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Der Bücherfall und Silvesterball

Traum vom 29. Dezember 2010
[April]

Ich stöbere in einer kleinen Buchhandlung, habe über das Blättern und Lesen völlig die Zeit vergessen. Erst als zwei Männer hinzu kommen, finde ich zurück in die Gegenwart. Einer der Männer – er trägt Geschäftskleidung – sucht mit hastigen Bewegungen einige Bücher aus den Regalen. Dabei reißt er mit dem Ärmel seines Jacketts einige Bücher zu Boden. Mit übellaunigem Aufstöhnen bückt er sich, um sie wieder einzusammeln. Ich helfe dabei, sortiere die Bücher wieder ein. Ein Buch über Ernährung – ich glaubte vorhin zu bemerken, er habe sich dafür entschieden – gebe ich ihm mit der Bemerkung „Das wollen Sie behalten, oder?“ zurück. Er grummelt unzufrieden „Ja.“ Noch ehe er reagiert, ärgere ich mich bereits, etwas gesagt zu haben. Vielleicht ist es ihm unangenehm, dass jemand weiß, welches Thema ihn interessiert, und ich posaune es ihm entgegen. Wie unangenehm. Kann ich nicht einfach meine Klappe halten? Etwas verunsichert versuche ich, die Situation zu entspannen. Außerdem fällt mir ein, dass mir wenige Minuten vor seinem Eintreffen ein Buch aus der Hand gefallen war. Eine bemerkenswerte Häufung, überlege ich eher unernst, und sage so: „Na, hier fallen heute die Bücher … das ist wohl eine Energie, die … äh …“ Mich nervt mein eigenes Geplapper und sage lieber gar nichts mehr.

Später am Tag; an einem Ort um die Ecke nahe der Buchhandlung. In einem gediegenen Speiselokal – ‘Landhaus’ – trete ich meine letzten Stunden als Serviererin an. Weil es mein letzter Tag ist, teilte man mir gar nicht erst ein Revier zu und ich verbringe die Zeit lesend in einem abgelegenen Bereich des Hauses. Seit Stunden schon. Doch eine zunehmende Spannung im Haus lässt mich von meinen Büchern aufmerken … ein großes Ereignis – vielleicht der Silvesterball – beginnt. Ich gehe mal rüber zum Saal.

Im Thekenbereich, am Rande des Saales, treffe ich den smarten Geschäftsführer, der wegen der bevorstehenden Feier – für deren Gelingen er verantwortlich ist – recht aufgedreht ist. Beflissen wie immer wuselt er umher und checkt ob alles läuft. Der große Saal ist dicht mit Menschen gefüllt, die an langen Essen auf das festliche Mahl warten. Ich will sehen, ob ich helfen kann, gehe in die Masse hinein und blicke von dort zur Außenwand; festliche Beleuchtung, die noch an Weihnachten erinnert: eine große Nische, erfüllt mit nachtblauem Licht und einer Reihe von nachtblau funkelnden Kugeln. Darunter eine weitere Nische mit weihnachtsrot schimmernden Kugeln; auch dort passend eine warmrote Beleuchtung. Welch ein Leuchten im Dunkel, welch eine stille Tiefe am Rande der aufkeimenden Ausgelassenheit. Während ich für Sekunden mit der Aufmerksamkeit in dieses stille Farbleuchten eintauche, kommen mir Kindertage in den Sinn, ohne Ereignisse zu erinnern … aber nun ist keine Zeit zum Nachdenken und -spüren. Der Geschäftsführer murmelt beunruhigt etwas, das ich nicht verstehe und ich antworte: „Ja, da kann ich natürlich trotzdem mit anpacken.“

An der Essensausgabe wartet das Essen in dampfenden Schüsseln. Das einzige Problem für mich ist, dass ich nicht weiß, welche Speisen an welche Tische gehören. Doch da tauchen zwei Serviererinnen auf. Eine sehe ich genauer: eine junge Frau mit dunklem Pferdeschwanz; eine pfiffige Erscheinung, die ganz bestimmt den Überblick hat und trotz ihrer Schnelligkeit immer die Ruhe behält. Na, dann wird das erledigt. Ich schlängele mich wieder zwischen die Tische zu den Gästen; will schauen, ob noch jemand Getränke nachbestellen möchte … Da, ein Mann, er gibt Zeichen. Neben mir der Geschäftsführer, der zwei leere Biergläser vom Tisch nimmt – Klirren, Stimmengewirr, Ausgelassenheit. Ich verstehe nur so viel: Der Mann möchte noch ein Glas Wein. „Möchten Sie Rot- oder Weißwein?“ — „Ich habe es gesagt“ antwortet er missmutig, erhebt sich und kommt zu mir her. Ich sage: „Tut mir leid, es ist so laut, ich habe das nicht gehört.“ — Er mustert mich kritisch und meint dann herablassend: „Sie wissen wohl nicht, wie es hier früher war?“ — Ich verstehe ihn so, dass er damit sagen möchte, das Personal sei früher aufmerksamer und geschulter gewesen. Ich erkläre: „Ich habe hier erst vor vier oder fünf Jahren angefangen und mich auf die mir gestellten Anforderungen eingestellt. Während wir beisammen stehen, changiert der Mann zu einer Frau gleichen Alters (Seniorin). Sie zieht ihre braun karierte Wolljacke aus, ich nehme ihr diese beiläufig ab, um sie an die Garderobe zu hängen. Die Haken befinden sich am Hauptgang. Es könnte leicht geschehen, dass jemand im Vorbeigehen ihre Jacke mitgehen lässt. Am liebsten würde ich sie fragen, ob ich die Jacke lieber an einen etwas geschützter angebrachten Haken hängen soll. Doch womöglich bekomme ich dann wieder so einen Dämpfer verpasst. Ich gebe mir einen Ruck und hänge die Jacke an den erstbesten Garderobenhaken. Mit einem unguten Gefühl zwar, aber mir wird das alles lästig hier.

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