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Feuer frei!

Traum vom 15. Januar 2011

Offensichtlich aus eigenem Antrieb gesellte ich mich zu dem Trupp vermeintlicher Esoteriker. Mag sein, dass ich einen gewissen Nutzen daraus ziehe, wenn ich an dieser Veranstaltung teilnehme. Anders lässt sich nicht erklären, dass ich das seichte Gefasel ohne ein Wort der Klage erdulde. Ja, ich spüre noch nicht mal innerlich den sonst üblichen Druck, der mich darauf hinweist, am falschen Platz zu sein. Allerdings beteilige ich mich nicht an den Gesprächen, sondern halte nach einem Platz Ausschau, wo ich gemütlich die Füße hochlegen und die Zeit abwarten kann. Doch dazu kommt es nicht, denn endlich erscheint der Organisator und verteilt mit einem großen Zündholz Feuer. Wir alle tragen verholzte Pflanzenstängel mit uns. Nun endlich glimmen sie und wir werden gleich schmauchen. Mmmh, das köstliche Holz, dieser ätherisch-fruchtige Duft, mit dem das Holz durchtränkt ist! Es gibt keinen Rauch, nichts, das man inhalieren könnte. Einfach nur die Glut genießen und daran ziehen. Doch der Organisator wird hinaus gerufen, noch ehe das Feuer an alle verteilt ist. Das heißt, alle müssen warten.

Langsam packt mich die Ungeduld. Ich habe genug von dem pseudoweisen Geschwafel der Esos und Schein-Spirits, die mit ihren ach so sanften und nachsichtigen Stimmen für alles Verständnis aufbringen. Es geht mir tierisch auf den Sack! Voller Leidenschaft tue ich meine Meinung gegenüber einem Gesinnungsfreund kund – oder ist das sogar der frühere Mit-Azubi?? Nein, viel mehr ähnelt er einem dieser Eso-Typen, die ihre phantasielos gestalteten Flyer auf billigem Einheitspapier am Bioladen um die Ecke auslegen. Egal, ich lasse so richtig die Sau raus – ist doch auch wahr! Böse Worte wallen aus meinem Mund. Der Freund wendet sich zutiefst gekränkt von mir ab und setzt sich schmollend auf ein altes Sofa unter einer Dachschräge. Mein Ärger ist fort und Reue steigt auf: „Ja, ja, ich gebe zu: ich habe übertrieben! Ich war so ungeduldig!“ Ich beuge mich ihm entgegen und erzähle, wie es in Wahrheit ist: „Normalerweise arbeite ich selbst spirituell, pflege einen sehr liebevollen und geduldigen Umgang mit den Ratsuchenden.“ Während ich mich dieser Wahrheit hingebe, mich dem Freund zuwende, ist es wie ein weiches Verinnerlichen des Außen. Voller Hingabe, mein Herz so weit… Doch mein Freund bleibt eingeschnappt. „Na, ehrlich!“ sage ich mit letztem Schwung, denn nachdem diese Wahrheiten heraus sind, kehrte Frieden ein. Okay, der Freund zeigt sich weiter distanziert. Aber ich will endlich weiterkommen, nicht länger hier rumhängen.

Von frischem Tatendrang erfüllt, beschließe ich: Wenn der Organisator nicht kommt, dann müssen wir eben die Initiative ergreifen! Der nackte Oberkörper meines Freundes ist von verholzten Pflanzenteilen, -stängeln und trompetenförmigen Flechten übersät, die aus seiner Haut wachsen. Ganz wunderbare, vielfältige Gewächse und so gut duftend. Da muss doch was dabei sein, das rasch Feuer fängt?! Ich frage nicht – gehe davon aus, auch ihm ist es recht – und halte meine Flamme an ein beliebiges Teil knapp unterhalb seines Bauchnabels. Es beginnt rasch zu glimmen. Erschrocken erstickt er das Feuer mit Daumen und Zeigefinger, indem er an der oberen Öffnung der Flechte zieht, so als wolle er seine Eichel mit seiner Vorhaut bedecken. „So nah am Körper, so nah am Bauchnabel!!“ wirft er mir verärgert vor. — „Oh … sorry …“ Ich bin ganz geknickt. Dass es ihm weh tun könnte, daran hatte ich nicht gedacht. So zünde ich einen langen Pflanzenstängel, der mitten vor seinem Oberkörper nach oben herauswächst und bringe auch meinen Stängel zum Glimmen. Doch er mag sich nicht darauf einlassen und erklärt: „Das ist nicht rechtens. Wir müssen warten bis der Organisator das Feuer freigibt.“ — Ja gut, schon. Aber er kommt ja nicht zurück. Wir warten doch schon so lange! Das ist doch Grund genug, dass wir es endlich in die Hand nehmen?!

Bald darauf kehrt der Organisator zurück und gibt sich tatsächlich leicht säuerlich, weil ich schon angefangen habe. Auch kommt zur Sprache, dass ich mich anfangs völlig unpassend benommen und die Esos in ein schlechtes Licht gestellt habe.

Langsam reicht mir das hier! Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich merke, dass die Menschen mit meiner sprunghaften Lebendigkeit nichts anfangen können. Doch höre ich da meinen Namen? Ein Kind erzählt etwas seiner Mutter. Dann kommen sie auf mich zu. „Marianne“. Fragende Blicke. Hm? Aber na klar, ich stehe gerne zur Verfügung: „Was gibt es denn?“ Mutter und Kind nehmen ein helles Bettlaken, raffen es zusammen, straffen es, indem je eine an einem Ende steht und fordern mich auf, mich in die Mitte zu stellen. Da lassen sie das straffe Laken gegen meinen Körper schwingen. Ein paar Mal, ganz sanft. Doch dann plötzlich machen sie Druck und katapultieren mich aus dem Raum. Eine solche Symbolik erschließt sich mir sofort: Rausschmiss! Ich bin hier unerwünscht! Die prompte Erkenntnis trifft mitten in die Brust. Ein jäher innerer Schmerz lässt mich wie blind und ohne zu atmen, aus dem Gebäude rennen. Ich wäre nicht in der Lage, auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Ich habe verstanden.

Spät abends mit dem Auto unterwegs. Mike am Steuer. Er hat einen Parkplatz unter der Brücke der Hochstraße ausgeguckt. Ehe ich das überhaupt schnalle, durchbricht er die Leitplanken, um sein Auto auf der anderen Seite zu parken. Besorgt frage ich: „Du siehst aber auch immer schlechter?“ — „Nein nein“ meint er zufrieden „das ist in Ordnung so. Das hat doch gut geklappt.“ Da fährt die Polizei ein. Ein Beamter steigt auf, setzt sich einen Wasserwerfer-Schutzhelm auf, öffnet unsere Beifahrertür, streckt die Hand rein und macht eindeutige Zeichen mit den Fingern: Die Fahrzeugpapiere! Ich reiche sie ihm, die Tür geht zu. Alle Autoscheiben sind mit Blech abgedeckt. Nur die Windschutzscheibe gewährt freie Sicht. Ja, und Mike … ich überlege, ob er mit vier Wochen Führerscheinentzug davon kommt. Da öffnet sich wieder die Autotür und der Beamte reicht die Papiere rein. Während ich die Tür schließe, sehe ich noch, wie er zu einem Beamten abwinkt, so als wolle er sagen: das war die falsche Fährte. Ich begreife langsam, dass das hier eine Razzia stattfindet und deshalb die Sache mit der Leitplanke ohne Belang ist. Allerdings müssen wir den Platz sofort verlassen. Unser Wagen rollt. Rückwärts!! Oh nein! Wir sehen doch gar nicht, wohin wir rollen. Erleichtert atme ich auf, denn nun bemerke ich, dass Mike längst ausgestiegen ist und den Wagen schiebt. Alles dreht sich um mich. Da sehe ich ein Unfallfahrzeug: zur Hälfte zusammengefaltet und wie gepresst. Ein dumpfer Schreck durchfährt mich, der alle Erinnerungen an furchtbare Unfälle weckt, auf die ich zukam. Da höre ich plötzlich Stimmen, die vermutlich von einem anderen Fahrzeug kommen: ein Mann mit seinen Freundinnen, die gerade in Deutschland einkaufen, an sich aber einen langen Urlaub in Frankreich verbringen. Erschüttert ruft er mit weicher und gezierter Stimme aus: „Frankreich brennt!!“ Oje, sie haben mein Mitgefühl. All ihre Sachen könnten vernichtet werden. Obwohl … es wird ja nicht gleich g a n z Frankreich brennen – oder … !

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Eine Antwort zu Feuer frei!

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