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Verbranntes Auge

Traum vom 4. Januar 2010 – [Oktober]

Mit meinem weißen Jugend-Minirad habe ich ein offenbar anvisiertes, ländliches Ziel am Rande einer Pferdekoppel und gleichzeitig am Rande eines kleinen Kirmesplatzes erreicht. Hinter einem der Schaustellerzelte schließe ich das Rad an das Gestänge des Zeltes fest. Dabei werde ich von einem Typ beobachtet, der hier rauchend herumlungert. „Hey!“ rufe ich ihm zu „ich habe genau gesehen, dass du genau hingesehen hast, um dich zu vergewissern, dass mein Schloss leicht zu knacken ist! Ich weiß, dass es das ist und rate dir dringend: Tue es nicht!“

Mitten auf dem Festplatz. Die Feste sind längst vergangen. Ein Ort der Melancholie und Traurigkeit. Die lebendige Gegenwart der Schausteller und Fahrgeschäfte gaukeln Heiterkeit und Ausgelassenheit vor. Mit einem Male betrete ich eines der zum Weg hin offenen Zelte. Es ist aus dunkler Plane, meine Augen müssen sich erst an das schummerige Licht gewöhnen. Eine Familie kommt auf mich zu: Vater, Mutter, drei bis fünf Kinder im Pubertätsalter. Merkwürdig, dass ich ihre Gesichter so schlecht erkennen kann. Ah, aber dann verstehe ich: sie sind dunkelhäutig, deshalb. Eine Familie aus Eritrea. Die Mädchen kommen neugierig auf mich zu, wie Wahrsagerinnen in der Fußgängerzone. Es ist mir unangenehm, auch weil der Anblick eines der Mädchen mich sehr beunruhigt. Etwas stimmt da in ihrem Gesicht nicht. Doch sie weicht nicht aus und dann sehe ich es: die Haut um ihr rechtes Auge herum zeigt Narben einer Brandverletzung. Ein Anblick, der – eigentlich gar nicht so schrecklich – mir fast unerträglich erscheint, was vielleicht auch an ihrem finster umschleierten Blick liegt. „Nehmen sie Platz!“ sagt sie und ich gebe mir einen Ruck und willige in ihr Angebot ein, setze mich mit Moina auf einen der Stühle. Da geht der schwarze Vorhang bereits auf, die Vorführung beginnt. Aha, ein bewegtes Panoptikum. Es flößt mir etwas Ehrfurcht ein, als Bildhaftes lebendig wird. Entspanne mich aber gleich wieder, als ich das historisch alte Kinderkarussell sehe, mit seinen springenden Schimmeln unter einem roten Dach. Vierstellige Zahlen schweben um das Karussell herum, diese müssen wir mit ausgestreckten Armen berühren, woraufhin sie sich in Goldflimmer auflösen, während uns die erschienen Beträge als Geldbetrag auf einem Spielkonto gutgeschrieben werden. In diesem Augenblick begreife ich erst, dass es um die Berührung geht – so viele Chancen auf Bereicherung hatte ich die Tage zuvor vertan.

Mit einem Male stuppst mich eines der Mädchen an mein Bein und befiehlt erschrocken: „Die Knie bedecken!“ Na, also, meine Knie schauen ja kaum unter dem Rock, der durch das Hinsetzen ein wenig hochgeschoben, hervor! Trotzdem soll ich den Rockstoff weiter über meine ziehen. Naja, vermutlich sind es Muslime, die ihre Knie verschleiern müssen. Mir bereitet diese Sache schlagartig schlechte Laune. Ich bin nicht willens, mit da reinreden zu lassen, springe auf und brülle ihnen beim Hinausgehen zu: „Jetzt reicht’ s!“

Draußen vor dem Zelt ist mit einem Male Herr Books bei mir. Wir beide haben die Aufgabe einen Film zu drehen. Wir müssen noch ein Thema überlegen. Zuckers Stimme erklingt, macht einen Vorschlag und ruft vergnügt: „Frohes Sprayen!“ Ah jee, nun fängt sie auch noch damit an… eine Vorstellung, wie wir uns Deo oder ähnliches in die Kniekehlen sprayen.

Dann Abkehr. Nach einigen Schritten bereue ich meine Überreaktion im Panoptikum. Ich habe dort nämlich vergessen, unsere Spielkarte aus dem Karussellfilmautomanten zu ziehen. All das gesammelte Geld ist darauf gutgeschrieben. Zu schade, ausgerechnet jetzt, wo ich es begriffen habe, lasse ich es zurück. Denn: ich gehe nicht dorthin zurück!

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