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Der offenbarende Laib der Grünäugigen

Traum vom 24. Oktober 2006

Ein kurzer Traum – einer Einleitung ähnlich – zuvor:
Mike und ich sind mit unseren Fahrrädern auf dem Weg in den Wald. Moina im Fahrradsitz auf meinem Gepäckträger. Ein Führer – in Form von materialisierter Energie – ist bei uns, macht wortlose Vorschläge für den weiteren Weg. Doch die Entscheidung liegt bei uns. Ein schmaler Pfad im Dunkel des dichten Waldes, voller Baumwurzeln, Steinen und Wölbungen. Ich kenne dies; wie waren hier schon einmal! Und ich erinnere mich, dass uns dieser Weg schon bald an den Punkt mit den Felsen bringt. Es gibt dort nur den einen Weg über die Felsen hinweg. Und die einzige Möglichkeit führt direkt am rechts gelegenen Abgrund vorbei! Das Rad mit Moina hintendrauf lässt sich schwer führen! Das Risiko, abzurutschen und abzustürzen, ist sehr groß! Vielleicht sollten wir es uns noch einmal überlegen? Mike bleibt unbeirrt, setzt den Weg fort, schiebt sein Rad in den Wald hinein. Ich schiebe hinterher, seine Entschlossenheit nimmt mir einen Teil des Unbehagens.

Haupttraum: Seit geraumer Zeit sitze ich auf den Umzugskisten vor dem Haus. Hinter mir liegt die neue Wohnung, die ich bald beziehen werde. Mein Blick richtet sich auf die bisherige Wohnung – etwa 15m entfernt vor mir liegend. Die Ansicht ist schemenhaft, zentriert sich allerdings klarer auf den holzverkleideten Treppenbereich; …ein Hoetger-Haus. Die Goldschmiedin trifft ein, mit ihrer zweijährigen Tochter an der Hand – die neue Mieterin meiner alten Wohnung. Sie kommt auf mich zu und fragt, ob ich die Tür zur Wohnung öffnen könne. Gerne, ich habe ja den Schlüssel!
Auf dem Weg zur Wohnungstür komme ich direkt an dem Treppenbereich vorbei, den ich zuvor etwas ferner sah. An der Holzwand hängt ein Plakat zur aktuellen Ausstellung mit Arbeiten der Goldschmiedin. Darauf abgebildet ist die Aufnahme eines ihrer letzten Objekte: Ein Baumleib mit ovaler Öffnung. Im Innern eine Art Schnitzerei, die das Antlitz der Künstlerin zeigt. Der Kopf ist in die Rundung der Öffnung einschmiegt. Die untere Rundung wird mit den Armen der Künstlerin abgeschlossen, die ihr schlafendes Kind vor dem Bauch in den Armen hält. Wäre die Kopfhaltung seitlich geneigter, ich würde an die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind denken.

Dann bemerke ich, dass sich dieser Baumleib sogar greifbar vor mir befindet! Er liegt neben dem Treppenaufstieg. Er wirkt wie ein Gebäcklaib und wie ein Holzschnitzwerk zugleich! Ein gebackener Laib, oval ausgehöhlt, mit der Künstlerin und ihrem Kind im Innern; die Öffnung offenbart es. Ich bin verblüfft, berührt, erstaunt… Mir war bei vorherigen Begegnungen nie aufgefallen, welch ausdrucksstarke Augen und fein gezeichneten Gesichtsformen diese Künstlerin hat! Am meisten beeindrucken ihre großen Augen, deren Grün wie durch ein inneres Leuchten strahlt. Wundersam ist, dass wenn ich hinsehe, der Eindruck entsteht, es sein ein einziges großes Auge in der Mitte, mit ungewöhnlich leuchtendem Blick. Aber immer, wenn ich es klarer erkennen will, verschwindet die Wahrnehmung und ich erkenne verschwommen zwei Augen.

Eine Etage höher in der Wohnung angekommen. Die Goldschmiedin und der Vermieter – mein Animus in der ihm typischen Kleidung – sind bereits in Kontakt gekommen. Entweder wegen des Mietvertrags oder wegen des Kunstprojekts; oder sowohl als auch. Das kleine Mädchen lässt bald wissen, es müsse mal auf Toilette. Ich biete an, sie über das Toilettenbecken zu halten. Dann würde es keine Störung während der Verhandlungen geben. Der Vermieter hält inne, wirkt wenig begeistert. Ich überlege, ob seine Toilette vielleicht unaufgeräumt ist, er meine Idee deswegen nicht annehmen mag. Aber dann nickt er doch zustimmend.

Hinterher. Mit der Goldschmiedin und ihrer Tochter im Treppenhaus vor der Wohnungstür. Die Kleine will durch das Geländer in den Treppenschacht zu schauen, ist im Begriff ihr Köpfchen hindurch zu schieben. Oh nein, womöglich bleibt sie klemmen! Schnell greife ich sie – ein berührend federleichtes zartes Mädchen – und ziehe sie zurück. Meine abrupte Reaktion reißt das Kind nieder und sie schlägt ungebremst mit dem Gesicht auf die Fliesen. Oje!! Ich nehme sie vorsichtig auf, drücke sie an mich. Die Mutter schreit bestürzt auf, redet laut und aufgeregt auf das Kind ein. Ich flüstere der Frau mit langsamen Worten zu: „Ruhig… und ganz ruhig atmen… Dabei streichele ich mit einer Hand sanft ihre Schultern, bis sie sich beruhigt. Dann streichele ich den Nacken des Kindes, das friedlich an meiner Schulter liegt, wärme es mit meinem Atem. Als wir dann in sein Gesicht schauen, sehen wir es völlig unversehrt und ohne Schmerz.

Tirol… vielleicht auch Allgäu. Wieder das Hoetger-Haus, zwischen sanften grünen Hügeln… einige Bäume. Es ist die neue Wohnung der Goldschmiedin. Meine Eltern sind halbdunkel bei mir und erzählen, dass Mutter das Angebot bekam, mittwochs die Räume im Hoetger-Haus zu reinigen. Meiner Mutter scheint es zuviel zu werden… all die Räume, eine große Fläche…. Ich erinnere sie daran, dass alle Räume ver-rückt seien, voller Winkel und Nischen! Die Putzarbeiten seien dort gewiss nicht so langweilig wie in einem großen geradlinigen Raum. Vermutlich verginge die Arbeitszeit wie im Fluge. Aber na ja, wenn sie nicht so gerne möchte… Es ist gut möglich, dass ich demnächst Zeit zum Arbeiten habe – falls Moina in den Kindergarten kommt – und dann würde ich diese Tätigkeit gerne übernehmen! Eine Idee, die sich irgendwie gut anfühlt!

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Eine Antwort zu Der offenbarende Laib der Grünäugigen

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