Home » Traumtagebuch » Nachtsprechstunde in Berlin

Nachtsprechstunde in Berlin

Traum vom 27. Juli 2009

Immer wieder quälen mich stechende Fruchtfliegen an den Fußknöcheln und den Ellenbeugen. Aus diesem Grund, so nehme ich an, suche ich am frühen Morgen meinen Hausarzt – den Chefarzt der Strahlentherapie – in Worpswede auf. Die Praxis befindet sich im Hans-am-Ende-Weg. Dort angekommen teilen mir die Sprechstundenhilfen allerdings mit, ich müsse eine andere Praxis aufsuchen. Mir wird auch erklärt, wohin ich gehen muss.

In der Nacht streife ich den Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs. Hey, das ist ja ein Ding… Zucker sitzt dort wartend im Halbdunkel. Den Kopf leicht vorgebeugt, so dass ihr Profil kaum zu erkennen ist. So bin ich anfangs nicht ganz sicher, ob sie es wirklich ist. Zudem trägt sie kein Make-up und ich bin unsicher, ob sie überhaupt von mir gesehen werden möchte. Um uns eine unangenehme Situation zu ersparen, gehe ich an ihr vorbei und tue so, als habe ich sie nicht erkannt. Vermutlich bekommt sie das eh nicht mit, da sie sich mit einem imaginären Kind unterhält. Auch Zucker hat einen Arzttermin.

Es gibt drei Praxen: A, B und C. Ich vermute, die Buchstaben stehen in Zusammenhang mit den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Patienten. Jedenfalls muss Zucker in Gebäude A warten. Irgendwie erscheint mir das vorteilhafter, als Gebäude C aufzusuchen, so wie ich es tun muss.

Ich gehe noch einige Zeit durch den erwachenden Morgen, ehe ich endlich Dr. G****ers Haus erreiche. Gerade ist ein Rettungswagen vorgefahren, und ein Kind wird aus dem Haus des Arztes getragen. Ein etwa siebenjähriger Junge. Als ich das Haus betrete, steht noch all das Hab und Gut des Jungen im Vorflur, mitsamt seiner Kleiderschränke, die ebenfalls noch in den Rettungswagen geladen werden sollen. Ja, das ist wirklich bedauerlich.

Bei Dr. G****er im Wohnraum. Er klagt; bedauert so sehr, dass der Junge jetzt von seinen Eltern geholt wird. Er habe so schön mit ihm spielen können; das sei jetzt vorbei. Während der Arzt gramgebeugt, mit gesenktem Kopf auf der Couch sitzt und leidet, sammele ich zwei Pfandflaschen aus Glas ein und stelle sie beiseite. Eine gewisse Ordnung zu haben, empfinde ich als sehr angenehm. Und warum nicht dem Arzt ein wenig helfen, wenn er diesen Dingen wegen seines Kummers keine Aufmerksamkeit schenken kann. Er registriert mein Tun und lächelt. Dann sitze ich auf einer zweiten Couch, tiefer im Raum. Moina steht neben mir, ist noch etwas schüchtern. Dr. G****er streckt ihr einen Arm entgegen. Er möchte mit ihr spielen und bietet freundlich an: „Komm zu mir!“
Moina würde das gerne tun – so spüre ich an ihrer Körperspannung, ihrer Ausstrahlung, bemerke die kurz aufleuchtenden Augen und den nicht ausgeführten Impuls, zu ihm zu springen.
Mit großen Augen schaut sie mich an – fragend.

Tags: