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Maskenhafte Therapeutin

Traum vom 4. Januar 2002

Ich rede mit meiner Therapeutin über Beziehungen zu Männern. Ich betrachte ihr Gesicht, das irgendwie nicht okay ausschaut. Es scheint fast so, als trage sie auf ihrem Gesicht eine Maske aus einer lebenden Hautschicht mit dem üblichen Gewebe darunter. Dadurch wirkt das Gesicht gepolsteter, die Augen kleiner und sie treten weiter zurück. Sie ist strohblond und hatte schulterlange, glatte Haare. Außerdem hat sie Sommersprossen. Ihre Zähne wirken sehr klein und ihre Lippe sieht eigenartig aus – fast so, als sei das Lippenbändchen zwischen die vorderen Zähne gezogen, was ihre Oberlippe zwischen den Zähnen befestigt. Es sieht befremdlich aus. Irgendwie hakt sie noch einmal nach und ich teile meine Gedanken dazu mit. Daraufhin sagt sie wieder etwas zu mir, gibt mir noch irgendetwas zu bedenken. Ich will gerade darauf eingehen, als ich voller Entsetzen und Bestürzung bemerke, dass ihr Gesicht unbeweglich ist. Ihre Augen beobachten mich mit gefühllosem Interesse, wie ich auf alles reagiere. Sie analysiert mich ohne emotionale Beteiligung, will mich gnadenlos durchleuchten. Und da sie das zweite Gesicht hat, durchschaut sie mich bis ins Innerste. Ich habe Angst vor ihr. Ich ertrage es nicht, ihre Stimme zu hören, während ihr Gesicht so ausschaut, als würde sie nicht mit mir sprechen. Aber ich höre sie ganz normal reden, während sie mich eiskalt anblickt. Es hat etwas absolut Gemeines und Herzloses an sich. Ich kann kaum sprechen, so entsetzt bin ich. Ich sage mit letzter Kraft und erstickender Stimme: “So bewegen Sie doch bitte ihre Lippen beim Sprechen!!” Ich schaue sie währenddessen an, aber noch ehe ich den Satz zu Ende gebracht habe, schlage ich die Hände vors Gesicht. Vermutlich habe ich viel zu leise gesprochen. Und ich ahne, dass es sie befremdet, dass ich sie so sehe. Denn sie denkt, dass alles in Ordnung ist und ich halt einen Knall habe und sie deshalb so sehe. Alles ist okay, nur ich bin nicht okay.

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