Home » Traumtagebuch » Kakao-Deo

Kakao-Deo

Traum vom 21. Dezember 2010

Geplant war der Abstecher nicht, aber da ich nun schon hier bin … In der kleinen Sonderpostenhalle brennt kein Licht, das Tageslicht wirft graues Licht in die Gänge. Vor großen Kartons zwei Haufen Kinderballerinas. Leider sind keine in Moinas Größe dabei. Auf dem Weg zum Ausgang schaue ich nach rechts in Regale hinein, entdecke eine Zahnbürste mit Griff in Kristallpink. Die Verkäuferin blickt gelangweilt auf und meint, ich solle besser in den Laden um die Ecke gehen – zu meinem Platz – denn dort gäbe es nicht nur Ballerinas, sondern auch diese Zahnbürsten billiger als hier. Ah … okay. Mir ging es allerdings mehr darum, etwas auf die Schnelle zu kaufen und weniger darum, es preiswert zu bekommen.

Natürlich gehe ich nicht zum Laden ums Eck. Gleich ist es 14 Uhr und ich müsste schon längst an meinem Arbeitsplatz sein und mich umkleiden. Als ich meine Schritte beschleunige, bemerke ich erst, dass ich die falschen Schuhe trage: der Absatz ist sehr hoch. Die Riemen sind offen; und die Nylonstrümpfe sind bis hinab zu den Knöcheln gerutscht und werfen dort changierende Wellen. Alles viel zu locker. Aber es fehlt einfach die Zeit, zuvor nach Hause zu gehen.

Ich stürze schnell in das kleine Bad einer Fremden, um Mascara aufzulegen. Doch in der Hektik streift das mit Tusche dick umhüllte Bürstchen meinen Nasenrücken und hinterlässt eine breite Spur. So ein Mist! Ich gebe die Aktion auf, damit ich wenigstens noch die Spur dieses misslungenen Versuches aus meinem Gesicht entfernen kann. Keine Zeit mehr. Muss los. Raus!

Draußen in der Dämmerung geht ein Mann, der sein Pferd an einer Longe mit sich führt. Unsere Wege kreuzen sich und ich bin ihm im Weg. Laut, damit es alle Passanten hören, ruft er aus: „Sie soll gehen! Sie hat von Pferden keine Ahnung!“ — Nee nee, so geht das aber nicht. Mit festem Griff packe ich seinen Oberarm und halte ihn solange schweigend fest, bis er mir ins Gesicht schaut. Sein Blick ist fragend und aufmerksam. Ich erkläre sachlich und freundlich: „So geht das nicht. Ich kenne mich mit Träumen und Astrologie aus. Du auch? Nein? Ich mache mich deswegen nicht in aller Öffentlichkeit über Dich lustig. Das wünsche ich mir auch von Dir. Okay?“ Zögernd und mit nachdenklichem Nicken stimmt er mir zu. „Also, lass mich mal machen und meinen Weg gehen“ füge ich noch an und bin etwas verwundert über die Wärme, die ich in seiner Gegenwart spüre. Ein Gefühl, wie der Ursprung einer Liebe. Da ist etwas Vertrautes … doch ich bin jetzt wirklich in Zeitdruck. Zehn nach zwei. Ich gehe in ein freistehendes Bad am Rande eines Gehsteiges und durchwühle das schmale Schränkchen nach Deo. Dabei betätige ich mit dem Unterarm eine Reihe von Parfumzerstäubern, die unterschiedlichste Düfte verströmen. Wat’n Mief! Ah da … endlich habe ich ein Deo gefunden. Ich nehme das kleine Kakaopäckchen, halte den Strohhalm in die Achselhöhle und drücke leicht, bis sich ein Rinnsal Kakao unter meinem Arm ergießt. Ein Schwarzer kommt des Weges, spricht mich wegen einer Sache an. Dadurch komme ich wieder zur Besinnung und mir wird klar: Ach, das ist ja völlig verkehrt mit dem Kakao. Dann finde ich doch noch einen Magnolien-Deoroller, streiche etwas unter die Arme; aber nicht, ohne mich dafür beim Schwarzen zu entschuldigen. So, nun bin ich notdürftig für den Job gerüstet. Mit der unpassenden Beinkleidung muss ich heute mal leben.