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Rotlicht – es geht nicht weiter

Traum vom 5. Dezember 2010

Zwischen zwei Räumen ein weiterer Raum ohne Aussicht. Dieser dient der Verbindung oder ist ähnlich einer Schleuse zu nutzen. Wir warten darauf, in das nächste Zimmer eingelassen zu werden. Wir – das sind zwei Männer und ich. Einer der Männer hat schwarze Haare und dunkle Augen, einen Bartschatten, leicht bräunliche Haut, von einem dünnen Schweißfilm überzogen. Er sitzt im Rollstuhl, hat entweder keine oder verstümmelte Beine. Der andere Mann ist sein Betreuer – ihn betrachte ich nicht genauer.

Nach einer längeren Zeit des Wartens äußert der Mann im Rollstuhl das Bedürfnis, sich bei jemanden anzulehnen. Ohne lange zu überlegen gehe ich zu ihm, drehe und kippe den Rollstuhl so, dass sein Kopf und die Schulterblätter an meiner Brust zu liegen kommen. Eine Weile streichele ich wortlos seine Wangen, seinen Hals, seine Stirn.

Als er dann wieder allein im Rollstuhl sitzt, sagt er zum Betreuer, er fürchte, sein Rollstuhl könne sich unkontrolliert und rückwärts in Bewegung setzen – er spüre da so eine Neigung unter seinen Rädern. Kurzentschlossen drehe ich ihn mit dem Rollstuhl um neunzig Grad und schiebe ihn mit dem Rücken zur Wand. Das sollte ihm das nötige Gefühl der Sicherheit geben. Nun schwärmt der Mann, wie schön es war, sich anzulehnen.

Inzwischen stehen wir im Rotlichtviertel vor einer Fußgängerampel. Rot. Die Fußgänger wie Scherenschnitte mit verschwimmenden Konturen. Wir warten darauf, dass der Mann im Rollstuhl gegenüber im Haus Eintritt finden kann. Aus dem zweiten Stock blickt eine Frau zu uns herunter. Zwar verwehren die anderen Passanten größtenteils die Sicht auf uns, doch wird sie uns vielleicht trotzdem sehen. Sie wird sehen, wie ich seinem Wunsch nach Anlehnung nachkomme; ihn so halte, dass Kopf und Rücken sich an mich schmiegen. Ich befürchte Eifersüchteleien; Missverständnisse, weil sie mich für eine Verbündete hält, die ich ja gar nicht bin. Das Gefühl der Bedrohung, in etwas hineinzugeraten, dass nur ein Irrtum ist, wird stärker, je länger wir hier warten. … Friseurbetriebe am Inn … Ich kenne den Mann ja gar nicht.

Schemenhafte Passanten warten am Zebrastreifen

Szenenwechsel. Quasi um die Ecke an einer breiten Straße mitten in der Stadt – vielleicht die „Berliner“. Die Männer, einige schemenhafte Passanten und ich warten darauf, dass wir den Zebrastreifen überqueren können. Als ich wieder zum Überweg blicke, entdecke ich überrascht, dass der Staat weiß-rote Absperrbänder zu beiden Seiten der Straße zog, um ein Überqueren der Straße zu unterbinden. In der Ferne ein dumpfes Rollen und Grummeln, das rasch näher kommt. Panzer! Ganz schlichte, relativ kleine Panzer mit einer glatten mittelgrünen Stahlhaut. Auf die Panzer sind jeweils zwei Männer gebunden – einer mit, einer entgegen der Fahrtrichtung. Sie sind derart fest an Hals und Oberarmen am Panzer, dass nur ihre Beine noch beweglich sind. Ich bin nicht sicher: entweder steht es den Gefangenen frei, einfach mitzulaufen, oder sie sind dazu gezwungen, wollen sie nicht unter die Ketten geraten. Ich begreife sofort: der Staat fühlt sich inzwischen derart bedroht, dass er zu solch drastischen Maßnahmen greift. Mir wird es ganz mulmig und für übertrieben halte ich dieses Aufgebot auch.

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