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Die Leiche und die Trauer

Traum vom 12. Oktober 2000

Ein Mann ist tot, das ist fast sicher. Wir haben ihn in ein Futteral aus dunkelrotem Kunstleder gesteckt. Auf seiner vorderen Körpermitte verläuft der Reißverschluss des Futterals. Am Kopfende hat das Futteral eine Öffnung durch die man den Kopf des Mannes sehen kann. Wir haben ihn so fertiggemacht für den Transport. Wir müssen uns immer wieder vergewissern, ob er wirklich tot ist, weil er in diesem Etui steckt.

Wir sind unterwegs in einer einsamen Landschaft und nun liegt die Leiche auf der Bahre. Wir haben uns eine ganze Weile nicht darum gekümmert, aber nun soll es weitergehen. Jemand zieht die Bahre und ich gehe hinterher. Ich sehe das Gesicht des Mannes erzittern und denke im ersten Augenblick, dass er lebt. Im gleichen Moment wird mir klar, das dieses Erzittern durch die Erschütterung der Bahre während des Ziehens entstanden ist. Der Leichenkörper hat inzwischen eine wächsern-dunkelgelbe Tönung angenommen, was ganz leicht aufgedunsen wirkt. Außerdem hat die Leichenstarre eingesetzt. Die Hände sind in einer klammernden Haltung erstarrt, und man könnte die Finger nur noch mit brachialer Gewalt auseinander biegen. Das Gesicht ist gelb und die Haare glänzen schwarz und glatt. Er ist um die 30 Jahre alt. Er ist tot. Da erhebt sich plötzlich sein Oberkörper von der Bahre, macht eine halbe Drehung nach rechts und fällt an dieser Stelle wieder in sich zusammen. Er wird ja wohl nicht plötzlich wieder lebendig?! Vielleicht war es ein letztes Aufbäumen und jetzt ist er wirklich tot.
Wir müssen ihn wieder in das Futteral stecken. Das Futteral ist ungewöhnlich lang. Aber der Mann ist ja auch sehr groß, da muss es so sein. Wir schieben ihn in das Futteral.

Ich habe bald einen Auftritt und werde in einem weißen altmodischen langen Kleid mit einer weißen Haube auf dem Kopf etwas vortragen. Ich freue mich so sehr mich darauf und stelle mir bildhaft vor, wie ich meinen Text vortrage.
Nun befinde ich mich in einem Kaufhaus oder so ähnlich. Dort treffe ich auf die verrückte Chefin. Gemeinsam mit Iris gehe ich zu ihr. Die verrückte Chefin starrt Iris an und ihr wird klar: „Die ist es! Sie muss den Text vortragen, denn sie ist wie dafür geschaffen!“ Dass sie das denkt kann ich an ihrem Gesicht ablesen. Eine schmerzhafte Enttäuschung ist in meinem Bauch. Aber okay, wenn sie Iris für geeigneter hält…Es stimmt auch, Iris sieht viel besser aus und ist einen Kopf größer als ich. Auch das weiße Kleid steht ihr viel besser, weil es zu ihr passt.
Nun besticke ich den Ärmelsaum des weißen Kleides mit buntem Stickgarn. Das sieht gut aus. Ich halte den Ärmel hoch und schaue mir das Resultat an. Schön, oberhalb der Stickerei legt sich der Ärmel in gleichmäßige Falten, und wirkt so ein wenig bauschig. Ich stelle fest, dass ich den ersten Ärmel fast fertig umstickt habe. Jetzt muss ich noch den anderen Ärmel fertigstellen. Ich werde nur die Ärmel besticken und nicht auch noch den Halsausschnitt, wie ich erst vorhatte.
Ich habe vor Augen, wie Iris ihren Auftritt hat. Sie macht es gut und sieht so schön aus. Das wirkt total stimmig.
Es schmerzt unsäglich, dass ich so mir nichts dir nichts, ohne ein Wort des Mitgefühls einfach vergessen wurde. Keiner denkt daran, dass ich eigentlich auftreten sollte. Das alles tut so weh, ich fühle mich tief verletzt und ich verlasse das Haus. Fast unbemerkt gehe ich. Jemand fragt dann, aber recht unbeteiligt, was ich vorhabe oder so. Ich sage: „Ich gehe schon, ich weiß auch wohin.“ Aber das weiß ich gar nicht. Tief traurig, mit einem steckengebliebenen Weinen, gehe ich langsam los, ohne dass mich jemand aufhalten würde, was ebenso schmerzt.
Iris Auftritt wird toll. Sie macht es gut. Ich freue mich für sie. Gleichzeitig bin ich tieftraurig.

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