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Geh Behinderung

Traum vom 5. Mai 2009

Im Halbdunkel einer Nische stehen drei aneinander geschobene Schultische. Etwa vier oder fünf mir unbekannte Männer, ein Kompagnon von mir und ich sitzen dort; die Köpfe zusammengesteckt. Wir arbeiten gemeinsam an einem Traumprojekt. Heute habe ich mein jüngst erstelltes Konzept vorgelegt, um dazu die Meinung der Männer zu hören. Eine lebhafte und fruchtbare Diskussion entsteht. Die Männer sind ganz angetan von meinen Entwürfen. Es kommen noch eine Reihe guter Ideen von ihnen. Wow, wie es fließt! Ein tolles Gefühl, wie dadurch die ganze Sache zu wachsen beginnt; wie sie an Boden gewinnt, der Realität nahe rückt. In mir eine stille Freude darüber und ein kleines bisschen Erstaunen. Welch ein Unterschied! Gemeinsam mit diesen Traumfachmännern geht es richtig voran, es kommt Schwung und Leben in die Sache. Wenn ich daran denke, dass mit dem Käpt’n und dem weißhaarigen Traumdeuter kaum an ein Vorankommen zu denken ist. Die Kommunikation zwischen uns stockt. Die Arbeit mit diesen interessierten Männern am Tisch bringt auch in dieser Hinsicht Erleichterung. Ein Gefühl glänzender Augen.

Einige Schritte weiter. Mehr in Raummitte eine kleine Tanzfläche in mildem Scheinwerferlicht. Mein Kompagnon und ich stehen dort, umringt von ein paar Frauen. Mir wurde mein rechter Fuß entfernt. Er war eingeschlafen, und dann war nichts mehr zu machen. Rein optisch ist das für Außenstehende nur daran zu bemerken, dass der Fuß starr wirkt. Denn anstelle des amputierten Fußes wird eine Fußprothese angesetzt, die dem natürlichen Fuß zum Verwechseln ähnlich sieht.

Mein Kompagnon hat ein Problem mit seinem rechten Bein. Es ist eingeschlafen. Einige medizinische Helferinnen kommen herbei, das Bein untersuchen. Ich lasse ganz schnell einen aufgerollten Gazestreifen verschwinden – er ist mit getrocknetem Blut und Wundsekret getränkt (erinnert an das Gazeläppchen, das Neugeborenen auf den Nabelrest gelegt wird) – mit dem ich den Kompagnon versorgt hatte. Ich möchte nicht, dass jemand sieht, dass ich vergebens Hilfe leistete. Inzwischen ist die Erkrankung meines Kompagnons so weit fortgeschritten, dass er völlig in Schlaf gefallen auf einem Stuhl auf der Tanzfläche sitzt. Die Helferinnen stellen fest: „Da kommt jede Hilfe zu spät, das Bein muss amputiert werden.“ Schwupps, ist es geschehen. Auch die Beinprothese, die sogleich das natürliche Bein ersetzt, wirkt sehr realistisch, allerdings auch ziemlich starr.

Wir kommen mit unseren Behinderungen ganz gut zurecht. Dennoch klage ich manchmal und frage den Himmel und mich, wie es soweit kommen konnte? Spontan kommt die Antwort:
Wie im Zeitraffer werden mein Kompagnon und ich um einige Jahre zurück versetzt. Uns wird gezeigt, was wir damals übersehen haben. Hätten wir es damals wahrgenommen, so wären wir heute nicht so überrascht über diese ungünstige Entwicklung:

Der Kompagnon und ich stehen vor einem Haus; im Gespräch mit ein paar Menschen. Der Himmel ist wolkenfrei. Die Sonne zieht ihre Bahn… und dabei streift eine golden leuchtende Sonnenfläche das heute betroffene Bein des Kompagnons, verharrt dort einen Augenblick – wie zur Bestrahlung – und wandert dann weiter… bis zu meinem rechten Fuß… auch dort ein Innehalten und Leuchten, ehe sie weiter zieht. Dies hat die Erkrankung ausgelöst, die zur Amputation führte. Es ist nicht so, dass wir diese hätten aufhalten können, da dieses von höherer Macht gelenkt wird. Warum nur? Warum?? Ich kann mich tatsächlich nicht erinnern, dass mir so etwas jemals aufgefallen wäre! Tiefe Betroffenheit und ein heftig mulmiges Gefühl erfüllen mich…

Traumpfad: Atem beraubende Bewusstwerdung…

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