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Wunderkerze und Briefbombe

Traum vom 24. Dezember 2010

Dann komme ich zu mir; werde mir meiner Lage vielleicht erst durch diese Stimme bewusst, die wie von fern aus meinem Handy krächzt: „Marianne!“ Doch ich habe keinen Zugriff, denn das Handy liegt – hübsch in Zeitungspapier verpackt und mit Paketschnur gebunden – zwischen all den anderen kleinen Zeitungspäckchen in dem verschlossenen Paket aus Graupappe. Ich höre es also nur, weiß aber, dass es mein Handy ist, in das ich gestern meine SIM-Card steckte. Weil erst heute Abend Bescherung ist, habe ich kein Handy, denn man hat es mir genommen, um es mir zu schenken. Blöd ist das, denn ich weiß nicht, wo ich bin. Gerne würde ich Mike anrufen, der sicherlich schon auf dem Weg ist, mich abzuholen; um ihn zu fragen, ob er weiß, wo ich bin. Naja, bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Ich lasse mich mit einem Taxi heimbringen, kann aber die Adresse nicht nennen – nicht einen einzigen Anhaltspunkt gibt es.

Längst laufe ich im Quadrat: auf allen Vieren oder in der Hocke oder auf den Knien rutschend. Das Zimmer ist – vom Zentrum abgesehen – mit vielen Turngeräten vollgestellt: Barren, Bock, Pferd, Reck und ähnliches. Ich winde mich zwischen all den Gerätebeinen hindurch, angezogen von einer herzzerreißenden Flötenweise, die mir wie eine nicht zu erreichende klingende Karotte immer eine Nasenlänge voraus ist. Hin und her zwischen den kreuz und quer gestellten Holzbeinen, um nur ja nicht den Anschluss an die schönen Klänge zu verlieren. Zwar bin ich geschickt und wendig, doch es ist anstrengend, sich nicht zwischen all dem Holz zu verkeilen. Ich folge der verlockenden Melodie bis mich eine Sache zur Besinnung bringt und innehalten lässt: Unter einem Gerät stehen eine Wunderkerze und direkt daneben ein gelbes Päckchen im Format einer Videokassette. Ein brisantes Duo: die Wunderkerze ist frisch entzündet und in dem Päckchen höre ich es ticken … das ist der Zünder. Mir ist nicht klar, was ich zu machen habe, denn es gibt mehrere Möglichkeiten. Die naheliegendste wäre, mit der Glut der Wunderkerze das kleine Bömbchen zu zünden. Ich denke, so ist das gedacht. Nur … halte ich das für leichtsinnig, denn ich weiß nichts von der Größe der Sprengkraft. Ja, vielleicht gibt es ein Freudenfeuer. Oder einen zerstörerischen Knall. Vielleicht soll ich auch einfach nur die Wunderkerze an mich nehmen, um mich am Funkensprühen zu erfreuen, ohne Kontakt zum zündenden Päckchen herzustellen? Doch das kommt mir so unlogisch vor! Es muss doch einen Grund haben, dass mir beides zugleich in den Weg gestellt wurde! Ja, vielleicht geht es einfach darum, die Wunderkerze rasch hinauszutragen, damit die Funken nicht auf die Bombe überspringen können?

Der Druck nimmt zu, doch die Wunderkerze hat nur kurze Brenndauer. Was also tun? Oh, ich könnte mir die Wunderkerze mit links vor Augen halten und meinen Blick auf die blitzenden Funken fixieren und dabei ganz beiläufig weiterhin den Flötentönen hinterher kriechen. Doch nein nein … die Briefbombe und die Wunderkerze gehören eindeutig zusammen, oder? Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr scheue ich mich, den Kontakt herzustellen. Ich stehe auf, richte mich auf und erst jetzt wird mir bewusst, dass ich mich die ganze Zeit im alten Kinderzimmer aufhalte. Ein Blick aus dem Fenster: die Älteren kehren vom Einkauf heim; draußen im Dunkel mit dem lichten Schnee. Mein Handy liegt immer noch verpackt im Paket – keine Chance, den Kontakt herzustellen. Aus dem Paket erneut die Stimme: „Marianne … … … melde dich doch mal!“ — Ja, wenn ich könnte!

Eine Antwort zu Wunderkerze und Briefbombe

  1. Gut gefuehrter Blog, gefaellt mir sehr gut. Auch interessante Themen.