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Das Gesicht verlieren

Traum vom 27. Dezember 2009 [Februar]

Ein ebenerdig liegender Raum. An der linken Seite einige hohe Panoramafenster, die einen Blick in die umgebende weite Ödnis erlauben. Einige Leute sind hier zusammen – zwar kennen wir einander nicht, sind uns aber doch vertraut. Ich bin sehr guter Laune. Mit engen, hüpfenden Schritten quere ich den Raum, stoße dabei im Wechsel die Arme senkrecht hoch und singe dazu ausgelassen: „Yeah, yeah, yeah!“

Bald gelange ich an eine Frau, die in einem Cocktailsessel sitzt, ein Bein hochgestellt hat und ihre von schwarzem Jeansstoff bedeckten Oberschenkelinnenseiten betrachtet. Fröhlich sage ich zu ihr. „Hey, gut abgenommen, was?!“ Sie nickt glücklich. Ja, diese Freude kenne ich auch. Andere Anwesende sitzen im Gespräch beieinander und ich höre dort eine der Frauen erzählen: „Eine Krebserkrankung ist ja oft mit drastischen Gewichtsabnahmen verbunden.“ Sie deutet auf mich und erklärt: „Marianne hatte Krebs.“ Mir ist es auch noch anzusehen. Meine Glatze ist mit einem weichen Mützchen aus gestreiftem Stoff, das sich zusätzlich noch binden lässt, bedeckt. Zwar wusste ich die ganze Zeit um meine Glatze, aber so richtig bewusst spüre ich es jetzt erst. Alle Blicke richten sich auf mich und ich erzähle: „Ja, so ist es – aber am Ende habe ich sogar drastisch an Gewicht zugelegt!“ Nur unter großer Mühe habe ich das wieder abnehmen können…Ob ich das auch erzählen sollte?

Man schaut mich an, ohne Reaktion. Ich fühle mich bloßgestellt, wie mein haarloser Kopf. Mit einem Male ist es so, als läge mein Gesicht nur noch ganz lose am Kopf an, ich könnte es jeden Moment verlieren. Wie eine längst abgelöste Maske fühlt es sich an. Ich fühle mich ungehalten, haltlos… keine Haare, um mein Gesicht zu verbergen, nichts, um mich vor den Blicken zu schützen, nichts was ich den Blicken an Grenze entgegen halten könnte. Ein wenig so, als verlöre ich den Boden unter den Füßen. Noch ehe ich einen Schritt machen kann, habe ich den Raum verlassen und lasse das alles hinter mir.

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