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Schulung für Skills mit Ukulele und Kundalini

Traum vom 30. Dezember 2010
[Mai]

Die erste Station liegt hinter mir, und langsam verstehe ich: Freundlicherweise bekam ich einen Vorbereitungskurs geschenkt; vielleicht habe ich diesen auch gewonnen. Während des heutigen Tages geht es darum, meine Skills herauszuarbeiten und zu verfeinern, oder überhaupt erst einmal zu entwickeln. Die Ärztin, die die erste Tagesstation betreut, gibt mir noch einen freundlichen Tipp mit auf dem Weg: „Legen Sie ihre Zungenspitze beim Sprechen leicht von innen gegen die oberen Vorderzähne!“ — Ah … ok … Ich bin schon auf dem Gang, da ergänzt sie: „Und denken Sie daran, beim Sprechen die Zunge so tief und sanft wie möglich in den Unterkiefer zu drücken!“ — Ich probiere es gleich mal aus; stelle mir aber nur vor, dabei zu sprechen … Ah … okay … Nachdenklich eile ich zur nächsten Kurseinheit. Das ist ja echt toll, dass hier sogar auf individuelle Besonderheiten der Kiefer Rücksicht genommen wird und man Tipps bekommt, wie man bei Gesprächen einen wirklich guten Eindruck macht. Der Tipp ist mir auch neu – klasse.

Vor der Tür zum nächsten Kurs erklärt man mir, ich müsse noch warten bis der Lehrer mich abholen komme. Ah, da kommt er schon! „Hallo!“ Ein sanfter Typ von eher kleiner Statur – weiche, helle Gesichtshaut, seine Ausstrahlung ist spirituell, ohne dass er sich darum bemühte.Vielleicht ist es ihm nicht mal bewusst. Er reicht mir einen Pappteller, streut eine Handvoll aus Tonpapier ausgeschnittene Halbmonde darauf, die mit Buntstift bemalt Melonenspalten darstellen. Darüber legt er eine Menschenfigur aus Tonpapier; ein Marienkäfer, der seine Flügel halb zum Flug geöffnet hat und noch andere Kleinteile – sämtlich aus Tonpapier geschnitten und mit Buntstift bemalt. Eine ganze Sammlung entsteht auf der runden Pappe. Am Ende habe ich tatsächlich das Gefühl, die Sammlung ist komplett – alles da zur Ganzheit. Das ist die Test- und Arbeitsgrundlage für diesen Kurs. Insgeheim hoffe ich, hinterher alles behalten zu dürfen. Was die Inhalte des Kurses anbelangt, läuft alles geheim ab – ich kann mich an keine weiteren Details erinnern. Am Ende verabschiedet sich der Kursleiter mit dem Hinweis, dass wir uns später noch sehen würden.

Einen weiteren Korridor entlang. Da ist die nächste Station. Mir fällt die Unruhe und das leichte Durcheinander im Schulgebäude auf; es irritiert mich ein wenig, verunsichert mich. Kinder laufen die Korridore entlang. Große Pause. Ob das dort wirklich der Kursraum ist, den ich als nächstes aufsuchen muss? Eine Lehrerin legt mir im Vorbeigehen kurz eine Hand auf die Schulter und meint freundlich: „Sie konnten die Kurstermine so legen, dass sie ihre Tochter im Anschluss gleich mitnehmen können?! Wirklich praktisch, dass diese Möglichkeit geboten wird!“ — „Ja! Das stimmt!“ Allerdings bin ich nicht sicher, ob das wirklich hinhaut. Noch warte ich auf die nächste „Probe“.

Dann liegen alle Stationen hinter mir. Eine Dozentin findet sich ein, um sich mit einer herzlichen Umarmung von mir zu verabschieden. Weitere kommen hinzu, geben gute Wünsche mit auf den Weg. Auch der sanfte Kursleiter kommt hinzu, setzt zur Umarmung an und ich will zum „Küsschen hier, Küsschen da“ ansetzen, doch mein hochgeschlagener Jackenkragen stellt sich in den Weg und – mich irritiert, dass er mindestens einen Kopf kleiner ist als ich; warum denn das? Wie kann das sein? – die Küsschen gelangen nicht bis zur Wange des Empfängers. Ich recke mein Kinn, versuche den Kragen nach unten zu drängen, wackele mit dem Kopf, um den störenden Stoffwulst abzuschütteln … wodurch die ganze Sache viel mehr in den Mittelpunkt gerückt wird, als ihr zusteht. Ich könnte es nun einfach auf sich beruhen lassen, aber da ich offenkundig darum bemüht bin kann ich es nicht unterbrechen, und es ist längst peinlich. Mit der Hand reiße ich schließlich den Kragen beiseite und lege meinen Kopf ganz vorsichtig in die Halsbeuge des Kursleiters, entspanne mich dadurch wie von allein und mit einem Male stimmt auch seine Größe.

Nach all diesen Verabschiedungen bin ich aufgefordert, noch eine alles abschließende Aufgabe zu erfüllen. Ein Bonus quasi, der mir einfach Freude bereiten soll. In dem kleinen Klassenzimmer liegt eine Ukulele auf dem Lehrertisch. Als der softe Kursleiter hinzukommt, habe ich die Ukulele längst genommen und die Finger angesetzt. Doch er zeigt mir den richtigen Griff und ich lasse ihn gewähren, auch wenn ich ihn am liebsten ungeduldig unterbräche, weil ich doch längst Bescheid weiß. Eine leichte Unzufriedenheit entsteht, die aber nicht ins Bewusstsein dringt: die Saiten der Ukulele sind etwas zu dick und zu weich; auch zu lasch. Der Kursleiter verdreht auf halber Höhe des Halses die Saiten umeinander; an diesem Punkt sollen Zeige- und Mittelfinger greifen. D und E. Diese fehlende Spannung macht mich ganz wuschig! Auch bleiben meine Finger in den geradezu haltlosen Saiten hängen, so locker ist alles. Es gibt kein Nachklingen – ach ach, das ist wirklich nicht spannend, nein. Offenbar geht es aber nicht um etwas Spannendes, sondern viel mehr darum, die richtigen Griffe zu erlernen. Der Kursleiter nickt jedenfalls zufrieden. Anschließend gibt es noch eine Indianertrommel. Sie wird mit großen, überwiegend nachtblauen Konfettiplättchen gefüllt, ehe ich zu trommeln beginne. Kraftvoll.

Sooo, das wäre also auch gelaufen. Da ich noch etwas Zeit habe, werfe ich einen Blick in einen anderen Kursraum. Dort sitzt eine kleine Gruppe am Boden; kann sein, nur männliche Teilnehmer. Unter ihnen auch der softe Kursleiter! Ich freue mich über das rasche Wiedersehen. Ohne ein Wort zu sagen – ich will nicht unterbrechen – setze ich mich möglichst unauffällig dazwischen, beobachte den Meditationslehrer, um rasch zu lernen. Kundalini-Yoga. Der Meditationslehrer ist blond, wirkt etwas urig, was womöglich an den weichen Boots aus Lammfell liegen mag, die seine Füße bis hinauf zu den Waden ganz locker ummanteln. Mit kehliger Stimme – spontan muss ich an einen sibirischen Schamanen denken – gibt er kurze Erklärungen. Seine Lammfellstiefel sind so locker, seine Hose so weit, dass ich seine Beinpositionen kaum erkennen kann. Ich gebe mein Bestes, der softe Kursleiter müht sich auch, es mir vorzumachen, aber schon bald schaut der Meditationslehrer ungeduldig zu mir her und es gibt eine ungeduldige Belehrung: „ Die Knöchel zusammen!!“ — Ach so … ja … ich verschränke die Beine also auf Höhe der Knöchel, achte darauf, dass die Knöchel einander berühren, obwohl das etwas unangenehm ist. Ziemlich ungemütlicher Schneidersitz, aber was macht man nicht alles für die Entwicklung. Klar, ich mache es bestimmt nicht richtig, denn ich spüre: nichts! Die Kundalini regt sich kein bisschen. Ein sonderbares Erlebnis ist es aber mit diesem urigen Typen. Auch die anderen Männer sind etwas ungewöhnlich. Alles in allem halt eine interessante Session. Yo.

Im Anschluss daran bleibt immer noch etwas Zeit. Ich schlendere Richtung Ausgang und bemerke in der Eingangshalle die kleine Ausstellung einer zurückhaltenden Kunsthandwerkerin. Das meiste ist abgeräumt oder verkauft. Aber ein paar interessante Kleinigkeiten entdecke ich. Ein Körbchen enthält viele kleine blaue Edelsteine. Dazwischen liegen einige Ohrstecker: Marienkäfern nachempfunden; dunkelbraun mit cremeweiß emaillierten Flügeln, die zum Abflug bereits halb geöffnet sind. O … sind d i e schön … Die Kunsthandwerkerin hat mir längst mitgeteilt, ich dürfe mir ein Teil als Geschenk nehmen. Erst nach Minuten begreife ich die tiefere Bedeutung: ich habe ja alle Kurse erfolgreich abgeschlossen. Ja, darüber freue ich mich. Eigentlich mag ich emaillierte Ohrstecker nicht so, aber dieser Käfer … Ob ich mir so einen nehmen soll? Ich bin so begeistert von der Schönheit, dass ich zur Kunsthandwerkerin laufe, um ihr das mitzuteilen. Sie lacht vergnügt und rät: „Schnell! Nehmen Sie sich einen, ehe alle weg sind!“ Ich drehe mich um, eine Frau kreuzt meinen Weg, greift ins Körbchen, nimmt kurzentschlossen den letzten Käfer an sich und ist wieder verschwunden. Ich schaue ins Körbchen … Tatsächlich, es war der letzte. Vor lauter Hilflosigkeit angesichts dieser Situation hebe ich kurz die Hände, dann bricht sich ein leises aber aus tiefsten Tiefen kommendes Kinderweinen Bahn und ich renne tränenüberströmt aus dem Gebäude.

Eine Antwort zu Schulung für Skills mit Ukulele und Kundalini

  1. [...] Da war schon mal so ein stoffliches „Verhängnis“ mit dem Kursleiter: Traum vom 30. Dezember 2010 Ähnliche [...]