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Outlaw Blues

Traum vom 29. Januar 2011

Teilnahme an einem Projekt, in das ich irgendwie hinein gestolpert bin. Erfreulich, denn das lässt sich ziemlich interessant und spannend an. Im Seminarhaus. Anfangs noch im Glauben, allem nur passiv beiwohnen zu dürfen, stellt sich rasch heraus, dass meine aktive Teilnahme erwünscht ist. Es sollen kurze Filme – von etwa drei Minuten Länge – aufgenommen werden. Ich nehme einen Handspiegel, halte ihn vor die Wand, so dass Moina sich darin sehen kann. Im Spiegel sehe ich ihr lächelndes „rosa Faschingsgesicht“ im Zwielicht – super, das filme ich. Und hey, das ist genial: damit habe ich einen Weg gefunden, mich selbst zu filmen, ohne meinen Arm verrenken zu müssen. Ich könnte, später mal, einen Handspiegel vor die Wand halten und mein Spiegelbild filmen. Eine Idee, die mich belebt. Doch: gerade erfahre ich, dass wir unsere Kurzfilme gleich allen Anwesenden im Saal vorführen werden. Oh nee!! Ich habe längst gesehen, dass ich zum Teil im Hintergrund des Filmes zu sehen bin. Das geht gar nicht. Mit der Cam in der Hand stürme ich los, hinauf in das Zimmer, in dem ich diese Tage untergebracht bin. Ich will den Film auf mein Handy überspielen und dann beschneiden, so dass ich nicht mehr drauf bin. Doch ich finde mein Handy nicht. Meine Umhängetasche hat viele kleine Außentaschen – darin kann man sich ja verirren! Ah, da ist es … Nein, es ist nur das Uralt-Handy. Das hilft mir nicht. Die Zeit ist zu knapp – entweder ich verzichte auf die Teilnahme an diesem Contest oder ich zeige alles. Schon um Moina nicht zu enttäuschen, muss ich da jetzt durch.

Ich laufe also hinaus an den Main. Der ganze Eiserne Steg steht voller Menschen – es ist die Gangway zur großen Reise. Ich reihe mich ein. Langsam geht es voran. Als ich die Gangway betrete, bemerke ich das heftige Schwanken, ausgelöst durch all die Menschen. Meine Güte, es ist so, als verliere sich der Boden unter den Füßen. Hinter mir eine dünne Rohrstange: das wenig Sicherheit bietende Brückengeländer. Meine Tasche hängt unterhalb und ich fürchte, mein Handy könnte aus der Tasche ins Wasser fallen. Ein Verlust, der damit gleichzusetzen wäre, alle Möglichkeiten der Interaktion zu verlieren. — Nein, ich kehre um.

Später, in den Seminarräumen. Mein Entschluss: ich werde mit meinem kleinen Film teilnehmen. Unvermittelt von natürlichem Selbstbewusstsein erfüllt, betrete ich entspannt den Raum mit den Gästen. Grinsend winke ich zu jedem der fünf Tische – überwiegend bekannte Gesichter aus der Vergangenheit. Und wie ich so breit grinse, sehe ich mich vor mir: natürlich, mein linker Vorderzahn trägt eine titanblaue Krone. Wie kam ich nur auf diese absolut blöde Idee, für diese Krone eine so dunkle Farbe zu wählen? Das sieht aus der Ferne ja nach einem Gammelzahn oder einer Lücke aus. Und so nah kommt mir selten jemand, dass augenscheinlich würde, dass ich mir da ganz bewusst eine edle Krone in dieser Farbe ausgesucht habe. Naja, vielleicht lässt sich ja doch noch was mit dem Video machen; ich meine, dass ich doch nicht zu sehen bin. Ansonsten: ach, dann muss ich da eben mal durch und gut.

Traumpfade:
„Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache“ – Eiserner Steg
„I got for good luck my black tooth“ – Bob Dylan, Outlaw Blues