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Scharfe Hinterlassenschaft des geliebten Seefahrers

Traum vom 20. Juni 2009

Das Erdgeschoss liegt etwa einen halben Meter tief im Untergrund versenkt. Der Fußboden besteht aus grauen Gehwegplatten. In den Ritzen wächst hohes Unkraut und reichlich Pflücksalat. Wir – die unbekannte Frau an meiner Seite und ich – könnten bei Gelegenheit dem üppigen Wuchs mit einem großen Messer zu Leibe rücken, um hier wieder Struktur (ein klar sichtbares Gitternetz der Bodenfläche) und Ordnung hereinzubringen.

Eine Ebene höher lebt die Hausherrin, eine Mittvierzigerin mit langen glatten, schwarz glänzenden Haaren und ausdrucksstarken dunklen Augen. Seit wenigen Jahren lebt sie allein hier – ihren Mann, den Seefahrer, gibt es nicht mehr. Die Frau an meiner Seite weiß viel über dieses Haus und die darin verwahrten Gegenstände. Sie erzählt davon, und ich finde es sehr interessant. Gerne wüsste ich mehr über die großen Messer, die sie nur beiläufig erwähnt. Ich würde sie gerne mal betrachten! Doch die Frau an meiner Seite ermöglicht das nicht. Vielleicht hätte ich ganz konkret darum bitten müssen.

Wir gehen in den nordöstlichen Bereich des Hauses hinüber. Die Räume liegen dabei, fast unmerklich, mehr und mehr im Licht. Hier hält sich auch gerade die Hausherrin auf. Sie liegt am Boden und möchte gerne, dass ich es ihr mit der Hand besorge. Ihr Bedürfnis kann ich gut nachempfinden, spüre ich es doch wie mein eigenes. Nur verspüre ich überhaupt keine Lust, bei ihr Hand anzulegen. Das hat nichts mit ihr zu tun, sondern begründet sich durch meine eigene Unlust. Direkt hinter ihrem Kopf steht eine weiß gestrichene Holztruhe. Das Seitenteil der Truhe, das zu ihrem Kopf hin weist, ist offen und die Hausherrin zieht eines der großen Messer heraus. Es ist altgolden mit einem auffälligen Griff: zwei Reihen fingernagelgroße Metallplättchen, aneinander geschweißt, von einem eher zierlich wirkenden Rahmen gehalten. Die Klinge ist breit. Dieses Messer reicht sie mir. Sie wünscht, dass ich ihr mit der flachen Seite der Klinge den Hintern versohle. So, wie es einst ihr geliebter Seefahrer immer tat. Doch auch hierbei verspüre ich keine Lust, ihr die ersehnte Befriedigung zu verschaffen, denn ich selbst habe dieses Bedürfnis nicht.

Ich lasse sie wissen, wie sehr mich diese Messer interessieren. Daraufhin zieht sie eines nach dem anderen aus der Truhe, die randvoll damit bestückt ist – eigentlich sind es keine Messer, sondern Schwerter. Jedes Messer ist sehenswert, alle sind liebevoll gestaltet, einige haben eine Parierstange, andere wieder nicht; keines gleicht dem anderen. Sie sind in etwa alle gleich lang, die Klingen kräftig; faszinierend die Vielfalt. Im Laufe der Jahre hatte der Seefahrer diese Messer aus aller Herren Länder mitgebracht. Diese betrachten und darüber sprechen zu dürfen, erlebe ich als große Bereicherung – ich bin still vor Begeisterung.

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