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Analyse in Trance

Traum vom 25. Mai 2009

- Narbonne-Plage -

Am langen Abendmahltisch versammeln sich die Worpsweder Eingeweihten. Ein intensiver Austausch zum Thema ‘Analyse in Trance’ findet statt. Ich erkenne einige vertraute Personen am Tisch, mit denen ich in der Vergangenheit kaum persönlichen Kontakt hatte (Worpsweder Schamaninnen). Ein Neuling sitzt am Tisch: ein 40jähriger Inder aus Sri Lanka, mit einem cremeweißen Gewand bekleidet; gelbliche Haut. Er befindet sich längst in Trance. Bisher nahm er seine Sitzungen bei der schamanischen Bio-Gärtnerin, doch nun hat mein Erscheinen sein Interesse geweckt und er äußert den Wunsch, eine Analyse, eine Einweihung bei mir zu machen. Dies kommt so unerwartet für mich, dass ich kurz Verunsicherung spüre. Aber ich freue mich natürlich darüber. Im nächsten Augenblick gehen der Inder und ich aufeinander zu – er vom Abendmahltisch kommend, ich dorthin strebend. Als er seinen Kopf kurz nach links dreht, nutze ich die Gelegenheit, ganz schnell ein Foto von ihm zu machen; so im Profil ist er für einen späteren Betrachter nicht zu erkennen. Üblicherweise hält er nämlich stets den Kopf gesenkt, so dass sein Kinn die Kehle verdeckt. Dies hat einen guten Grund: ihm wurde eine eckige Öffnung im Bereich der Kehle eingebracht, die einen medizinischen Stimmentkräfter enthält. Das ist ein auffälliges Merkmal, an dem ihn jeder erkennt. Oje, ich hoffe sehr, der Inder hat nichts von meiner Momentaufnahme bemerkt, denn er nähme mir das sicher übel. Als er dann wieder zu mir schaut und mir die Hand reicht, ergreife ich diese und spüre seine feinen, fast knabenhaften Finger. Sie haben etwas Zerbrechliches. Wir gehen dann gemeinsam in ein Nebenzimmer, um mit den ersten Einweisungen zur Analyse zu beginnen. Wieder zurück am Abendmahltisch. Der Inder möchte einen Termin zur ersten Analysesitzung vereinbaren. So nehme ich, in Gegenwart aller Eingeweihten, den Telefonhörer entgegen, um mit ihm in Kontakt zu treten. Doch der Inder spricht so leise, dass ich ihn nicht richtig verstehen kann. Es ist mir sehr unangenehm, immer wieder nachzufragen, ihn zu wiederholen und mir bestätigen zu lassen, dass ich richtig verstanden habe. Ich spitze meine Ohren, konzentriere mich sehr und mache einen ersten Vorschlag: „Wie wäre es am kommenden Montag!“ Jetzt, zum Wochenende möchte ich keinen Termin vergeben. „Nein, geht gar nicht!“ so seine kurze Antwort. „Dienstag?“ „Nein, passt nicht.“ „Okay, dann am Mittwoch!?“ „Auch nicht.“ So geht es weiter, bis die Wochentage zu Ende gehen. Schließlich sagt er merklich distanziert: „Ich möchte davon absehen, eine Analyse bei Ihnen zu machen.“ Oh…. Das bedauere ich sehr; inzwischen hatte ich mich auf unsere gemeinsame Arbeit gefreut. In der Bahn sitzt – als ich zusteige – der Mann vom Stadtamt. Er bekommt mit, dass der Termin mit dem Inder nicht zustande gekommen ist. Als ihm nun klar wird, dass ich sicher noch ein paar Stunden frei habe, sagt er: „Bisher stand ich der ganzen Angelegenheit skeptisch gegenüber. Nach allem was ich inzwischen mitbekommen habe, erscheinen mir Ihre Arbeiten mit Trancen als interessant. Ich überlege, bei Ihnen zu buchen. Einzig dies: Vielleicht erhöht Sie das zu sehr??“ Etwas besorgt schaut er mich an. In meinem Gesicht breitet sich ein Schmunzeln aus. Seine Vorbehalte sind nur zu verständlich, wie leicht läuft man die Gefahr der Erhöhung! Interessiert frage ich nach seiner Einschätzung: „Glauben Sie wirklich, dass es so wäre?“ Während ich seine Antwort abwarte, nehme ich ihn vorsichtig bei seiner Hand. Mit ganz langsamen Schritten machen wir uns zusammen auf den Weg. Mein fragender Blick neugierig auf sein Gesicht geheftet. Wie erstaunlich gut es sich anfühlt, Hand in Hand mit diesem Mann zu gehen… Es fühlt sich echt gut an, sogar sehr gut. Ein gegenseitiges Vertrauen erwächst, dass mich erfüllt und wärmt.

Traumpfade: Am Tag vor dem Traum das „Tagebuch meiner Analyse bei Sigmund Freud“ gelesen. Der Autor Smiley Blanton zitiert darin immer wieder Sätze aus seinen Gesprächen mit Freud. Beispielsweise: „Sie würden es vielleicht gerne überfliegen“, sagte er [Freud], bemühen Sie sich nicht, es durchzulesen.“ So erging es mir; ich habe das Büchlein aufgrund seiner Anspruchslosigkeit tatsächlich geradezu überflogen. Der Stimmentkräfter im Traum wurde vermutlich durch die Erwähnung der Gaumenplatte Freuds ausgelöst – Kehle, Gaumen… alles „Kommunikationskanäle“. Mehrmals beschrieb Smiley Blanton, wie er und Freud sich die Hand zum Abschied reichten. Es schien ihm wirklich viel zu bedeuten. Mir kam jedes Mal beim Lesen einer solchen Szene das Bild einer zerbrechlich zarten Hand. Es zog beim Lesen die Aufmerksamkeit auf sich und hat mich wohl mehr beeindruckt, als mir zu dem Zeitpunkt bewusst war.

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