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Autonome Gewalt

Traum vom 14. Juli 2009

Eine traumreiche Nacht; angenehme Schlaftiefe. Bis auf eine kleine Szene alle Träume fast vergessen. Die ständig wiederkehrenden Rückenschmerzen sind – so wurde mit den Träumen klar – eine Folge der vielen Kirschen, die ich bisher verarbeitete und noch zu verarbeiten habe. Verschwommen die Erinnerung, dass ich mich in vielerlei Traumsituationen gut aufgehoben fühlte – Wärme, Vertrauen, Geborgenheit – dieses Angenehme zwar meinen Körper einhüllte, ab dem Hals, und bis über den Kopf hinaus, aber ein weiteres, eher bedrückendes Gefühl hinzu kam: so, als läge ein Unheil oder eine unbenennbare Bedrohung in der Luft.

Ein Straßenkreuz in flachem Land. Öde, sandstaubig, ein paar dürre Grasbüschelchen. Ein Auto fährt los. Zwei Männer sitzen drin. Ich stehe in einigen Metern Entfernung am Straßenrand und schaue der Abfahrt zu. Die beiden Männer, mit denen ich bis zu diesem Zeitpunkt den Tag verbracht habe, sind zu einer ganz gewöhnlichen, unbeschwerten Besorgungsfahrt aufgebrochen. Sie kennen einander; sind vielleicht Freunde oder Verwandte. Ich sehe sie jetzt nur noch schemenhaft durch die Heckscheibe. Doch was ich sehe, löst tiefe Betroffenheit aus: Der Mann auf dem Beifahrersitz – er trägt einen schwarzen Hut – erhebt ein länglich geformtes Eisenteil. Offenbar war es ursprünglich Teil einer Konstruktion oder eines Möbelstücks. Es hat die Form eines massiven Schwertes und der Mann holt nun aus, um es als Waffe gegen seinen Kameraden einzusetzen. Oh, mein Gott… Ich begreife, dass er sich im Wageninnern ziemlich sicher fühlt – es dürfte keine Augenzeugen für sein Tun geben. Normalerweise. Warum greife ich nicht ein? Warum stürze ich nicht hinter dem Fahrzeug her? Warum versuche ich den Anschlag nicht zu verhindern? Ich fühle mich wie gelähmt, total bewegungslos stehe ich da. Mit entglittenen Gesichtszügen. Ich weiß ja auch, dass ich im Moment nicht die Fähigkeit und Kraft habe, einfach durch die Fahrzeughaut zu dringen und ihm die Waffe zu entreißen. Womöglich machte ich alles nur noch schlimmer, wenn ich mich hier jetzt einmische.

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