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Silberne Doppelhelix gegen goldene Muschel

Traum vom 25. Januar 2010

Gerade ausgestiegen, hocke ich mit meiner Familie am Straßenrand. Eine schwarzlockige Zigeunerin mit ihren beiden Söhnen kommt auf uns zu. Sie will uns irgendwelchen Trödel verkaufen, den wir gar nicht brauchen und lehnen ab. Daraufhin erklärt sie sehr lebhaft, sie brauche aber Geld, um ihre Kinder zu ernähren. Ob ich das verstehen könne? Aber ja, wir haben ja auch fünf Kinder. Okay, sie hat sechs Kinder. Fünf Kinder sind aber schon eine spürbare Annäherung – also: ja, das kann ich gut verstehen!

Dann will sie wissen, ob ich auch Verständnis dafür habe, dass sie uns etwas verkaufen möchte, das bis vor wenigen Minuten noch in unserem Besitz war, aber inzwischen von ihren Söhnen entwendet wurde. Aber ja, das verstehe ich sehr gut! So überreiche ich ihr noch einen weiteren Gegenstand von unserem Hab und Gut, damit sie uns auch das noch verkaufen kann. Während dieser Transaktionen tauschen wir in erster Linie Blicke, viel weniger Worte. Ganz ehrlich bin ich aber nicht, denn ich behalte heimlich einen riesigen Ohrhänger – er ist aus feinem Silberdraht und hat Form einer DNA-Doppelhelix – für mich zurück. Diesen filigranen Ohrhänger wickele ich in ein großes kariertes Männertaschentuch, damit die Zigeunerin nicht bemerkt, dass ich ihr den Ohrhänger stibitzte. Ich habe kein gutes Gefühl dabei, fühle mich bedrückt und schlecht. Ich mache mich dann damit auf dem Weg. Wenn einer mein Tun bemerken könnte, dann wäre es einer ihrer hellwach beobachtenden Jungen. Doch nichts geschieht. In einer Hand halte ich eine Art Röhrenmuschel aus Steingut oder billigem Porzellan. Ursprünglich naturweiß, doch in meinen Händen beschlug sie mit mattem Gold. Das ist schade, diese mattgoldene Farbe macht die Muschel billig. Doch ist es jetzt nicht mehr zu ändern. So gehe ich mit langsamen Schritten auf die Zigeunerin zu, halte ihr die Muschel entgegen, überreiche sie wie in Zeitlupe. Vielleicht kann sie ja zwei oder drei Euro dafür einhandeln. Die Zigeunerin begegnet mir mit einem ernsten und finsteren Blick.

Traumpfad: Großes Auge

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