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Kritik der reinen Vernunft

Traum vom 17. Dezember 2009

Nahe dem Gewittertisch in der Großelterndiele. Meine Partnerin hält das Buch in den Händen. Genauer das fertige Manuskript; Ergebnis monatelanger gemeinsamer Arbeit. Das Buch ist reich bebildert. Ich frage mich, ob die Textebenen der Bilder noch bearbeitet werden können oder ob diese bereits gerastert sind. Mit Anordnung und Schriftgröße bin ich überhaupt nicht zufrieden – da müsste noch einiges geändert werden. Ihre Reaktion auf meine Gedanken zeigt, dass noch einige Veränderungen möglich sind. Gut!

Im Bereich des alten Bücherschranks, also immer noch auf gleicher Ebene, bin ich auf dem Dachboden angekommen. Nischen, Schrägen, Licht – aufgeräumt und unbeschwert. Auf den Wäscheleinen flattern viele weiße Laken. Sofort erinnere ich einen Traum von vor einigen Jahren… ein ähnliches Traumbild wie dieser Anblick, das ich sofort als ‘Kritik der reinen Vernunft’ erkannte. Eigentlich hatte ich wohl vor, den Dachboden zu durchdringen. Weiß nun aber nicht, warum und wohin. Stelle es mir auch anstrengend vor, mit den Kopf zwischen all den Laken entlang zu streifen, ohne dass meine straßenstaubigen Haare die sauberen Laken beschmutzen. So streife ich diesen Ort nur am Rande und nehme mir vor, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu kommen.

Gleich darauf finde ich mich in einer alten Wohnung wieder. Ich habe diese vor vielen Jahren verlassen, seither ist sie unbewohnt. Eine Schrankwand aus den Siebzigern, die Politur abgewetzt… Ein erster kontrollierender Blick zeigt, dass zwischen Wand und Möbelstück zu wenig Abstand gehalten ist – die Luft kann vermutlich nicht ausreichend zirkulieren und es könnte sich Schimmel bilden. Allerdings schaffe ich es allein nicht, diesen Schrank von der Wand abzurücken. Ich drehe mich um 150° nach rechts… Du meine Güte! Welch Tapete! Vermutlich war es in den Siebzigern der letzte Schrei… Ich betrachte sie aus nächster Nähe, drücke meine Finger in das polyesterschaumige Material. Kaschiert ist dieses Weiche von einer Schicht Laminat, die gelbe Klinkersteine vortäuscht. Diese „Steine“ zeigen überall Blasen mit krassen braunen Rändern… wie Brandblasen. Das muss weg! Das ist extrem scheußlich. Es ist gar nicht auszuhalten.

Ich gehe weiter… eine helle Ecke mit deckenhohen Fenstern ins Grüne. Ein Stuhl steht dort, sonst nichts. Der Anblick ist wie ein Aufatmen. Keine Möbel, keine Vergangenheit… Ja, wie sehr ich mich danach sehne, diese Vergangenheit hinter mir zu lassen. Ich stelle mir vor, mich auf diesen Stuhl zu setzen, hinaus zu schauen… Da wäre nichts, das mich erinnerte… Der Blick zurück… mir bliebe immer die Wahl. Vielleicht wäre aber doch angebracht, das Alte endgültig zu entfernen. Vielleicht mache ich es mir zu bequem?

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Mantra: Radhe Radhe Govinda

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