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Castello!

Traum vom 4. August 2011

Als ich das Landhaus betrete, bemerke ich sofort, dass hier einige bekannte Gesichter zusammengefunden haben. Aus allen möglichen Lebensjahren; gereift. Vielleicht ist es diese Tatsache – dass eine solche Zusammenarbeit überhaupt möglich ist – die mich zuversichtlich stimmt. Wenn all diese Leute hier arbeiten, mein Eintreffen mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen, dann könnte auch ich hier vielleicht Arbeit finden? Kaum gedacht, stecke ich schon mittendrin.

Eine der leitenden Angestellten reicht mir die Arbeitskleidung: eine weiße Bluse, deren Stoff in vielen weichen Waffelfalten liegt, einen schwarzen Trägerrock aus weichem Webstoff und eine hautfarbene Feinstrumpfhose. Wo sind hier die Umkleiden? Man weist mir mit ausgestrecktem Arm den Weg, lässt mir den Vortritt. In die Beletage! Nein Scherz, einfach in die oberen Räume. Ein vieleckiger Raum mit Fenstern rundum – man denkt an einem Urwaldtower. Wir gehen zwischen zahlreichen Pulten umher. Altes Holz, vielleicht Möbel aus den Sechzigern. Alle sind mit Funkgeräten ausgestattet – unzählige schwarze Drehschalter zum Feinstimmen der Antennen. Mittig auf den Pulten je ein Mikrofon mit tannengrünem Schaumstoffwindschutz. Ah, hier wird täglich gefunkt! Qualitätsarbeit mit Präzisionsgeräten! Da stellt sich nicht die Frage, ob der alte Kram noch zeitgemäß ist. Man signalisiert, ich könne mich hier umziehen. Wie, hier ganz offen im Raum? Echt? Aha…

Das lockere Übereinander von Bluse und Kleid, ob das gut aussieht? Kann es mir nicht vorstellen, aber die Kollegen sagen, es sei wirklich okay. Alles läuft bestens – man erklärt mir alle Abläufe, ich begreife sofort.

Nächster Tag. Gerade im Landhaus angekommen. Sowas Blödes, ich habe keine Strumpfhose mitgenommen. Mit nackten Beinen werde ich kaum arbeiten können, da das eine Intimität vermittelte, die hier völlig unangebracht ist. Oje, dann entdecke ich auch noch eingetrocknete Häufchen von feinem Sand auf meinen orange lackierten Zehennägeln. Das müsste erst bereinigt werden – wie sähe es aus, zöge ich die Strumpfhose einfach drüber! Nein nein. Wie ich da so stehe in den aufgebauschten Kleidern … eine der Leitenden schaut mich von mehreren Seiten prüfend an und nickt zufrieden. Sie stört sich nicht dran, dass die Strumpfhose fehlt. Ich sehe mich wie von außen und tatsächlich: alles in Ordnung.

In einem großen Büroraum – viele Fenster gewähren einen Blick über die Stadt. Ich stehe vor einem Schultisch, an dem zwei Frauen sitzen: eine der beiden arbeitet in der Buchhaltung, die andere ist eine regional bekannte Astrologin. Die beiden unterhalten sich. Nahe über der Tischplatte; in meinen Händen ein graues Kunststoffteil – Bestandteil eines Kassettenrekorders aus den Siebzigern. Eindeutig, dem wohnt keinerlei Funktion mehr inne. Kann sein, die Tatsache, dass es trotzdem in meinen Händen ist, verwirrt mich soweit, dass ich es trotzdem nicht aus der Hand lege, so als könne ich zumindest etwas darüber erfahren, was das Teil mir sagen soll, wenn ich es nur lange genug von allen Seiten betrachte. Kann sein, eine der Frauen hat mich inzwischen angesprochen, jedoch hörte ich nichts. Ja, ich höre rein gar nichts! Nicht mal ein Flüstern. Die Frauen blicken abwechselnd zu mir hoch, unzufrieden. Ich strenge mich an, lausche noch konzentrierter, aber: nichts. Ich will sie ja auch nicht gegen ihren Willen belauschen und da ich nicht sicher bin, tue ich so, als senke ich meinen Kopf dem Kunststoffteil entgegen, um dieses genauer zu betrachten – in Wirklichkeit aber, um mit den Ohren näher an die Münder der Frauen zu kommen. Ich höre nichts, und doch bin ich sicher, sie sagen etwas zu mir. Plötzlich, wenn auch ziemlich leise, höre ich die Worte der Astrologin – endlich! Sie ist sehr verärgert: „Sie wollen nicht hören!!“ — „Ich kann Sie nicht hören!“ korrigiere ich ruhig aber mit Nachdruck und ergänze: „Aber jetzt wird es besser. Sprechen Sie etwas lauter.“ Doch die Frauen glauben mir nicht.

Zu später Stunde. Mike und ich sind völlig erschöpft. Dennoch wollen wir den Tag mit gutem Essen und Trinken beschließen. Wir sind die einzigen Gäste und setzen uns, ohne lange zu überlegen, an einen beliebigen Tisch. Das Wandlicht wirft ein warmes Licht wie Kerzenschein. Eine braune Weinflasche im Lichtkegel; noch vom vorherigen Gast. Mike und ich schauen zusammen in einen Speisekarte. Ich bin nicht so recht bei der Sache; viel zu müde schon. Da kommt der Restaurantbetreiber, beugt sich zu uns, entschuldigt sich flüsternd immer wieder und bietet an, uns einen exquisiten Ersatz auf Kosten des Hauses zu servieren. Anfangs verstehe ich nicht … „Im Wein wurde Rohöl gefunden!“ raunt er wichtig. Ich blicke zur Flasche. Castello! Ach so … der Gast vor uns hatte den Wein moniert, war aber längst gegangen. Der Restaurantbetreiber – so sehr auf das Problem fixiert – bemerkt gar nicht, dass er es mit anderen Gästen zu tun hat. Na, fast bin ich geneigt, ihn gar nicht darüber aufzuklären. So kämen wir kostenlos zu einer schönen Flasche Wein. Aber nein, vermutlich ist es so: wenn er das Problem bemerkt hat, dehnt sich seine Aufmerksamkeit zu uns aus und dann könnte es peinlich werden. Doch wir kommen kaum zu Wort, so sehr ist der Restaurantbetreiber bemüht, uns von dem anderen Wein zu überzeugen.

Mit dem Auto in Worspwede unterwegs. Das Frankfurter Kennzeichen haben wir abgelegt. Stattdessen die Kennung „GRA“. Sicherlich denken viele der Bekannten, das stehe für Grafenau. Das ist allerdings nicht richtig. GRA steht für Umfassenderes. Hmm, ich komme einfach nicht drauf. Wir lassen die Tanke und den Steinmetz hinter uns. Ein Frauengesicht mit Sonnenbrille.

Eine Antwort zu Castello!

  1. [...] Im Moment zeigt das Display ein Tannengrün, das an die Schaumstoffwindschutzhüllen aus einem anderen Traum erinnert. Alles läuft reibungslos – Pixel um Pixel sause ich voran, ohne jeden einzelnen noch [...]