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Ach du, mein liebes Gürkchen

Traum vom 19. Dezember 2009

In Begleitung des älteren und des schwägerlichen Handwerkers in einem kleinen Baumarkt. Ein abgelegener Baumarkt – außer uns ist anscheinend niemand da; weder Kunden noch Personal. Graues Tageslicht fällt, als einzige Beleuchtung, durch große Fensterscheiben. Wir wollen schnell ein paar Materialien kaufen. Ich möchte meine Wohnung an einigen Stellen renovieren. Gut, die hohe Klappleiter aus Alu mit den roten Kunststofffüßen brauche ich unbedingt. Dazu einen Eimer weiße Wandfarbe. Die beiden Männer schauen mir zu; keine Zustimmung oder Ermunterung. Unter ihren Blicken fühle ich mich etwas dümmlich, habe aber trotzdem meine Vorstellungen, die ich umzusetzen gedenke. So, nun habe ich auch noch den großen Naturschwamm gefunden. Den brauche ich zum Auftragen der Farbe. Der Schwamm ist hübsch porös und ich erhoffe mir eine interessante Struktur nach dem Farbauftrag. Der Ältere und ich greifen zum Schwamm, der sofort in drei Teile zerfällt. Ach, schade, aber eigentlich gerade so gut zu gebrauchen. Auf einem Stück Tapete probiere ich es aus. Ein Untergrund mit Dellen. Der Farbauftrag ist enttäuschend gleichmäßig. Nichts mit interessanter Struktur. Die Männer schauen eh so, als habe ich keineAhnung. Sie sagen kein Wort.

An diesem vorweihnachtlichen Morgen ist es noch ganz still im Naturkostladen. Zwei ehemalige Arbeitskollegen sind mit den üblichen Vorbereitungen beschäftigt. Sie haben viel zu tun, was darauf schließen lässt, dass der Laden gut läuft. Von links nach rechts stürze ich durch den Laden, am Tresen vorbei, ohne ein Wort und mit verbissenem Gesichtsausdruck. Da höre ich die eine Kollegin zur anderen sagen: „Schau, Marianne verheimlicht ihre Selbständigkeit!“ Sie sagt die Wahrheit – eigentlich, denn ich stehe zu einer gewissen Sache nicht. Eigentlich ist es aber auch nicht so. Mit einer logischen Erklärung wische ich das ausgelöste unangenehme Gefühl und den indirekten Vorwurf fort: „Meine Selbständigkeit ist doch ganz offiziell?! Wer will, kann es doch sehen!“ Ach, mir doch egal! Ich gehe hinüber in das Lager – in der Kindheits-Waschküche – und fülle einen Leergutschein aus. Der Lieferant ist bereits da, füllt den Rest des Leergutzettels aus. Alles okay.

Nochmals durchquere ich den Naturkostladen; allein schon deshalb, um zu demonstrieren, dass mir das Geratsche der Arbeitskolleginnen nichts ausmacht und ich mich dem ohne Bedenken stelle. Im weiteren Verlauf gelange ich an eine Telefonhaube. Darunter ein öffentliches Telefon mit Wählscheibe. Der Geldeinwurf ist etwas unpraktisch unter der Wählscheibe verborgen. Ein Schlitz nahe dem Drehpunkt, aber nur ein Teil davon ist wirklich offen für das Geld. Mit den Fingern ertaste ich den Münzeinwurf. Uih, da haben schon einige versucht, ihr Geld einzuwerfen, sind aber immer nur im Schlitz damit gelandet. Jedenfalls stecken reichlich 2 Euro Münzen unter der Wählscheibe. Inzwischen haben sich die beiden Kolleginnen zu mir gestellt. Sie wollen telefonieren. In Gedanken habe ich kurz überschlagen, dass ein nicht unerheblicher Betrag unter der Wählscheibe steckt, den ich mir gerne zu eigen machen will. Natürlich soll das niemand sehen! So versuche ich, möglichst viele der Silberlinge zu greifen und zu halten, damit es so aussieht, als sei es mein eigenes Geld, das ich zum Münzeinwurf führte. Um die dafür benötigte Zeit zu schinden, tue ich nun so, als wolle ich telefonieren – was ich eigentlich gar nicht vorhabe – und wähle 55 99 .. .. Letztere sind je zwei beieinander liegende Zahlen. Schade, einen Teil des Geldes kann ich nicht mehr fassen – das muss ich aufgeben, wenn ich nicht alles verlieren will.

Einige Schritte weiter rechts, in den neuen Tag hinein, ein weiterer Naturkostladen, der mehr gegenwärtig wird. Im Halbdunkel – wie in einer Floristen-Abteilung – ist die Chefin mit Vorbereitungen beschäftigt. Wie schön! Ein Wiedersehen nach langer Zeit. Mit offenen Armen stürme ich auf sie zu, überlege schnell, was ich wohl zuletzt gegessen habe… Schließlich möchte ich nicht, dass ein übler Atem ihr Gesicht streift, wenn ich gleich ihre Wange küsse. Knoblauch? Zwiebeln? Fleisch? Nein, nichts davon. Hm, ich glaube, ich habe ein Stück Salatgurke gegessen. Da liegen wir uns schon in den Armen; ich drücke sie an mich, begrüße sie voller Liebe: „Ach du, mein liebes Gürkchen!“

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