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Selbstdarstellung | Chaos

Traum vom 24. Juni 2009

Gleich bei der Ankunft am Arbeitsplatz, beim Blick in meine Tasche, stelle ich fest: Wieder einmal unbewusst unterwegs gewesen und die Hälfte vergessen. Sogar das Wichtigste, mein Servierschürzchen habe ich nicht dabei. Außerdem habe ich meine Haare nicht gekämmt, nicht gebändigt, nicht zusammengebunden; und statt der schwarz-weißen Servicekleider trage ich ein frühlingsgrünes T-Shirt. In der Seitenansicht entdecke ich sogar noch, dass ich zugenommen habe; der Rockbund zieht eine unschöne Taillenfurche, was den runden Bauch um so mehr betont. Womit kann ich einen solchen Zustand entschuldigen?

Ich gehe los. Im Erdhügel ist es brechend voll – vor dem Tresen, hinter dem Tresen. Die rothaarige Russin fordert mich auf, einen kleinen Text über mich verfassen. Eine Selbstdarstellung für andere – kurz, aber aussagekräftig. Sie erzählt, die Kindergartenkinder hätten das diese Tage auch gemacht. Ich solle halt darauf achten, diese Beschreibung in irgendeiner Weise interessant zu gestalten. Nicht so ein Allerweltstext. Vielleicht humorvoll oder witzig selbstkritisch, oder besonders geistreich und wortgewandt.

Oh nee… Ich klage: „Das kann ich nicht!“ Mir ist zum Heulen. So wie immer, wenn ich mit diesem Unvermögen konfrontiert werde. Da ist es doch besser, ich lasse das mit der Selbstdarstellung sein, und antworte: „Ich mache einfach nicht mit.“ „Ach was!“ ruft die Russin aus, „kommen Sie, isch zeige Ihnen!“ Na, mal sehen. Während wir zum Gruppenraum eilen, erzählt sie, dass sie selbst auch eine solche Selbstdarstellung geschrieben habe. Das sei gar nicht schlimm. Ganz einfach! Jaja, so denke ich, wenn man gute Einfälle hat, dann ist das nicht schlimm. Mir fällt aber nichts ein. Katastrophe!! Ich bekomme dann mit, dass die anderen Mitarbeiter die Selbstdarstellung auf die leichte Schulter nehmen. Sie raten mir leichtfertig: „Machen Sie mal!

Im Klassenraum angekommen, wird mir bewusst, dass heute wieder zwei Sonderunterrichtsstunden (Physik?) gegeben werden. Leider fehlte ich beim letzten Mal und habe deshalb die Hausaufgaben nicht gemacht. Total vergessen, mich darum zu kümmern. Ich setze mich auf meinen Platz, frage meinen Tischnachbarn zur Rechten, ob er mir zeigen kann, welche Hausaufgaben gestellt wurden, damit ich mich wenigstens jetzt darauf vorbereiten kann. Doch er sagt, er würde es mir an und für sich gerne zeigen, aber wir sollen es ja selbst machen. Okay, dann geh ich mal los und schaue, ob ich meine Hausaufgaben hier im Gebäude irgendwo finden kann.

Ich sitze an einem Schreibtisch, der übermäßig mit Arbeitsmaterial bedeckt ist. Schön ist die Reihe von Fenstern vor mir. Freundliches Tageslicht fällt auf den Schreibplatz. Ich sitze vor der Tastatur und stelle betroffen fest, dass ich eine Zigarette rauche. Oh Gott, oh nee! Das wollte ich nicht! Niemand soll das sehen und ich drücke die Zigarette schnell in dem Teebeutelschälchen aus. Stelle erst zu spät fest, dass ich dadurch weitere, in dem Schälchen liegende Kippen mit entzündet habe. Es qualmt und stinkt. Furchtbar! Hektisch greife ich nach einem Blatt Papier und decke die Räucherei ab. Muss aber feststellen, dass sich die Rauchentwicklung dadurch noch verstärkt. Ach ja, eigentlich logisch. Dann endlich greife ich eine durchsichtige Kappe, die darüber passt und den ganzen Zunder erstickt. Uff.

Dann soll ich etwas besorgen, was in diesem großen Gebäude zu finden ist. Ich eile durch verschiedene Räume und Treppen hinauf und hinab. Irgendwann finde ich mich in einer der höheren Etagen wieder und habe ansonsten völlig die Orientierung verloren. Die nächsten Schritte führen mich zu einem tiefen Schacht aus Bücherwänden. Ich stürze hinunter, mindestens drei Etagen tiefer bis zum Erdgeschoss. Ehe sich Angst ausbreiten kann, lande ich schon mit federnden Beinen. Zwar gibt es einen unangenehmen Stoß in Fuß- und Kniegelenken, aber das ist nicht schlimm. Uff.

Da ich immer noch nicht weiß, wie ich zurückfinde, nehme ich telepathischen Kontakt mit Da Vinci auf und klage, leicht schluchzend, mit trockenen Tränen in der Stimme: „Ich finde nicht mehr zurück!“
Ich kann nicht weinen, weil ich gar nicht wusste, dass mir zum Heulen zumute ist. Gut aber, dass mir zum Heulen zumute ist, denn dann kann ich endlich weinen. Ich weiß nicht weiter, ich kenne mich nicht aus.

Nachdem ich dies Da Vinci mitgeteilt habe, mache ich einige Schritte aus dem Schachtbereich heraus, öffne die somit erreichte Tür, trete hindurch und gelange direkt in den Korridor, wo ich Da Vinci vorhin sah; also dorthin, wohin ich die ganze Zeit wollte. Wie peinlich… Am liebsten wäre mir, es sähe niemand, dass ich schon angekommen bin. Denn dann ist ja ganz klar zu erkennen, dass ich gerade eben zu blöd war, zu erkennen, wo ich mich befinde. Und eben zu blöd zu erkennen, dass ich längst angekommen bin – also nur noch wenige Schritte fehlen. Auf der anderen Seite ist es natürlich gut, dass ich angekommen bin, denn jetzt muss ich den Weg nicht mehr suchen. Das ist doch echt zum Heulen alles!

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