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Stillgelegt

Traum vom 15. Juni 2009

Trotz des Überholverbots überhole ich das Fahrzeug, das seit einiger Zeit im Schneckentempo vor mir her fährt. Beim anschließenden Einscheren werfe ich einen gewohnheitsmäßigen Blick in den Rückspiegel. Ach du liebe Zeit! Einer der Insassen des überholten Fahrzeugs streckt seinen Arm aus dem Fenster und stellt ein Blaulicht aufs Autodach. Dann werde ich überholt, eine Kelle wird rausgehalten und ich lese schon am Fahrzeug: POLICE

Zwei Beamte steigen aus: „Fahrzeugkontrolle!!“ Sie öffnen die Motorhaube und einer der beiden bemängelt und beschließt: „Die Gefäße sind brüchig; ein Ausfall der Lichtmaschine droht. Das Fahrzeug wird stillgelegt.“ Ich ärgere mich darüber, mich nicht durchgesetzt zu haben, als wir kürzlich in Frankreich die Panne hatten. Da stand nämlich schon die Frage im Raum, ob man die beschädigten Gefäße (Kabel) nicht gleich mit austauschen sollte. Doch Mike hielt das für überflüssig. Nun habe ich also den Salat. Die Polizisten zeigen sich total streng und autoritär – nix zu machen. Während dieser Kontrolle haben sich einige Passanten zu mir ins Auto gesetzt. Da mein Auto sich obdachlos (offenes Verdeck) zeigte, nutzten das einige, um sich mal ein wenig auszuruhen und etwas anderes zu sehen. Unter diesen zugestiegenen Menschen ist auch Aurisa, die ganz unbeschwert sagt: „Nicht so schlimm, da geht es halt zu Fuß weiter.“
Na klar, so ist das – eigentlich.

Am Stadtrand. Die Geschäftigkeit kommt in der Mittagssonne zum Erliegen. Die Stadt verlangsamt ihr Tempo, es kehrt Ruhe ein. Am Rande eines Platzes ein großes öffentliches Gebäude. Vielleicht ein Museum – es erinnert an die Chapelle Notre-Dame de Auzils. Vor dem Eingang steht ein griechischer Reeder und macht mit weitausholenden Armbewegungen eine einladende Geste; Moina und ich sollen eintreten, so wir mögen.

Wir gehen die in der Sonne hell leuchtenden Stufen hinauf und treten unter dem Wortschwall des Griechen ein. Ich verstehe kein Wort. Kaum sind wir eingetreten, weist er wortreich auf ein sehr breites Gemälde, dass im Bereich des Eingangs an der Wand hängt. Es zeigt den Blick aufs Festland; vom Meer ausgesehen. Viele Details sind nicht zu erkennen, denn das Bild ist sehr gebräunt von all dem Gilb. Mit Entsetzen bemerke ich, dass der Grieche einige Pfeile mit schwarzem Edding auf das Bild malte. Das nur, um mir etwas bildhaft zu verdeutlichen. Noch mehr: Neben einem Haus, vor dem Hintergrund eines sanft geschwungenen Berges, schrieb er in großen Lettern den Namen einer Frau. Der Grieche möchte unbedingt, dass wir auf diese Persönlichkeit, eben diese Frau, warten. Ich bin noch sprachlos vor Erschütterung darüber, wie man ein wertvolles altes Gemälde derart verschandeln kann.

Nach gar nicht langer Zeit kommt es zu einem plötzlichen Tumult mit dem Griechen. Ich könnte den Auslöser dafür gar nicht benennen. Keine Ahnung. Wütend und fest entschlossen wirft er Moina und mich wieder raus. Leider behält er auch die meisten der Andenken bei sich zurück, die wir an diesem Vormittag gekauft haben. Einzig eine Baumwolltragetasche mit geflochtenen Tragegriffen kann ich davor retten. Bald kommen wir wieder mit Aurisa zusammen, die ganz sorglos meint: „Na, das ist doch schon was.“

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