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Besuch von freud’scher Psychologin

Traum vom 21. Juni 2009

Die freundliche Psychologin vom Sigmund-Freud-Institut, mit der ich mich vor einiger Zeit so nett unterhalten habe, kommt auf meine Einladung hin zu Besuch über das Wochenende. Sie hält eine Reihe von Vorträgen. Ich habe einige Bekannte – überwiegend Frauen – dazu eingeladen. Diese sitzen nun rund um die zu einem Blog Block zusammengerückten Tische und hören interessiert zu.

Ursprünglich hatte natürlich auch ich den Vorträgen lauschen wollen, doch wegen des Besuchs bin ich sehr beschäftigt; ich bewirte alle mit Essen und Getränken, was auch einiger Vorbereitungen zwischendurch bedarf. Zusätzlich braucht meine kleine Tochter immer wieder Aufmerksamkeit. Als ich endlich Zeit finde, ist der Vortrag weit fortgeschritten und nach einem Moment des Zuhörens stelle ich fest: Ich kann nicht erfassen, worüber die Psychologin gerade spricht. Etwas enttäuscht glaube ich, nicht mehr reinfinden zu können, stehe auf und kümmere mich weiter um Arbeiten im Haushalt.

Später ärgere ich mich darüber. Man kommt schließlich immer rein! Vielleicht muss man etwas länger zuhören, aber irgendwann schnackelt es doch. Was für ein Blödsinn zu glauben, der Zug sei abgefahren. Nun ist es allerdings zu spät. Der Vortrag ist zu Ende. Die Psychologin tritt zu mir, spricht mich auf eines der Bilder an, die ich – nicht weit vom Blocktisch entfernt – einfach so, als nacktes Papier, ohne Rahmen oder Halter, an die Wand geheftet habe. Ich erkläre: „Es sind Traumbilder, die ich für mich auf diese Weise festgehalten habe.“
Sie betrachtet das Bild offenbar wie durch die Augen einer Kunstkennerin und das stört mich, weil ich natürlich denke, dass dann ein hoher Anspruch damit einhergeht, dem diese einfachen Bilder nicht gerecht werden können. Ja, noch nicht einmal gerecht werden wollen. Sie fragt: „Welche Maltechnik?“ „Es gibt keine Maltechnik! Schauen Sie.“ Ich deute auf einige Bilder und erkläre jeweils: „Für dieses Bild nahm ich Tusche, dort Wasserfarben, dieses hier malte ich mit Kreide, und das da mit Aquarellstiften.“ Eigentlich halte ich es für offensichtlich, dass meine Traumbilder keinen künstlerischen Anspruch stellen. Einige sind ja wirklich nur dahin gepinselt. Doch die Psychologin betrachtet die Bilder sehr eingehend und fragt erneut: „Welche Technik?“
„Nein, keine Technik! Sehen Sie, für das Bild (es ist in groben roten und grünen Strichen gemalt) nahm ich Aquarellstifte. Ich hatte vor, es anschließend mit Wasser zu bearbeiten, bin aber nicht mehr dazu gekommen, weil ich ein nächstes Traumbild malte.“

Wie ich aus diesem Anlass nun meine Traumbilder betrachte, finde ich es fast peinlich, dass sie hier im Raum hängen, wo ein jeder meiner Besucher sie betrachten kann. Es sind ja wirklich nur einfache Entwürfe. Vielleicht sollte man so etwas doch eher in der Schublade verwahren. Die Psychologin fragt erneut, nach wie vor freundlich und interessiert: „Welche Technik?“ Die Ungeduld zurückhaltend, mit etwas Verzweiflung in der Brust, antworte ich: „Traumbilder! Es sind Bilder meiner Träume, die ich einfach nur aufs Papier bringe – nichts weiter!“

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