches Spiel nicht einfach wieder aufnehmen. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie erholsam und wohltuend es ist, keine Mätzchen zu machen. Daraufhin wirft die Ladnerin mir einen lächelnden Blick zu und sagt: „Du kannst mir gerne öfter mal für eine Stunde helfen.“ Au ja!! Ich bin begeistert! Doch fällt mir ein, dass ich, sollte ich regelmäßig arbeiten, dies nicht umsonst machen kann. Es ist aber klar, dass sie mich nicht bezahlen kann. Das bedeutet, es kann nichts daraus werden. Echt schade, da es mir doch so viel Freude macht.

Inzwischen ist eine Wellness-Tante eingetrudelt. Es ist die Ladnerin, Marlis, selbst, was ich nicht erkenne. Den Angestellten wird gleich eine pflegende Gesichtsmaske aufgetragen und die Wellness-Tante wird dann allen eine Gesichtsmassage geben. Ich halte mich bei den Frauen im Verkaufsraum auf. Zwar bin ich hier nicht angestellt, da aber anwesend, erhalte ich die Schaummaske. Es ist wie so oft… Direkt nach dem Auftragen von Pflegeprodukten ist es angenehm, die Haut fühlt sich weich und entspannt an, nimmt die Pflege dankbar an. Doch nach ein oder zwei Minuten beginnt die Haut zu spannen, so als spreize und sperre sie sich gegen das Produkt. Eine fast allergische Reaktion. Am liebsten wischte ich mir die Maske aus dem Gesicht. Jedoch möchte ich auch gerne in den Genuss der Gesichtsmassage kommen. Deshalb lasse ich es so, reibe immer wieder über die Haut, auf dass sich das Produkt verdünnisiert, und um die Haut zu beruhigen. Dabei streiche ich den Hals hinab und bleibe an eine rauen Stelle hängen… Mein Zeigefinger befühlt den Punkt, immer wieder… Nanu? Ein Blick in den Spiegel… Sieht aus wie Herpes. Am Hals? Oder ist es eine Warze? Nein, eindeutig Herpes. Na, die Wellness-Tante wird sich darum kümmern.

Während ich auf die Behandlung warte, dreht sich das Gespräch unter uns Frauen um das Bauchmuskeltraining, das wir gleich alle machen werden. Zukünftig werden wir das auch beibehalten. Ich erzähle begeistert vom positiven Effekt der Muskelstärkung. Die Ladnerin wendet ein, sie arbeite den ganzen Tag körperlich und habe abends keine Lust mehr zu einem Bauchmuskeltraining, da ihr Körper nach Erholung verlange. Das kenne ich gut, mein vollstes Verständnis. „Das glaube ich dir gerne, da möchte man nur noch ausruhen.“ Ich erinnere diese Erschöpfung noch sehr gut. Dennoch sollte man sich aufraffen. Vielleicht merkt die Ladnerin noch nichts, aber im Laufe der Zeit schlägt eine schwache Bauchmuskulatur aufs Rückgrat. Es fehlt der Halt, die Stärke aus dem Bauch, um aufrecht zu bleiben. So verbiegt man sich bald, ohne es zu bemerken, um ersten Schmerzen auszuweichen. Es endet dann in anhaltendem Schmerz und man weiß dann gar nicht mehr, wann man aufrecht ist. Deshalb ist es wichtig, die Bauchmuskeln zu stärken – sie fördern eine ganz natürliche Aufrichtigkeit, die gleichzeitig noch bewirkt, keine Energien in unnötige Aktionen zu stecken.

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