Home » Rauhnächte, Traumtagebuch » Das schwarze Modell des Schützen

Das schwarze Modell des Schützen

Traum vom 26. Dezember 2009 [Januar]

‘Herr Schütz’ ist ganz in seinem Tun versunken. Er kniet, mit einem angewinkelten Bein, vor einem niedrigen Tisch. Vor sich auf der Tischplatte steht eine Figur von etwa 30 Zentimeter Länge – vielleicht auf einer Holzscheibe fixiert. Eine schwarz gekleidete Weihnachtsfrau, oder vielleicht eine Primaballerina in schwarzem Samt. Er legt ihr immer wieder neue Kleider an, dreht sie dann betrachtend um ihre Achse – so als suche er noch nach der Rolle, die ihr am gemäßesten ist. Vielleicht ist dieser Raum mitsamt dem schwarz gekleideten Mann nur eine in meine Wahrnehmung projizierte kleine Welt oder ich selbst bin eine Projektion – jedenfalls kommt es zu keinem direkten Kontakt; er bemerkt meine Präsenz noch nicht einmal. Alles ganz selbstverständlich. Ebenso wie die drei Männer – wie drei Schicksalszeugen – die in einer Zimmerecke stehen, die Köpfe zusammengsteckt, alle zu mir blickend und tuschelnd.

Was stehe ich hier rum und habe nichts zu tun? Reine Zeitverschwendung! Ach ja, da war ja auch diese Frau mit dem Hund. Ihr hatte ich zugesagt, mich ab sofort um ihren Hund zu kümmern. Das war vor zwei oder drei Tagen. Direkt nach meiner Zusage hatte ich es wieder völlig vergessen. Oje. Na, aber ich kann was tun. Ohne lange darüber nachzudenken, mich zu verabschieden oder eine Erklärung abzugeben, verlasse ich den Raum, worauf die drei Zeugen noch erstaunter schauen und aufgeregter tuscheln, so als wollten sie sagen: „Seht, sie geht einfach ihren Weg! Einfach so! Ohne länger darüber nachzudenken.“ So, als sei das übertrieben selbständiges Handeln.

In der Wohnung von der Frau mit dem Hund. Mir wird erst jetzt so richtig bewusst, dass ich meiner Pflicht nicht nachgekommen war. Die Frau wird sich darauf verlassen haben, dass ich mich während ihrer Abwesenheit um den Hund kümmere – und zwar drei Mal täglich. Ein bisschen schlechtes Gewissen erfüllt mich, als die Frau zu mir tritt. Hoffentlich kann ich den Job noch behalten. Ich tue nun so, als sei ich davon ausgegangen, dass der Hund eh nur einmal täglich Pflege oder Futter braucht – und zwar zum jetzigen Zeitpunkt: 17 Uhr. Die Frau sagt: „Naja, da habe ich mich um meinen Hund gekümmert.“ Offenbar ist sie bereit, es mir noch einmal nachzusehen, da sie im Glauben ist, mein Fernbleiben sei die Folge eines Missverständnisses. Puh, Glück gehabt! „Gut, dann fangen Sie also morgen gegen 17 Uhr an“ sagt sie und reicht mir die Hand zum Abschied. Ich bin erstaunt, dass ich heute nicht mehr den Hund zu pflegen brauche. Aber okay: „Ja gut, morgen um 17 Uhr!“ Die drei Männer sind mir inzwischen gefolgt, stehen wieder in einer Zimmerecke, die Köpfe beieinander… tuschelnd und mich beobachtend. Jetzt sehe ich sie genauer. Sie ähneln einander. Einer von ihnen ist ganz gut zu erkennen: er ähnelt Reiner Schöne, gleichzeitig denke ich an einen Schauspieler aus einer alten Fernsehserie namens „Die Globetrotter“. Anscheinend erregen sie sich auch hier über mein Verhalten; vor allem darüber, dass ich völlig unabhängig Entscheidungen treffe und ohne Zögern umsetze. Vor Vergnügen werfe ich mit lautlosem Lachen meinen Kopf in den Nacken und gehe hinaus.

Kurz darauf sitze ich in einem Auto (Oldtimer) und umfahre einen Springbrunnen oder ein ähnlich zentriertes Objekt. Die Seitenscheiben sind offen. Der Fahrtwind wirbelt meine Haare hoch. Am Straßenrand, an einem Unterstand, stehen wieder die Zeugen – tuschelnd die Köpfe zusammengesteckt, mich nicht aus den Augen lassend. Vor allem dem Schöne lache ich zu und winke. Es ist, als fiele ein schattiger Schleier über sein Gesicht. Nach einer weiteren Autorunde mache ich eine ausholende Armbewegung in seine Richtung und rufe ihm zu: „Kusshand!!!“ Sein Gesicht verschließt sich noch mehr, er zieht fast unmerklich den Kopf zurück. Ich lache, fahre eine weitere Runde und rufe ihm bei der nächsten Annäherung zu: „Na komm, lass dich küssen! Ich weiß es doch!“ Er wirkt nun fast unnahbar. Nochmals rufe ich ihm zu: „Aber ich weiß es doch“ und fahre aus dem Kreisel hinaus in eine unbestimmte Richtung. Was den Schöne anbelangt… kann man nichts machen. Abwarten.

Tags: ,