Home » Traumtagebuch » Kirschkuchen | Rad im Baum | Engpass

Kirschkuchen | Rad im Baum | Engpass

Traum vom 15. Juli 2009

Schulabschlussfeier. Auf einigen zusammengeschobenen Tischen stehen reichlich Blechkuchen. Genauer gesagt sind es Kirschkuchen der Art, wie ich letzten Sonntag einen gebacken habe. Die Jungs und Mädels – alles Jugendliche mit Migrationshintergrund – bedienen sich, rätseln aber, um welchen Kuchen es sich handelt. Jemand fragt mich: „Was ist das?“
„Kirschkuchen! Den könnt ihr unbesorgt essen!“ antworte ich.

Dann bin ich auf dem Weg. Durch die Nacht. Ich schiebe mein Rad neben den Bahngleisen entlang, habe fast den Bahnhof Weyerdeelen-Umbeck erreicht. Ich möchte endlich – endlich! – mein Fahrrad abstellen. Ich fühle mich durch das Rad unfrei, in meiner Bewegung eingeschränkt; meine Hände sind nicht frei. Etwas weiter links, hinter mir, folgt eine weibliche Person. Sie legt ein gutes Tempo vor, damit sie mich nicht aus den Augen verliert.

Als der verlassene Bahnsteig endlich in Sichtweite ist, fällt mir wieder ein, dass damals – als dieser Schienenweg ein Teil meines Schulweges war – mein Rad im Baum hing. Vergessen habe ich, welch schreckliches Ereignis dies für mich war. Unbegreiflich, dass sich jemand die Mühe gemacht hatte, mein Rad mittels Seil hoch in den Baum zu ziehen, nur um mir eins auszuwischen. Und ich bekam es allein nicht aus dem Baum, stand aber alleine da… Hatte Angst vor den Folgen…. Ich finde die Idee, mein Rad hoch in den Baum zu ziehen, ganz gut. Auch wenn allein der Gedanke enorm quälende Gefühle auslöst. Dort oben im Baum ist das Rad ziemlich sicher, denke ich mal. Auch in der Dunkelheit. Vor allem sehe ich nun eine Möglichkeit, mein Rad sicher aufzubewahren, meine Hände frei zu bekommen, und das schon bald. Gleichzeitig das Gefühl, etwas zu tun, das nicht wirklich gut ist…

Aus einem unbekannten Grund habe ich den kleinen Schlenker zu dem alten Fahrradplatz nicht gemacht, habe mein Rad dort nicht hoch in den Baum gezogen, sondern einen kleinen Umweg über den Umbeckweg gemacht. Dabei bin ich auf ein Privatgrundstück gelangt – was überhaupt nicht geplant war. Wie auch immer, im Moment bin ich im Begriff, dort irgendwie wieder heraus zu kommen. Durch den Garten, einen kleinen schmalen Pfad zwischen Haus und Hecke entlang, bin ich in einen kleinen Vorflur, ähnlich einem Wintergarten, gelangt. Drei Menschen sind im Eingangsbereich – sie alle wohnen hier, zeigen sich nett und verständnisvoll, sehen mich nicht als Eindringling, helfen mir sehr zuvorkommend. Ich schiebe mein Rad von hinten, mit den Händen am Gepäckträger, gleichzeitig den Lenker mit einer Hand mittig haltend. Meine Position hinter dem Fahrrad ist insofern ungünstig, als dass ich schlecht erkennen kann, ob ich wirklich die Kurve kriege. Der Weg ist halt schmal, und wenn ich neben dem Fahrrad gehe, brauchen wir zu viel Platz. Der Mann stößt die einfache Holztür auf, die nach draußen führt. Mit viel Gefühl bugsiere ich mein Rad durch diesen Engpass, kann aber nicht sehen, ob es wirklich passt. So frage ich den Mann an der Tür: „Kriege ich die Kurve?“
„Ja!“ antwortet er in einer Weise, die mich äußerst zuversichtlich stimmt. Das Vorderrad ist bereits durch. Puh, bin ich froh, wenn ich diesen unangenehmen Engpass endlich durchdrungen habe!

Tags: