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Der Käpt’n und die Untersuchung

Traum vom 27. Dezember 2010
[Februar]

Ein Telefonat mit dem Käpt’n. Durch das Telefon mit ihm verbunden gewinne ich einen kleinen Einblick: Axel G. sitzt beim Käpt’n am Tisch; er ist wegen eines Buches gekommen. Mir behagt es gar nicht, dass Axel einen Vertrag mit dem Käpt’n machen will. Es liegt mir nichts daran, dass die Menschen in meinem Leben einen zuvor nicht vorhandenen Kontakt untereinander eingehen – lieber habe ich von einander unabhängige „Spielfelder“. Naja. Das Telefonat mit dem Käpt’n bleibt allerdings aus anderen Gründen unbefriedigend: er spricht viel, ohne jedoch Substanzielles zu sagen. Schade.

Dann eine rasante Fahrt von Grasberg in Richtung Worpswede. Ein Mann zieht mich auf einem Anhänger mit. Der Anhänger schlingert und hüpft wild. Ich sitze ohne Gurt, trage keinen Helm, bin völlig ungesichert. Das wird mir erst jetzt, kurz vor dem Ziel, eindringlich bewusst. Eine zufällige Kontrolle und es gibt ‘ne Menge Ärger. Doch schon biegen wir nach Adolphsdorf oder Otterstein ab; an dieser Straße liegt unser Ziel.

Dort im Finnenhaus der Geweyhten. Ich treffe auf den Käpt’n, der soeben Axel G. empfängt. Wieder plaudern wir, aber es bleibt bei aller Herzlichkeit ohne echte Zuwendung. Doch das findet mehr im Hintergrund statt; mich beschäftigt eine ganz andere Sache: eine in regelmäßigen Abständen wiederholte Kontrolluntersuchung steht an. Ich entkleide mich. Zwei Krankenschwestern leiten die Untersuchungen mit der Blutabnahme ein. Jetzt muss ich es also beichten: „Ich bin dann gar nicht mehr zu den Kontrollen gegangen … die letzte liegt schon länger zurück …“ — „Das haben wir auch gerade gesehen“ erwidert die Schwester, die das Blut untersucht und meint: „Na, dann mal los jetzt!“ Während die Schwestern die Untersuchungsliege mit mir zum Fenster hin drehen, ziehe ich das Frotteetuch, das die Flüssigkeiten aufgefangen hat, zwischen meinen gespreizten Schenkeln hervor. Obwohl es großflächig mit Blut durchtränkt ist, tritt der Käpt’n herbei, ohne auch nur den leisesten Anflug von Ekel zu zeigen. Er wendet sich nicht ab. Die Schwestern sprechen aus, was ich ebenfalls gerade wahrnehme: „Es riecht sehr stark nach Blut (metallisch).“ Der Käpt’n wendet sich zum Fenster – ich sehe sein Gesicht als Spiegelung im Fensterglas vor dem Hintergrund des dämmernden Abendhimmels. Seine Gedanken fern … Wieder sagt er kein persönliches Wort zu mir; doch dieses Mal bin ich ihm dafür dankbar. Wortlos zu bleiben, das ist mehr als ich von ihm erwarten würde.

Ich muss dringend los, die versäumten Behandlungen im Krankenhaus nachholen. Die Korridore sind voller Patientinnen, die Termine zum Turnen oder Untersuchungen wahrnehmen wollen. Alle Räume sind belegt. Keine Chance das Versäumte rasch nachzuholen. Also zurück zum Finnenhaus. Die Krankenschwester nimmt mich in Empfang, fordert mich gleich zum Hinlegen auf. Und ehe ich überhaupt die Situation erkenne und etwas dagegen einwenden kann, piekst sie mit einer Injektionsnadel mehrfach in den Knorpel an meinem linken Nasenloch. Sofort spüre ich die narkotisierende Wirkung: dieses unangenehme Prizzeln im Bewusstsein mit dem leisen Druck in den Stirnhöhlen. Der Käpt’n steht noch immer am Fenster, direkt neben mir – auch wenn er sich mir nicht zuwendet, so beruhigt mich seine Nähe. — Blackout. —

Noch gar nicht ganz wieder bei Bewusstsein, zeigen mir die Schwestern bereits Makroaufnahmen aus meinem Unterleib. Es sind so hochauflösende Aufnahmen, dass der Eindruck entsteht, ich blicke direkt in meinen Unterleib. Vor schwarzem Hintergrund wächst ein winziger Kolben dem Blick entgegen. Er ist mit winzigzarten, goldgelben Perlen überzogen – wie ein Miniaturmaiskolben. Vielleicht ein Teil meines Eierstocks. Und sie rufen mir erleichtert zu: „Alles in Ordnung! Hören Sie: es ist alles in Ordnung!!“ Die gute Botschaft dringt zu mir durch. Und damit gelangt nun auch das damit einhergehende Gefühl der Erleichterung in mein Bewusstsein.

Später – im Sprechzimmer der Frauenärztin, die links von mir hantiert, ohne wirklich ansprechbar zu sein. Rechts von mir Wilma. „Doch doch“ sage ich zu ihr „es ist wirklich wahr! Sie (die Frauenärztin) projiziert in schneller Folge unzählige Mösenbilder an die Wand!“ Ich bin unsicher, ob ich wirklich ‘Möse’ sagen soll oder ob ich nicht lieber ein anderes Wort … aber mir fällt so rasch keines ein. Es sind ja Mösen. Sehr viele sogar. Und die Bilder wechseln so schnell, dass nicht eine einzige wirklich zu betrachten wäre. Doch Wilma mag es immer noch nicht glauben.