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Ellen – F4

Traum vom 14. Mai 2009

Blick aus dem Fenster unserer Wohnung, in die wir vor wenigen Jahren einzogen. Draußen, am Nachbarhaus – es steht seit Jahren leer – geht Ellen, die Grafikerin, mit einem großen Karton in Richtung Haustür. Das sieht nach Umzugskartons aus. Hey, so eine Überraschung, dass Ellen mit ihrer Familie dort einzieht! Einerseits freue ich mich darüber, auf der anderen Seite versetzt es mir einen kleinen Stich. Es war nämlich so…

Vor einigen Jahren hatten Mike und ich uns genau die Wohnung dort unten angesehen. Aus Gründen, die nicht konkret zu erinnern sind, zogen wir dann doch nicht ein. Vor meinem Auge nun eine Erinnerung an die Besichtigung… Finnische Inneneinrichtung, eine etwas unkonventionelle Aufteilung der Räume über mehrere Ebenen (Untergeschoss bis erste Etage), dabei die Ebenen schwungvoll und in fließenden Übergängen miteinander verbunden. Viel helles Holz, große Fenster mit Aussichten ins Grüne. Einen Nachteil hatte die Wohnung: nur am Morgen bis zum frühen Vormittag fiel dort die Sonne rein. Vielleicht war es das, was mich damals zögern ließ. Die Wohnung an sich hatte mir super gefallen. Okay, nun zieht also Ellens Familie dort ein. Sehr gut, da bekomme ich bestimmt öfter mal Gelegenheit, die Wohnung dort drüben aufzusuchen und mich daran zu erfreuen. Mit der Freude einher geht die Idee, mich mit der sympathischen Ellen anzufreunden. Das wäre wirklich schön.

Mit einem Male wird mir das Vergnügen zuteil, dass Ellen ihre heilpraktischen Arbeiten hierher in meine Wohnung verlegt! Sie hat meinen Wohnraum komplett bezogen; inklusive ihren Bücherwänden und Teppichbrücken, einem urigen alten Schreibtisch, ihren Ordnern, Nachschlagewerken und Arbeitsnterlagen und… na, alles halt. Das fühlt sich richtig gut an. Ellen sitzt nun hinter meinem Rücken an ihrem Schreibtisch und arbeitet. So kann ich ihre Vorgehensweise hautnah miterleben. Sie arbeitet konzentriert, voller Freude und ist flink bei der Sache. Sie hat sehr viel zu tun. So spekuliere ich darauf, ihr vielleicht bei den Schreibarbeiten behilflich sein zu können. Zudem hätte ich Gelegenheit, mein Können und mein über die Jahre vertieftes Wissen unter Beweis zu stellen. Darauf hätte ich richtig Lust. Dabei könnte ich zudem eine ganze Menge lernen, erführe nebenbei auch viel über ihre Heilpraktiken am lebenden Modell. Ja, womöglich ergibt sich eine lukrative Zusammenarbeit?! Tatsächlich hat Ellen nichts gegen meine Mitwirkung. Oh, das ist so toll! Ich fühle mich total wohl und aufgehoben.

Auf unserer Durchreise erreichen wir einen Raum zum Pausieren. Das Marschieren auf dem Jakobsweg und die gleichzeitig stattfindenden Vorbereitungen auf wichtige Prüfungen, die zum Ende der Studienzeit anstehen, erlebe ich als anstrengend. So lasse ich ein wenig Klage laut werden, wie erschöpft ich mich fühle.

Da kommt ein sympathischer Mann mit sonnenbleichen Haaren, ein Globetrotter, legt seine Hände um meine nackte Taille. Ein fester Griff, voll Zärtlichkeit und Wärme. Wie er mich so an der Taille nimmt… durchströmt mich wachsendes Begehren, und die klaren Gedanken werden durch ein heißes Rauschen ersetzt. Wir eilen einen Weg draußen, in der Sonne, diesig blauer Himmel, am Zeltlager entlang, der Sand knirscht unter unseren Schuhsohlen. Gelangen ins Gebäude, eilen durch das ringförmig angelegte Karree der Räume, auf der Suche nach einem ungestörten Plätzchen in einer der Kammern an der linken Seite des Korridors. Neckende und spottende Stimmen der Kommilitonen verfolgen uns, meinen mich: „Warst Du nicht gerade noch sooo erschöpft und müde?“
Doch da holt uns eine gerade laufende Prüfung ein. Mir wird gewahr, dass ich Aufgabe F4 noch nicht bearbeitet habe. Die Prüfungsunterlagen sind übrigens umfangreich und umfassen eine Reihe dicker Leitzordner. Ich nehme mir also den Ordner ‘F’, suche die Seiten ’4′, kreuze dort die richtige Lösung an und notiere auf einem Zettelabschnitt meine Erklärung zur Lösung, um beides zusammen abgeheftet im Ordner zu belassen. Reiche den Ordner hinüber in eine Kammer zur linken Seite; dort werden die Auswertungen stattfinden. Doch kurz zuvor entreißt mir jemand den Zettelabschnitt mit dem Lösungsweg! Ich begehre auf, doch es bringt nichts. So kommt mir die Idee, dass der Lösungsweg gar nicht gefordert ist und eine einfache Antwort ausreicht.

Dann setze ich den Weg im Gebäude-Karree fort. Im Uhrzeigersinn, laufe die Westseite hinauf, über die Nordseite runter nach Osten und erreiche einen kleinen Raum ohne Fenster im Untergeschoss. Ellen, die Grafikerin, zieht hier gerade ein. Allerdings ist sie noch nicht eingetroffen. Eine resolute Krankenschwester – Typ Klementine – trifft aber erste Vorbereitungen. Im Augenblick stellt sie ein bemerkenswerte Lampe auf. Platziert diese am Kopfende der auf dem Boden liegenden französischen Matratze. Ein Leuchtobjekt mit vier Reihen, die jeweils mit fünf Lichtern bestückt sind. Die Glasschirme sind in Retrofarben gehalten: Grün, Weiß, Blau, Gelb. Der Platz zwischen Matratze und Zimmerwand ist knapp bemessen; mit anderen Worten: die Lampe gleitet nicht auf ihren Platz. Die resolute Krankenschwester fackelt nicht lang, hilft mit einigen festen Tritten auf die gläsernen Lampenschirme nach. Oha! Einen Moment befürchte ich, sie könnte die ganze Konstruktion verbiegen. Ob Ellen mit dieser Vorgehensweise einverstanden ist? Jedenfalls ein tolles Lichtobjekt. Das würde auch mir gefallen.

Ellen kommt und ich teile ihr mit: „Deine Lampe gefällt mir. Die war sicher nicht billig?“
„Ja“ so erzählt sie „jede Lampe kostet für sich 20 Euro. Aber bei der Anzahl…“
Ich rechne nach: 10 Lampen, da kommt man gleich auf 200 Euro – realisiere nicht, dass ich ja 20 mal 20 Euro rechnen müsste.
Ellen tickert mit dem Zeigefinger gegen einen blauen Lampenschirm und sagt: „Die Blauen sind mir dabei die liebsten.“
Ah ja, mir gefällt gerade die Kombination dieser vier Farben.
Ellen nimmt die Lampe vom Kopfende der Matratze und stellt sie weiter links an der Wand wieder hin.

Umschwung, Perspektivenwechsel. Zurück zur Prüfung. Die Prüfung findet nun in meinen Räumen statt. Genauer in dem Wohnraum, in den Ellen ja ihren Arbeitsbereich verlegt hat. Ich erkenne den Raum an der gediegenen, gedämpften Atmosphäre wieder. Ja, die Prüfung erreicht gerade ihren Höhepunkt. Die Kommilitonen drängeln sich an den Tischen mit den Prüfungsordnern wie vor der Auslage eines karitativen Bücherflohmarkts. Es hilft aber nichts, auch ich muss ja noch an die Ordner. Da fällt mir der Lösungssatz wieder ein. F4! Das ist doch die Gelegenheit, die Prüfungsaufgabe um die Beschreibung des Lösungsweges zu ergänzen. Endlich entdecke ich Ordner ‘F’, schlage diesen auf, öffne Reiter ’4′. Hier muss ich nun meinen Zettel zwischen all den Zetteln der anderen heraussuchen. Das Gedränge behindert mich, denn es fällt schwer, die richtigen Seiten aufzuschlagen, weil es Stöße an die Ellenbogen gibt. Immer wieder blättert es mir davon. Das darf ja wohl nicht wahr sein! So kurz vor dem Ziel wird das ja wohl nicht vereitelt werden?!

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