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Unterirdische Kraftanlage

Traum vom 13. Februar 2010

Im Schrittempo fahre ich den Kirchdamm entlang in Richtung Grasberg. Moina sitzt im Fond und schaut aus dem Fenster. Am Rande der Weide am rechten Straßenrand eine große Hinweistafel:

Es werden wieder Plätze vermietet!

Da entdecke ich auch schon den vertrauten alten Bauwagen am Ende einer Weide. Wäscheleinen sind dort gespannt, einige Wäschestücke trocknen in der feuchten Luft, und Thomas sitzt draußen an einem Tisch. Ah, da hat der Thomas sein Domizil dort also auch wieder aufgeschlagen – seit einigen Jahren sah ich ihn nicht. Die ganze Szenerie wirkt wie durch einen rußigen Filter betrachtet, so als hinge Kohlestaub in der Luft. Und doch wirkt es weder traurig noch armselig, sondern vielmehr ist eine sehr ursprüngliche Freude, so stilles Glück zu spüren.

Eine Weide weiter eine großflächige Baustelle. Der Himmel darüber ist wie von goldenem Licht erfüllt. Ein Anblick, der die Brust weitet. Welch ein Glück, dass ich hier zufällig vorbei komme, sonst wären mir diese Veränderungen völlig entgangen. Am Straßenrand einige Baufahrzeuge und Sandhaufen, die darauf warten, verarbeitet zu werden. In mir der Wunsch, alles genauer zu betrachten, auszusteigen und es direkt erleben. „Moina, was meinst du, wollen wir aussteigen und es uns ansehen?“ Sie nickt stumm und voller Interesse. Ich lasse das Auto auf den Seitenstreifen rollen, dort wo ein paar Sandhaufen stehen und wundere mich, dass ich uns nicht festfahre. Es ist so, als nähme der Sand uns bereitwillig auf, fast wie ein Verschmelzen, wodurch wir keinen Widerstand erfahren.

Das gesamte Areal weist eine trittfeste Sandfläche auf. Überall verteilt einige alte Ölförderpumpen, die unablässig wiegend schöpfen. Hier und da einige dicke gusseiserne Ofenrohre, die aus der Erde ragen, am oberen Ende nach vorn gebogen. Weiter hinten ein paar Windkrafträder und zum Straßenrand hin einige mittig zerteilte, geschwärzte Holzboote, mit dem Bug gen Himmel gerichtet. Vor dem leuchtenden Himmel erinnert alles an Scherenschnitte. Der Rhythmus der Pumpe, ein gleichmässiges Stampfen, das wohl aus tiefen Erdschichten durch die Ofenrohre aufsteigt, das Drehen der Windräder, die stillen Boote, die wie darauf warten, mit etwas gefüllt zu werden. Eine luzide Erfahrung, die eine leise Ahnung der unermesslichen Kraft im Untergrund vermittelt. Es hat etwas Archaisches, das mit Ehrfurcht erfüllt. So gehen wir vorsichtig umher, ohne etwas zu berühren, um nicht aus Unachtsamkeit etwas zu beschädigen. Welch eine Kraft und Schönheit…

Es ist so schön… ich sollte Fotos davon machen! Ein paar Reisende treten zu uns. Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, etwa vierzig Jahre, drahtig, schnelle Auffassungsgabe, Typ Schauspielerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie ist in Begleitung ihres Vaters: ein alter Grieche mit grauen Haaren. Die dritte Person ist nicht näher zu erkennen. Die Blonde sagt zu mir, sie habe bereits einige Aufnahmen gemacht. Wenn ich wolle, so könne ich diese Bilder auf meine Cam übertragen. Hm… eigentlich möchte ich die Motive lieber selbst auswählen… Andererseits…. warum nicht? So hätte ich schon mal was. Also: „Okay!“ Die Frau zieht die Speicherkarte hervor und fragt nach meiner Ausrüstung, vor allem nach dem Speichermedium. „Ach, das ist eine einfache SD-Karte.“ Worauf sie erklärt: „Ah, ich arbeite mit einem neueren System!“ Zum Glück erweist sich das Speichermedium dann doch als brauchbar – in meinen Augen ist es eine SD-Karte, die in einem scheckkartengroßen Adapter steckt, also auf alle Fälle abwärtskompatibel. Warum die Frau so viel Aufhebens darum macht, es könne bei mir nicht passen… hm!? Inzwischen habe ich ihre SD-Karte in meine Kamera versenkt und schaue nun, ob bereits das erste Bild übertragen ist. Bis zu diesem Augenblick dachte ich, jede Datei müsse einzeln zur Übertragung angewiesen werden, aber nein, es sind bereits sämtliche Aufnahmen bei mir angekommen: 37 Bilder! Toll!

In die freudigen, dankbaren Empfindungen mischen sich wirre Gedanken, da ich überlege, einige der Bilder für mein Blog zu verwenden. Klar, die Frau machte die Aufnahmen, aber da sie nun auf meine Kamera geladen sind, sind sie ja praktisch zu meinem Eigentum geworden. Das heißt, ich kann die Bilder verwenden, ohne lästige Quellenangaben und Links setzen zu müssen; ja, ohne mich um irgendwelche Nutzungsrechte kümmern zu müssen. Gleichzeitig ist mir schon klar, dass meine Denke nicht wirklich fair ist, aber ich will es mir unbedingt zurechtbiegen, damit ich es bequem habe. Außerdem ist es ja so, dass ich wirklich hier vor Ort bin, die gleichen Fotos machen könnte. Wer will das später noch unterscheiden können? Hm… naja, vielleicht ist es doch besser, ich mache gleich ein paar Aufnahmen, die ich dann wirklich guten Gewissens veröffentlichen kann.

Oelfoerderpumpe

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