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Golden Dawn

Traum vom 29. Januar 2011

Ich hatte nicht damit gerechnet, zu so später Abendstunde hier oben – im grünen Gürtel am Stadtrand – noch jemand anzutreffen: Ein türkischer Mann kümmert sich um seinen Garten. Anfangs, ich schaue nicht so genau hin, bin ich im Glauben, er besprenge die Pflanzen mit einer sanften Wasserbrause. Doch nein: er schabt mit seiner Schaufel die Grasnarbe von der Erde; Streifen für Streifen. Ich mache Mike darauf aufmerksam und hoffe auf sein geschicktes Intervenieren. Mit leiser Stimme erklärt er dem Türken, es sei nicht erlaubt, jetzt – während der Dämmerung, während der Abendstunden – die Grasnarbe zu entfernen. Nur bei Tageslicht! Doch der Türke versteht kaum Deutsch und macht weiter. Mike versucht es noch einmal – einfühlsam und geduldig wie immer. Da beginnt der Türke wild mit den Armen zu fuchteln, ein Landsmann kam inzwischen hinzu und beide argumentieren wild durcheinander. Ganz klar, sie haben gute Argumente, warum sie jetzt doch diese Arbeiten machen dürfen. Naja, so ist das mit all den religiösen Ansichten. Am Ende ist es ja auch die Entscheidung der Männer und wir richten nicht darüber.

Sogleich beginne ich mit der Gartenarbeit. Nehme eine Schaufel, schiebe ihr Blatt wie einen Rasenmäher dicht über die Ackeroberfläche, um auf diese Weise die nach der Ernte verbliebenen Maisstoppeln „abzurasieren“. Ich beginne am Rande des Ackers links außen. Das geht erstaunlich leicht und flott. Die Maisstoppeln fliegen zu allen Seiten. Dabei geht es einen sanft geschwungenen Hügel hinauf. Kurz vor seinem höchsten Punkt queren einige Nebenerwerbsbauern mit großem Gerät meinen Weg. Sie arbeiten im Laufschritt, direkt in das hoch stehende Maisfeld hinein. Nur leise stellt sich die Frage, ob d a s denn heute Abend erlaubt ist? Vermutlich ja, denn das eigens Nachbarn dafür angeheuert wurden – vielleicht zur Ernte? – spricht dafür. Ich segele flott an ihnen vorbei, immer weiter die Maisstoppeln rasierend.

Meine Tätigkeit verliert sich unmerklich, je weiter der Weg in unberührte Natur führt. Große Flächen festen Sands, unterbrochen von feinen Wäldern und frischem Gras. All der helle Sand … in diesem goldenen Licht der Abenddämmerung. Schönheit der Welt. Ja, jetzt fällt mir auch ein, dass es eine Bezeichnung für diese ganz spezielle Form der Dämmerung gibt: Golden Dawn. Hier in Deutschland vielleicht weniger gebräuchlich, aber ich hörte es mehrfach. Aus der Natur ein älteres Paar; sie gehen spazieren, in einem leisen Gespräch versunken. Wir nicken uns freundlich lächelnd zu. Es ist so wunderschön hier – ob ich schnell meine Kamera holen soll, um ein paar Bilder zu machen? Ich zögere, der Weg ist so weit. Mindestens drei Stunden braucht es hin und zurück. Zwar kehre ich um, aber ohne dem Entschluss, die Kamera zu holen. Meine Schritte sind langsam, tastend – von der golden schimmernden Schönheit überwältigt.

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