Home » Traumtagebuch » Das Maul gestopft

Das Maul gestopft

Traum vom 2. Februar 2010

Seit einigen Wochen habe ich diesen neuen Job im Dienstleistungsbereich. Während dieser Tätigkeit trage ich ein Kleid aus heller Viskose – vielleicht mit dunklen Tupfen gemustert. Es ist einem Dirndl nachempfunden. Auf dem Weg nach draußen komme ich jedes Mal an einer mehrfachen Glasscheibe vorbei, die mich recht deutlich, aber nicht genau wiederspiegelt. Obwohl das Kleid meine schmale Taille vorteilhaft hervorhebt – immer wieder sehe ich, wie schmal ich dort bin – , empfinde ich mich irgendwie als zu dick. Jedes Mal diese widersprüchliche Wahrnehmung. Dies teile ich dann einer Person mit, die draußen steht und abwartet. Sie äußert dazu nichts Konkretes. Wie auch immer… es ist ja sowieso traurig, denn ich werde das Kleid nicht mehr tragen können, so bescheuert sehe ich darin aus.

Die Sache mit dem Kleid ist meiner alternden Chefin mit den wasserblonden störrischen Haaren zu Ohren gekommen und sie kündigt mir: „Das Kleid passt Dir nicht!“ Ich weiß, dass sich das auf die Rocklänge bezieht. Ist der Rock zu kurz oder zu lang? Zu sexy oder zu verschlossen? Meine liebe Kollegin geht an mir vorbei, beugt sich leicht vor. Diese leichte Bewegung genügt, um ihren schwarzen Slip unter dem Rock hervorschauen zu lassen. Ganz deutlich sogar, so dass sich deutlich die Maschen der darüber gezogenen anthrazitfarbenen Feinstrumpfhose erkennen lassen. Alles klar, ich sehe in den Kleid also zu bieder aus.

Jedenfalls stehe ich kurz darauf vor verschlossener Wohnungstür. Die Chefin hat sie abgeschlossen. Wir – Mike und ich – müssen packen. Blöd ist, dass ich mir gerade überlegt hatte, diese Reisetasche aus verblichenem schottenkarierten Nylon zu nehmen, um unsere Decken hineinzustopfen. Irgendwer hatte sich nämlich von dieser Reisetasche getrennt und ehe sie beim Sperrmüll landet… Eben diese Tasche befindet sich aber genau hinter verschlossener Tür in der alten Wohnung. Da bemerke ich das Papier unter der Tür. Ein Stück nur schaut heraus, ich ziehe es vorsichtig hervor, nehme es auf… Meine Handschrift. Notizen in lässiger Schrift. Gottseidank ist dieses Schriftstück nicht abhanden gekommen! Zwar ist es nichts Besonderes, aber es gehört mit zum Aktuellen in meinem Leben – es ist gut, dass nicht alles verloren ist!

Vorraum vor dem Aufenthaltsraum, in dem das Personal Frühstückspause macht. Im Vorraum werkeln einige Arbeiter herum, was ich sehr angenehm finde, denn hier wird noch nicht so sehr auf diese Ruhe geachtet und ich kann mich entspannt bewegen. Ich hatte mich bisher nicht getraut, den Aufenthaltsraum aufzusuchen, denn ich wollte meine Kollegen dort nicht stören. Ich wäre sicherlich unangenehm aufgefallen, weil ich zu laut bin, während es ihnen gelingt, alle möglichen Geräusche zu vermeiden. Kein Wort wird dort drinnen gesprochen. Nun gebe ich mir einen Ruck, gehe doch hinein, durchquere den Raum und setze mich zu den Kolleginnen, die mit dem Rücken an die Wand gelehnt, auf dem Fußboden sitzen. Unter ihnen auch die erwachsene Tochter der Chefin. Sie alle schauen stumm und abweisend zu mir her. Ich erzähle ihnen dann mit ganz leiser Stimme, dass mein Kleid nicht passt. „Ja, und deshalb muss ich gehen.“ teile ich tieftraurig mit. Die Tochter zeigt sich mit einem Male voller Mitgefühl und Betroffenheit, will mich beruhigen und sagt: „Aber nein, das kann nicht sein!“ Mit einem Male spüre ich selbstverständliche Verbundenheit und Wohlwollen zwischen allen.

Nach vielen Stunden folge ich der Einladung einer Untersuchungskommission. In dem weiträumigen gediegenen Büroraum sitzen, überall verteilt, einige Herren in seriöser Geschäftskleidung. Unter ihnen auch der Mann, um dessen Befinden es sich eigentlich dreht. Ich bin nur als Fallbeispiel hier und soll nur deshalb untersucht werden, damit anschließend dem Mann besser geholfen werden kann. Er hat ein sehr ähnliches Problem wie ich, allerdings mit dem Unterschied, dass es bei mir ganz offensichtlich zu erkennen ist, während man ihm nichts davon ansehen kann, was eben auch bedeutet, man kann es bei ihm nur schlecht untersuchen. Ich trage das gleiche Kleid wie zu Anfang. Vorn auf der Brust ist ein riesiger Latz aus doppelter Stofflage eingearbeitet. Mich hatte das von Beginn an gestört, aber ich habe es nicht richtig erkennen können, wenn ich in das spiegelnde Glas schaute. Dieser Latz ist hochgeklappt, in den Mundraum geführt, über die Zunge hinweg zum Rachen und dort umgeklappt nimmt es seinen Weg unter dem Gaumen des Oberkiefers zurück hinaus. Das untere Ende des Latzes hängt wie eine riesige Stoffzunge aus meinem Mund. Mir werden dazu Fragen gestellt, aber es ist unmöglich zu antworten. Ich versuche es, habe aber mehr den Eindruck an dem riesigen Stofflappen im Mund fast zu ersticken, da allein der Versuch zu sprechen, den Stofflappen noch tiefer in den Rachen treibt. So stoße ich nur ein paar dumpfe Buchstaben hervor und zeige mit dem Finger immer wieder zu meinem Mund, zu dem Latz, der da drinnen stopft und signalisiere: Das ist das Problem! Das Problem, das ist es!! Zwischendurch nehme ich den Stoff einfach aus dem Mund, um mal ein paar deutliche Worte zu sprechen, doch anschließend stopfe ich mir wieder das Maul damit, so als sei ich aus unbenennbarem Grund dazu gezwungen, mir den Mund zu verschließen.

Tags:

Eine Antwort zu Das Maul gestopft

  1. [...] Traumpfad: Das Maul gestopft [...]