Abgedreht

Traum vom 26. Dezember 2010
[Januar]

Zwar war mir schon eine Weile halb bewusst aufgefallen, dass das hohe Fenster im Treppenhaus weniger Licht als gewöhnlich durch die weit offene Wohnungstür fallen lässt, machte mir aber keine weiteren Gedanken – ein trüber und kurzer Wintertag; da erwartet man keine Lichtfluten. Dennoch störte es mich unterschwellig und ich lief in der Wohnung hin und her, ohne zu wissen, was mich umtreibt.

Erst als Mike die Wohnung verlässt und die Treppe bis hinab zum Fenster geht, schaue ich dort hin. O jeee! Das wie in einer Momentaufnahme erstarrte Gesicht seines Vaters (nicht wirklich): kreidebleich, spannungslos, ein Auge in seiner Höhle wild verdreht. Sein Anblick klebt von der Außenseite am Fenster. Dabei stützt er sich nur mit den Unterarmen auf dem Sims ab. Eine kleine lösende Bewegung und er stürzt aus dem zweiten Stock hinab auf das Pflaster. Mike versucht ihn reinzuholen. Erfolglos. So kehrt Mike zurück und wendet sich anderen Dingen zu. Mir aber lässt es keine Ruhe. Immer, wenn ich an der offenen Tür vorbei gehe, bemerke ich den dort harrenden Vater, der meine Hilfe braucht. Ich kann da nichts unterlassen! Aufgeregt sage ich zu Mike, ich wolle die Polizei rufen: „112 oder? Ach nein, 110 … oder?“ Doch das möchten weder Mike noch der Väterliche. Dann muss ich die Polizei rufen, wenn der Vater mich gerade nicht durch die offenen Tür sehen kann, damit er nicht in plötzlicher Panik loslässt. Fühle mich aber auch außerhalb seines Sichtbereichs noch unangenehm beobachtet. Doch Mike meint, das sei alles nicht nötig. — Nicht nötig? Inzwischen hat mich eine solch starke Beunruhigung erfasst, dass ich mich keiner anderen Sache mehr zuwenden kann, ehe die Gefahr gebannt ist. Den Hörer halte ich in der Hand, verstecke ihn, als ich an der Tür vorbeilaufe und sich wiederholt sein unveränderter Anblick aufdrängt. Seine wirr verdrehten Augen und diese wächserne Blässe … der Anblick wird immer unerträglicher. Und damit bin ich zum Handeln aufgefordert.

Traumpfad:
Nun ist mir eingefallen, woran mich der Anblick erinnert: