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Zum Diktat, bitte

Traum vom 6. Februar 2011


Zur Feierabendzeit. Auf einer Straße treffe ich meinen neuen Auftraggeber. Gleich am Straßenrand also sein erstes Diktat. Ich arbeite schnell und korrekt. Er ist zufrieden. Die Arbeit wird sehr gut bezahlt. Nicht viel später folgen zwei oder drei weitere Diktate. Allerdings handelt es sich dabei nur um je einen einzelnen Satz. Ich werde dafür gleich einem langen Diktat bezahlt. Je länger ich darüber nachdenke… nein, ich habe kein gutes Gefühl damit.

Inzwischen ging ich, Diktat um Diktat, die Straße weiter entlang. Hinaus aus der ruhigen Stadt. Nun knie ich am Straßenrand. Mit Blick auf die Natur, wie vor einem Altar und sehe dort in gelben Buchstaben den Brief – sein Diktat, das ich zügig tippe. Wieder arbeite ich sehr genau. Jedes seiner Worte gebe ich wieder. Ich schreibe alles nieder, wie gewünscht, obwohl es nicht meine Meinung ist. Langsam ahne ich die bevorstehenden Konflikte: einerseits will ich es dem Auftraggeber recht machen, seine Meinung haargenau wiedergeben, doch gleichzeitig kann ich mich ja nicht verstellen und etwas von mir geben, das nicht meine Meinung ist. Ich sehe mich schon bei erschöpfenden Versuchen, es allen recht zu machen. Es so zu formulieren, dass alle widersprüchlichen Meinungen sich zu einem Ganzen vereinen, das alles enthält und jedem seine Wahrheit zugesteht.

Und später, in einem weiteren Traum, knie ich vor einer Wand, links von einer dunklen schweren Schwingtüre. Mit leicht erhobenem Kinn läuft die neue Sekretärin an mir vorbei. Eine Mappe unterm Arm geklemmt, Schreibzeug in der Hand, in adretter weißer Bluse mit blondem Kurzhaarschnitt – mein Auftraggeber hat sich für sie entschieden. Sie rief er nun zum Diktat. Und ich weiß, wie so eine Diktat aussehen wird; gleich, wenn es hinter der Schwingtüre still werden wird.