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Von DENKEN nach ANDACHT

Traum vom 3. Mai 2009

Am späten Abend. Ich habe mich nach draußen abgesetzt, um ungestört den weiteren Weg zu planen. In meinen Händen halte ich eine gelungene Kombination aus E-Reader und Navigationsgerät. Schön flach, handlich, intuitiv bedienbar. Die Landkarte wirkt so realistisch, als sei sie aus farbig bedrucktem Papier.

Es wird weiter nördlich gehen. Derzeitige Position: Norddeutschland. Das Nordische liegt noch mindestens 45 Breitengrade weiter nördlich. Der Zielpunkt findet sich an der Südküste des nordisches Landes – fast wie Andalusien. Eine Hafenstadt im Osten der Küste mit einer Bucht, die an Portoferraio erinnert. In dem Augenblick, da ich das Zoom-In, durch Berührung des Touchscreen mit dem Zeigefinger, auslösen will, gesellt sich eine entfernte Bekannte zu mir. Eine Anonymous, der ihre Vergangenheit anzusehen ist. Sicherlich eine intelligente Frau, dennoch wenig geistreich. Kurzum: ich habe keine Lust, mich auf ein Gespräch mit ihr einzulassen. Sie ist jedoch im Begriff, mir mein Reader-Navi-Dings zu entreißen, um mein anvisiertes Ziel näher zu erkunden. Hey hey hey, so geht’s ja nicht! „Nein, das will ich nicht! Wirst Du dorthin reisen? Heute? Später?“
„Nein.“ sagt sie ungerührt.
„Also, dann gib es zurück!“
Ich nehme es an mich und zoome mich in das Zielgebiet. Diese Annäherung bewirkt, dass nun die Straßennamen dargestellt werden. Sogar die Namen kleinerer Straßen und die Namen der Anleger, die sich in der Bucht aneinander reihen. Beispielsweise lese ich „An der Mole“. Der Ortsname ist in diesem Abschnitt nicht zu lesen.

Eine ganze Zeit später sitze ich in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Der Innenausstattung und Enge nach zu urteilen, sitze ich in einem Flugzeug. Vermutlich als eine der ersten zugestiegen, denn die anderen Passagiere sorgen noch für eine Menge Unruhe, während sie Handgepäck und Jacken verstauen oder die Plätze tauschen. Ich sitze am Gang, den Fensterplatz rechts nutze ich als Ablage für mein „elektronisches Spielzeug“, Aktenmäppchen und ähnliches. Über all diese wichtigen Dinge habe ich meinen sandfarbenen Sommermantel abgelegt. In meinen Händen ein extrem leichtes und flaches Air-Empfangsgerät mit filigraner und flexibler Antenne von zehn Zentimeter Länge. Die Antenne wippt bei der leisesten Bewegung munter hin und her und stellt sicherlich das empfindlichste Geräteteil dar. Es dauert einige Minuten, bis ich begreife, wozu es dient. Aha! Auf dem Display wird der aktuelle Standort angezeigt: DENKEN; und die Frequenz dieses Ortes: 94.2. Weiteres Ausprobieren bringt eine Vorschau zur Anzeige und ich erfahre die planmässige Ankunftszeit am Zielpunkt; auch wieder mit Frequenz. Im Gegensatz zur beleuchteten aktuellen Standortbestimmung zeigt sich der Zielpunkt ohne Hintergrundbeleuchtung, ist deshalb schlechter zu erkennen und es braucht Zeit zum Entziffern. Ah okay, der Zielort heißt: ANDACHT

Da so stark auf diese Sache konzentriert, nehme ich erst verzögert wahr, dass sich zwei Passagiere neben mir auf den Platz am Fenster gesetzt haben. Sie haben sich einfach so auf den vom Mantel abgedeckten Haufen plumpsen lassen. Unglaublich! Bei den Passagieren handelt es sich um meine Schwester und um einen unbekannten Mann, der mir so bekannt vorkommt, dass ich sein Verhalten im Groben einzuschätzen wage: sanftmütig, rücksichtsvoll, geringe Frustrationstoleranz, die Schwelle zur Kränkung liegt niedrig. Sollte er sich beleidigt oder gekränkt von einer Person oder Sache abwenden, so dürfte es schwierig bis unmöglich sein, ihn dazu zu bewegen, auf den alten Kurs zurückzukehren, sich gütlich zu einigen. So bin ich in Sorge um mein zartes, zerbrechliches Hab und Gut, auf dem sie sitzen, doch gleichzeitig auch vorsichtig, was mein Verhalten dem Mann gegenüber anbelangt. Dennoch fällt mein erster an ihn gerichteter Satz ziemlich barsch aus: „Ich möchte gefragt werden!“
Verwundert und fast unfreundlich fragt er: „Sie wollen was? Gefragt werden? Ich soll gehen!“
„Nein, gar nicht! Das ist okay so, aber ich möchte gefragt werden, ob der Platz noch frei ist und möchte ausreichend Zeit bekommen, um meine Sachen beiseite zu räumen.“
Dem Mann fehlt jegliches Verständnis für mein Anliegen; ich spüre seinen anhaltenden Impuls, aufzustehen und zu gehen, weshalb ich mehrfach beschwichtigende Gesten mache, die andeuten sollen, er möge bitte bleiben. Übrigens, meine Schwester bleibt derweil ungerührt auf meinen Sachen sitzen und schaut sorglos aus dem Fenster. Unglaublich!

Gegen Mitternacht ist ANDACHT erreicht. Dunkel der Nachthimmel, doch das Hafengebiet liegt in kerzenlichtem Schein. Weit und breit kein anderer Mensch zu sehen. Schritt für Schritt… folge ich einem Schienenstrang… er führt über eine Baustelle, eine quadratische tiefe Ausschachtung, hinweg. Nur wenig weiter, auf der Schwelle zum Dunkel, enden die Gleise. Dieses Ende kommt unerwartet, ohne dass es zu begründen wäre. Verwundert spüre ich nach… Wenige Schritte vom Ende entfernt, verläuft – quer zu den Schienen – ein Graben mit goldbraunem Moorwasser. Na, das ist ja ein Ding! Das ist ja ein Graben wie bei den Großeltern während meiner Kindheit! Na sowas… Mich reißen drei Männer, die in Richtung Graben streben, aus den Gedanken. Sie sind guter Laune, sicherlich auf dem Heimweg nach einem schönen Abend. Richtung Osten, dort wo ein schmaler Fußweg zwischen langgestreckter Häuserfassade und Graben entlang führt, ist es absolut dunkel. Aus diesem Dunkel treten fünf junge Frauen hervor, ins Licht hier am Ende der Schienen. Einige Worte mit den Männern. Daraufhin machen sich alle zusammen auf den Weg im Schatten des Lichts. Sie verschwinden spurlos im dortigen Dunkel.

Nun bin ich wieder allein. Pulsierende Lebenswärme durchströmt meinen Körper. Meine Wangen sind angenehm warm und leicht gerötet, so selig ist mir zumute. So viel Ruhe in mir. So viel Frieden…. Es ist einfach alles… gut.

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Eine Antwort zu Von DENKEN nach ANDACHT

  1. [...] Gestern einen Traum aus dem letzten Jahr gelesen: Von DENKEN nach ANDACHT In dem früheren Traum geht es ebenso um den Norden und einen Wasserlauf wie im aktuellen [...]