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Verstummt und verzweifelt

Traum vom 6. Dezember 2010

Fahrt mit dem Bus. Mit von der Partie die Mutter einer Grundschulkameradin. Mit schmal zusammengepressten Lippen sitzt sie da. Sie hat ihren eigenen Sinn; sie sieht die Dinge anders als ich, nämlich so, wie sie ihrer Ansicht nach sein sollen. Sie sitzt mir entgegen, auf der anderen Seite; links. Nur noch wenige Stationen bis zum angestrebten Ausstiegspunkt. Es wird Zeit, das Wannenbad zu nehmen, sonst werde ich nicht rechtzeitig fertig. Im Mittelgang des Busses die mit heißem Wasser zur Hälfte gefüllte Badewanne, direkt vor den Füßen der Verbiesterten. Ich gebe einen Schuss kräftiges Schaumbad ‘Typ Fichtennadel’ ins Wasser, steige hinein und entkleide mich. Dabei stehe ich direkt vor der Verbiesterten. Ein unbehagliches Gefühl beschleicht mich, als ich erkenne, dass sie mich ganz aus der Nähe betrachten kann. Dazu noch von unten herab. Meinen Hintern hat sie direkt vor Augen. Und wieder fällt mir ein, was ich immer wieder vergesse: Bald fünf Jahrzehnte alt… dürfte mein Körper entsprechende Spuren aufweisen, die dem Blick aus der Nähe nicht entgehen. Ich spüre ihren Blick in der Poritze, wende mich nun aber ab, setze mich ins Wasser. Herrlich! Diese Wärme, der Duft, die dünne Schaumschicht. Wie es meine durchgekühlten Glieder wärmt! Ich drehe den Wasserhahn auf, um die Wanne volllaufen zu lassen, greife zu einem weiteren Badezusatz: Cremebad ‘Typ Honig-Mandel’. Die reinigende Fichtennadel soll um diese pflegende Komponente erweitert werden, damit das Bad mein Bedürfnis nach Reinigung und Pflege befriedigt. Doch im letzten Augenblick schnappt mir ein kleiner Junge das Fläschchen mit dem Badezusatz weg und trägt es außer Reichweite. Ich spüre die zufriedenen Blicke der Verbiesterten im Rücken – genau so möchte sie es haben! Wäre ja noch schöner, ich bekäme, was ich möchte. Inzwischen habe ich mich aus dem Wasser erhoben, stehe triefend, leicht nach vorn gebeugt und sprachlos vor Wut. Ein Meer von Tränen verdurstet schlagartig in meiner Kehle. Ich ringe um meine Stimme, schiebe sie wie vom Bauch her kommend nach oben und endlich gelingt es mir, den Jungen mit sehr beherrschter Stimme zu ermahnen: „Bring es mir zurück!“ Nö, das sieht er nicht ein. Das Wasser rinnt und perlt die kühler werdenden Haut herunter… „Gib es zurück!!“ Mein Befehlston ist dieses Mal entschlossener und der Junge gibt mir das Fläschchen. Die Reaktion der Verbiesterten entgeht mir. Mir ist egal, was sie über mich denkt. Über mich und meinen herrschenden Tonfall. Zu stark ist das Gefühl der Ohnmacht noch, die Verzweiflung, die erneut meine Stimme erstickt.