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Der Strohpullover

Traum vom 6. Januar 2011
[Dezember]

Zwei Schritte von mir entfernt steht das Mädchen. Sie ist etwa zehn Jahre alt, hat seidig blonde Haare, die lang über ihre Schultern fallen, und ist nur mit einer waldgrünen Strumpfhose bekleidet. Ihr Blick ist schüchtern, leicht gesenkt, die Füße stehen brav nebeneinander. Der Käpt’n – es ist Rainer, doch ich halte ihn für den Käpt’n – kommt hinzu. Er kommt so unerwartet. Womit auch niemand gerechnet hat: er schenkt dem Mädchen einen Pullover. Er tritt von hinten an sie heran, das Mädchen streckt die Arme hoch und der Pulli rutscht wie von allein über ihren Körper. Eine Farbe … ein Gestrick wie aus Heu und Stroh – doch ist es aus ganz weichen Naturfasern gefertigt, ein Pulli der kaum Gewicht hat. Seine groben Maschen sind mit dem üppigen Flaum der Fasern gefüllt. Ein langer Pulli; fast ein Kleid. Welch ein wunderschönes Geschenk! Das Mädchen ist so schüchtern; auch jetzt spricht es kein Wort – während in mir stille Begeisterung einkehrt. Mir ist, als habe ich den wunderbaren Geruch des Pullis längst in der Nase und ich verspüre den Wunsch, mein Gesicht hinein zu drücken und mit geschlossenen Augen zu schnuppern.

Traumpfade:
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