Home » Rauhnächte, Traumtagebuch » Leuchtturm in der Kehre

Leuchtturm in der Kehre

Traum vom 27. Dezember 2010
[Februar]

Aufbruch. Im dunklen Hinterzimmer beginnen alle Mütter zu packen. Zu einer von ihnen – sie ist die Mutter einer Musikschülerin – sage ich traurig: „Ich denke immer, alle Mütter sind perfekt, nur ich nicht.“ Sie schaut mich erstaunt aber verständnisvoll an. Wir packen weiter, von vielen Kindern umwuselt.

Draußen treffe ich auf Heiko von N-Helgoland. Er lenkt den Reisebus. Kurz vor der Abfahrt steigt er noch in den Fond des Pkw, um mich in die Arme zu schließen. Ich sage, wie schön das für mich ist. Doch er wird bald unruhig, schließlich muss er noch den Bus zum Ziel lenken. Das verstehe ich. Und während er aussteigt, setzt sich seine Frau zu mir auf die Rückbank. Dunkle Haare, blasse Haut, vor allem ihre Augen sind stark geschminkt. Auf meine Begrüßung reagiert sie freundlich, aber sehr kühl.

Der Bus setzt sich mit uns in Bewegung. Wir fahren vom höchsten Punkt des Berges los. Gleich an der ersten Spitzkehre kommt der Bus ins Schleudern – alle Frauen und Kinder werden durch den Bus gewirbelt. Der Bus kann die Fahrt nicht fortsetzen und ich beschließe, mich zu Fuß auf den Weg zu machen. Da bemerke ich auch all die roten Klinkersteine, die ein Lkw an dieser Stelle verloren hat, und die die Ursache für diesen Unfall waren. Ich sah sie, so erinnere ich mich jetzt, bereits auf der Hinfahrt. Doch da war es die Gegenfahrbahn und somit für uns ohne Bedeutung. Wir hätten uns jetzt daran erinnern müssen, dann wäre der Unfall vermeidbar gewesen. Eine ganz gefährliche Ecke, da das Hindernis erst ins Auge fällt, wenn es zu spät ist. Direkt in der Kurve, am Rande der Klinkersteine, sitzen zwei biedere Frauen. Vor ihnen stehen rote Kerzen mit brennenden Lichtern. Beide halten sich den ‘Leuchtturm’ vor die Brust und bieten demütig Licht und Glaube feil. Die Armseligkeit bekommt etwas Feierliches. Ich setze meinen Weg fort, lasse auch diese Frauen hinter mir. Es ist dunkel, die Serpentinen von Bäumen gesäumt, die hoch und stark zum Himmel streben.