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Die Ölfrau

Traum vom 17. Juni 2009

Ganz früh am Morgen. Mit dem Rad fahre ich einen breiten unbefestigten Fahrweg entlang, der durch eine osteuropäische, sehr alte Stadt führt. Links von mir eine lange Häuserfassade. Teils hübsch verziert mit einfachen Säulen oder Bögen. Kein Mensch ist unterwegs, außer mir und einer älteren mütterlichen Frau, die zu dieser Morgenstunde vor viele der Haustüren etwas hinstellt. Unterschiedliche Behältnisse – Blechschüsseln, kleine Zinkwannen, Schalen – füllt sie mit schätzungsweise fünf Liter Motoröl und trägt diese dann zu den Eingängen. Hinter den Türen wohnen junge Mütter, die einen großen, gilb-grünen Geldschein vor die Tür gelegt hatten, als Zeichen der Bedürftigkeit. Offenbar macht die ältere Frau diese morgendliche Runde in regelmäßigen Abständen und hilft so den jungen Müttern. Wie macht sie das nur? Woher nimmt sie all das Öl, dass die Mütter so dringend brauchen? Woraus füllt sie die Schüsseln und Schalen? Sie ist ohne Fahrzeug unterwegs, ohne Behältnis. Ja, ich glaube, sie hat noch nicht einmal eine Handtasche dabei. Und doch ist es ihr möglich, das Öl so reich fließen zu lassen, dass es für alle Frauen in dieser Gegend reicht.

Am Ende der Häuserfassade angekommen, bemerke ich einige Einbuchtungen in der Hauswand. Anfangs wirkt es so, als verbergen sich darin weitere Türen, aber wenn man dann richtig Einblick gewinnt, stellt sich heraus, dass es einfach nur eine Art große Kerbe in der Wand ist. Die letzte Tür dieser Häuser öffnet sich, gerade als ich vorbei fahre, und eine blonde Frau schaut heraus und murmelt etwas. Die ältere Frau hat das Öl bereits vor ihrer Tür abgestellt und ich bin in der Annahme, die Blonde wolle der Älteren noch etwas Wichtiges mitteilen. Deshalb rufe ich ihr zu: „Die Frau ist noch nicht weit! Wenn Sie ihr etwas mitteilen möchten…“ Die Blonde zieht ihren Kopf wieder zurück und schließt die Tür. Entweder war ich zu aufdringlich oder es ging ihr um etwas anderes.

Eine Männerenergie mischt sich ein und kontrolliert, ob alles seine Richtigkeit hat. Er öffnet einen dieser in Folie verschweißten Stapel Werbeprospekte, zieht den ‘Spiegel’ etwas heraus, um sich zu vergewissern, dass der ‘Spiegel’ wirklich enthalten ist, und sagt: „Alles okay.“

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