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Vom Gabelstapler verfolgt

Traum vom 20. Januar 2011

Während der letzten Stunden erlebte ich erschreckende Dinge im Halbdunkel, an die ich mich konkret nicht mehr erinnern kann. Dinge gerieten in Bewegung, die gar nicht von sich aus aktiv werden sollten und ich fürchtete mehrfach, von ihnen verfolgt und überwältigt zu werden.

Nun also das Klassentreffen auf einem merkwürdigen Betriebsgelände an einem mysteriösen Stadtrand. Könnte sein, in all den grauen Müllsäcken und Kartons, die hier herumstehen, wird Sondermüll zwischengelagert; vielleicht soll die Öffentlichkeit gar nicht von allen Vorgängen erfahren. Zum Klassentreffen erschienen: eine unbekannte Frau, zwei konturenlose Personen und Axel. Axel steht zwei Schritte nach links von mir entfernt, hat ein Heft aus einem der Kartons gezogen und liest aufmerksam darin. Ich beuge mich über einen größeren Pappkarton und fische ein Ding nach dem anderen heraus. Ich fühle mich wohl, in mir ruhend. Das liegt vielleicht auch an dem schwarzen Pulli, den ich, wie so oft, trage. Obwohl nie mein Lieblingspulli, habe ich ein gutes Gefühl darin. Das großzügige Dekolletee gibt ein Gefühl von Beweglichkeit, das weich fallende Gewebe liegt angenehm auf der Haut. Als ich mich erneut über den Karton beuge, bemerke ich, dass so der Ansatz meiner Brüste zu sehen ist. Hoppla! Obwohl mich dieser Anblick an mein Alter erinnert, löst es keine unangenehmen Gefühle mehr aus. Ich habe ein Stück weit meinen Frieden mit den körperlichen Veränderungen gefunden. Von Wärme durchströmt, genüge ich mir selbst. Sollte Axel also diesen Einblick bemerkt haben, so bereitet mir die Frage, ob es ihm gefällt, keine Sorge mehr. Wir stehen uns nah, sprechen natürlich kein Wort miteinander, so fern sind wir einander. Ich erinnere mich an die Schulzeit … wie lange ich in ihn verliebt war. Heute bin ich darüber hinweg, dass meine Gefühle nicht erwidert wurden. Die Zeit der Abenteuer ist vorbei. Voller Dankbarkeit registriere ich den nun gefundenen Frieden. Und, nebenbei bemerkt: was ich da alles aus dem Karton ziehe! Welch eine Fülle längst vergessener Teile, die sich nicht näher beschreiben lassen. Es ist ein bisschen wie eine Offenbarung.

Später, in einem lichtarmen Wohnraum. Im Beisein dieser unbekannten Frau und vielleicht Axel und zwei weiteren Gestalten ziehe ich Vorhänge aus dem Karton, die ich beim Entfalten sofort wiedererkenne: „Hey, die sind ja aus Franzens Zeit!“ Ist das zu glauben? Dass die hier jetzt auftauchen! Vorhänge aus den Siebzigern: Knallorange mit weißer und grüner Borte abgesetzt. Die hingen vor den Küchenfenstern, damals. „Erkennt ihr die?“ frage ich in die Runde. Ich ernte verblüffte, auch nachdenkliche Blicke, aber es kommt wohl keiner drauf. Naja, ist auch mehr für mich interessant, da ich gerade in Franzens Wohnung eingezogen bin, die hier damals genau diese Vorhänge hatte.

Zurück auf dem Betriebshof: Die unbekannte Frau, die inzwischen ziemlich getrieben wirkt, und die beiden Kinder; vielleicht auch der Mann. Die Getriebene räumt das Feld, auf dem alles breit verstreut liegt Es glänzt feucht zwischen leeren grauen Müllsäcken, die geschwurbelt zwischen undefinierbaren Stoffen liegen. Sie hebt dies und das, um es kurz zu zeigen. Der kleine Junge erinnert hartnäckig daran, dass er zum Bahnhof muss. Die Frau ist längst in der Fahrzeughalle, um eines der Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen. Ja, sicher, aber ich werde erst losfahren, wenn der Termin näher rückt. Für eine extra Fahrt fehlt mir die Einsicht. Sie soll das Auto nicht anlassen!

In der Halle also ein Fuhrpark, der sonderbar ruhig liegt – wie die Ruhe vor dem Sturm. Ich fühle mich unbestimmten Kräften etwas beunruhigend ausgesetzt. Ein Gabelstapler, der unbewusst an den Genie Lifter erinnert, lenkt mich davon ab und ich bücke mich, um den Unterbau zu betrachten. Ich blicke auf die Kufen des Helikopters – ein Gabelstapler-Genielifter ist ja ein Helikopter, sozusagen – und genau in diesem Augenblick springt sein Motor an. So als reiche allein ein Blick, um das Fahrzeug anzulassen. Das führerlose Ding braust völlig unkontrolliert und unvorhersehbar los, fährt zickzack, kreiselt suchend, seine Gabel hoch erhoben. Die Frau schimpft: „Warum hast Du den Motor angelassen?“ Was kann ich dafür? Ich tat es nicht! Und sie selbst lässt jetzt noch ein zweites Fahrzeug an. Herjee!! Da hat der Gabelstapler mich erspäht und rast auf mich zu. Der andere kreiselt noch, um sich zu kalibrieren, doch ich ahne… Ich renne davon, bis das Gefühl der Bedrohung weicht, hinaus auf den Betriebshof.

Inzwischen ist es ganz dunkel geworden und ich gelange schließlich auf die runde Kuppe eines Berges (Feldberg / Taunus?). Wieder ein Betriebsgelände. Platt gefahrener Schnee bildet breite Fahrspuren und man erkennt auf den ersten Blick, dass hier täglich große Baufahrzeuge hin und her fahren. Teils wurden die Fahrspuren mittels riesiger Räumfahrzeuge vom Schnee befreit. Ich stehe zusammen mit der getriebenen Frau und zwei Männern. Wir haben alle zu arbeiten. Einer von uns will dann zurück ins Tal, setzt sich in einen Pkw und braust los. Ohne Licht! Mit vor Entsetzen offenem Mund schaue ich dem Auto nach, wie es um Haaresbreite mit einem anderen Fahrzeug kollidiert, das sich allein auf dem Weg wähnte. Oh nein! Ich rufe laut: „Mach Licht! Mach doch Licht an!!“ Aber ich bin zu weit weg. Da, ein weiteres Fahrzeug, wieder touchiert unser Mann dieses. Das ist ja furchtbar. So ein Unglück! Wie wird das enden? Voller Entsetzen auf das dortige Geschehen fixiert, bemerke ich es anfangs nur aus dem Augenwinkel, ohne dass es so recht in mein Bewusstsein dränge: Hier oben auf dem Gipfel, am Wendepunkt, steht eine Gestalt aus Schnee. Reiner Zufall, so hätte ich bis jetzt angenommen, dass sie menschenähnliche Konturen hat. So viel Schnee ist gefallen, hat sich ganz seltsam aufgetürmt. Da, eine Bewegung! Nun erst schaue ich sehend hin: der Schnee bröckelt und das dort …  ein Wächter aus Schnee, mit offenen Schneeaugen, die ungerührt ins Nichts blicken. Immer mehr Schnee fällt von der Gestalt und ich erkenne; es ist Leben darin! Das, was mir gerade noch als Schneemumie erschien, ist ein lebendiges Wesen! Und wer weiß, was dem Weißen innewohnt? Ich fürchte aufgestaute Wut, bilde mir schon geballte Fäuste und eine entsprechend entschlossene Grimasse unter der Schneehülle ein. Oh da, mein Gott, die Schneegestalt setzt sich in Bewegung. Schwerfällig, noch, tritt sie aus ihrer dicken Schicht hervor. Die in mir schlagartig einsetzende Panik erstickt einen aufkeimenden Schrei, lautes Rauschen zwischen meinen Ohren. Doch dann kriege ich Beine. Zur Flucht bereit. Jetzt!

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Gestern betrachtet: Genie Lift