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Vom Blocken und Beugen

Traum vom 28. Dezember 2009 [März]

Ich betrete einen virtuell anmutenden Raum – Zoom-in, Zoom-out, fließendes Bewegen. Gleitend treibe ich in die Mitte des Raumes und treffe auf Herrn Books, der mit Dachausbau beschäftigt ist. In diesem Augenblick steht er vor einem rechteckigen Block von gut einem Meter zwanzig Länge, etwa siebzig Zentimeter Höhe und ähnlicher Breite. Der Block besteht aus dichtgedrängten, aber einander nicht berührenden schwarzen Buchstaben, die innerhalb ihrer Blockform gemächlich umeinander treiben. Mal steigt Herr Books auf seinen Block, vielleicht um die Balken zu erreichen, ein anderes Mal steht er davor. Aus diesem Buchstabenblock läuft ein „Schriftstück“ heraus, ähnlich einem Filmabspann, das einen längeren Kommentar von Herrn Books enthält. Darin äußert er, mit ausführlichen Umschreibungen, die Kommentare von ‘Zucker’ und ‘Marianne’ zu vermissen und dass er sich sehr darüber freuen würde, mal wieder von ihnen zu lesen. Mich wundert ein wenig, dass er von ‘Marianne’ schreibt, da ich doch immer als ‘Traumzeit’ bloggte.

Okay, meinetwegen gern! Allerdings muss ich mir erst einmal etwas einfallen lassen. Mit diesem Vorhaben entferne ich mich von seinem Block, gleite nach links ab. Eine kaum merkliche Reaktion von Herrn Books lässt mich wissen, dass er damit gerechnet hat, es käme sofort etwas von mir. „Sorry, nein – wie gesagt, erst mal was überlegen!“ Während ich nun also endgültig gehe, ist mir, als reiße ich mich aus einem Bogen Zeitungspapier heraus, auf dem ich gedruckt bin – fast erwarte ich das typische Geräusch reißenden Papiers.

Bei meinem alten Worpsweder Hausarzt im Sprechzimmer. Die Assistentin verrichtet still einige Arbeiten. Das die Untersuchungen abschließende Gespräch ist abgeschlossen, wir stehen auf, er reicht mit höflichen Worten seine Hand zum Abschied. Während er mich zur Tür begleitet, legt er eine Hand vorsichtig zwischen meine Schulterblätter. Dann trete ich hinaus in einen kleinen Flur oder auf den Absatz eines Treppenhauses. In diesem Augenblick stürzt der Arzt derart schnell hinter mir, dass er ins Stolpern gerät, sich aber fängt, als er bei mir ist. Voller Sorge spricht er nun hier an, was er innerhalb der offiziellen Sprechzeiten und in Gegenwart seiner Assistentin nicht anzusprechen wagte: er wünscht mir alles Gute, in seinem Gesicht steht sein Wissen um meine zurückliegende Krebserkrankung geschrieben. Mich überrascht das so, dass ich innehalte und ihn nur wortlos anschaue. Da mahnt er mit sehr ernster Stimme: „Wenn sie sich weiter (ver)beugen, werden sie stürzen!“ Oh! Erst als er es sagt, bemerke ich, wieder diesem alten Haltungsfehler unterworfen zu sein. Er hat Recht! Entschlossen richte ich mich auf und sage mit einem Gefühl neuer Stärke und echt empfundener Dankbarkeit: „Vielen Dank!“

Als ich mich zum Gehen wende, fällt mir erst wieder ein… Vorhin, als ich mich in letzter Sekunde eiligst zum Termin auf den Weg machte, hatte ich noch schnell zu einem herumliegenden Wimpernkämmchen gegriffen, das dick mit schwarzem Mascara bedeckt war und mit ein paar hektischen Strichen die Wimpern der Oberlider geschminkt. Es war viel zu viel von dem Zeug, aber schon zu spät. Mein rechtes Auge ließ sich nach dem ersten Lidschlag für eine Sekunde nicht öffnen, so stark waren die Wimpern miteinander verklebt – ich sah Schwarz! Meine Güte, wie ich jetzt wohl aussehe? Aus Zeitmangel hatte ich noch nicht in den Spiegel gesehen. Womöglich ist es ungleichmäßig verteilt, teils im Gesicht gelandet und verschmiert? Wie peinlich…? Dann ein Spiegel… ein völlig farbloses Gesicht schaut mir aus dem Spiegel entgegen: farblose Haare, farblose Haut, wasserhelle Augen. Im krassen Gegensatz dazu die schwarz getuschten Wimpern. Dick beschmiert stehen die Wimpern der Oberlider bis fast hinauf zu den Augenbrauen. Wie zwei schwarze Flügel.

Traumpfad:
‘Mascara’ kommt vom italienischen Wort ‘maschera’ (dt. Maske). Ein fließender Übergang also zum Traum von gestern: Das Gesicht verlieren

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2 Antworten zu Vom Blocken und Beugen

  1. Oh, Herr Books vermißt meine Kommentare? Na da muß ich doch mal schauen, ob ich das ändern kann. Ich hoffe, du hattest ein schönes Weihnachtsfest und wünsche dir einen ungebeugten Rutsch in das neue Jahr!

  2. Ja genau; und zum Glück haben wir unsere Träume. ;-)

    Dir ein ganz erfreuliches Jahr 2010!